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Fliegender Cartoon

von Patrick Limacher
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Baubericht Magnum reloaded von miniprop


Zum ersten Mal habe ich den Magnum reloaded vor ca. 2 Jahren als Bauplanmodell gesehen und wurde sofort an die Cartoons aus meinen Kindertagen erinnert. Da ich mich aber eher zu den «Holzwürmern» zähle, konnte ich mich mit dem Bau inkl. EPP schneiden usw. nicht so recht anfreunden. Das kleine «Fliegerchen» ging mir aber doch nicht so recht aus dem Kopf, und so entstand der Gedanke, den Magnum aus Holz zu bauen. Bis ... ja bis ich Ende letzten Jahres das Inserat vom himmlischen Höllein für den Magnum reloaded als Bausatz gesehen habe. Und da das Fliegerchen auch aufs Wasser sollte und sich Schaum besser mit Wasser verträgt als Holz, wurde nun doch ein EPP-Flieger daraus.


Bausatz

Geliefert wurde mir der Baukasten für das Modell: ein Brushless-Motor – Nanno 15 g von Pichler, Motorhalter Prop-Saver die Luftschraube GWS – Slow-Fly 8×4,3 zwei Servos -Robbe Eco 4,3 g und der Schwimmer-Bausatz. Alles kam gut verpackt und wohlbehalten bei mir an. Zusätzlich wurden aus dem eigenen Fundus noch 1 Meter CFK-Flachstab 1×6 mm, zwei Gestängeanschlüsse und die Akkus – 2S LiPo mit 450 mAh – beige-steuert. Und nicht zu vergessen – natürlich der passende Pilot, aber dazu später mehr.


Los gehts ...

So nun die «Ärmel zurück-krempeln», und los geht es mit dem Grossprojekt! Zum Verkleben des EPP wurden Heissleim (am besten eine Qualität, die elastisch bleibt) und Uhu-Por verwendet. Für die Kleinteile braucht es dann noch etwas Sekundenkleber. Nach den Bauerfahrungen würde ich beim zweiten Modell noch mehr mit Uhu-Por arbeiten. Er bleibt elastischer, und das ist bei dem ebenfalls sehr elastischen EPP-Material ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Einfacher und schneller zu verarbeiten ist aber natürlich der Heissleim, funktionieren tut beides.

Als Erstes wurde alles begutachtet, und wie wir das «vorbildlich» immer tun, die Anleitung studiert ;). Was im vorliegenden Fall bei nur sieben A4-Seiten mit Text und Plänen, wovon uns zwei Seiten mit den allfälligen Gefahren vertraut machen, nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt. Etwas nachdenklich machte die in der Anleitung gross aufgebrachte Bezeichnung, dass es sich hier um ein Modell nach dem Kiss-Prinzip handelt. Dabei handelt es sich leider nicht, wie zuerst vermutet, um eine Anlehnung an Grimms Märchen «Der Froschkönig». Und wir können dem Baukasten einen dicken



«Schmatz» aufdrücken, schwupp!, haben wir das fertige Modell vor uns. Nein es bedeutet «Keep it stupidly simple». Frei übersetzt: «Idiotensicherer Baukasten», und das erzeugt dann beim Erbauer schon einen gewissen Leistungsdruck! Wer möchte denn, falls etwas schiefgeht, beim Bau nicht als Idiot abschneiden?

Vorgreifend lässt sich sagen dass dieser Baukasten eher für Idioten mit etwas Erfahrung, sorry, Modellbauer gedacht ist. Ein absoluter Neuling dürfte auch aufgrund der eher bescheidenen Anleitung doch einige Fragen haben.

Aber wir sind ja eigentlich beim Bauen, und da habe ich mit dem Lackieren des Motorspantes begonnen, um ihn etwas wasserresistenter zu machen. Während der Motorspant nun trocknet, beginnen wir mit der Fertigstellung des Tragflügels.



Die Tragfläche

Als Erstes wurde der CFK-Flachstab mit Uhu-Por auf die Endleiste geklebt, um den Flügel zu versteifen. Anschliessend wurden die Fahrwerksbeine eingemessen und angebracht, und zuletzt die Ohren an den Flächenenden angeklebt.

Die Versteifung mit einem CFK-Flachstab kann ich aus meiner Sicht nur empfehlen. Vor allem wenn man auch mal etwas «rumturnen» möchte, macht es sicherlich Sinn.


Der Rumpf

Die Tragfläche wurde dann erst einmal zur Seite gelegt und mit dem Rumpf weitergemacht. Ich empfehle, als Erstes den Motoreinbau zu erledigen und Platz für den Regler im Rumpf zu schaffen. Diese Arbeiten lassen sich bedeutend leichter bewerkstelligen, solange das Leitwerk nicht montiert ist und bei der Arbeit stört. Der Motor wurde also vorbereitet und die Motorleitungen verlängert. Anschliessend habe ich die Bohrungen für Motorhalterung und Kabeldurchführung am Spant angebracht und den Motor auf dem Spant montiert. Nun mussten vor dem Verkleben des Spantes noch mit einem heissen Metallstab ein Kabelkanal vom Motor zum Regler freigeschmolzen und Platz für den Regler geschaffen werden.


RC-Einbau

An dieser Stelle ein paar Worte zur Platzierung der RC-Komponenten. Der Plan und die Anleitung sind in diesem Zusammenhang nicht sehr hilfreich. Zwar ist auf der Plan-Skizze die Lage eingezeichnet. Wie dies zu bewerkstelligen ist, bleibt aber dem Erbauer überlassen. Daher habe ich das Ganze nochmals durchgedacht, denn mein Ziel war, Empfänger und Regler so zu platzieren, dass sie wassergeschützt sind und trotzdem im Notfall wieder erreichbar, ohne das Modell zu beschädigen. Letztlich wurde oben im Füllklotz unterhalb der Servos ein Hohlraum geschaffen, in dem der Empfänger und die Servokabel bequem Platz finden.

Für den Regler habe ich am vorderen Anschlag des Füllklotzes im Haupttrumpf eine Aussparung erstellt. Der Flügel selbst wurde eingeklebt und



eine Durchführung für die Servokabel angebracht. Im Füllklotz wurde nun noch mit einem Cutter ein Einschnitt für die Verlegung des Reglerkabels angebracht. Der Füllklotz wurde zur Montage am vorderen und hinteren Rumpfanschlag mit etwas Uhu-Por fixiert. So lässt er sich mit etwas Reinbenzin oder einem Cutter problemlos wieder lösen, und der Zugang zu den RC-Einbauten ist gewährleistet. Die Servos sind in der dafür vorgesehenen Aussparung in der Rumpfmitte montiert.


Leitwerk

Nachdem nun der Motor montiert und die RC-Komponenten an ihrem Platz sind, wurden die beiden Schneidschlitze im hinteren Rumpfbereich verklebt. Weiter geht es mit dem Aufbau des Leitwerkes. Hier ist in der Seitenruder-Dämpfungsfäche ebenfalls ein CFK-Stab eingearbeitet, der unten etwa 2 cm übersteht. Das sorgt einerseits für mehr Stabilität des Seitenruders und andererseits für einen besseren Halt der Dämpfungsfäche im Rumpf.

Ebenso wurde auch in die Höhenruder-Dämpfungsfäche ein CFK-Stab zur Verstärkung eingearbeitet. Danach sind noch die Ruder mittels den Fliessscharnieren und etwas Sekundenkleber anzuschlagen und das Leitwerk auf dem Rumpf auszurichten und aufzukleben. Die Anlenkung der Ruder wurde mit dem beigelegten Material realisiert. Einzige Ausnahme ist, dass ich auf der Servoseite Gestängeanschlüsse verwendet habe. So lassen sich die Ruder einfacher justieren. Für die saubere Anlenkung des Seitenruders musste an der Oberkante des Rumpfes etwas EPP im Bereich der Seitenruderanlenkung entfernt werden. Für Nicht-Wasserflieger bleibt jetzt nur noch, die Windschutzscheibe aufzukleben und die Luftschraube zu montieren. Für Wasserflieger hingegen gilt es, noch die Schwimmer zusammenzubauen.


Die Schwimmer

Die Schwimmer werden separat geliefert und enthalten neben wenigen Teilen auch eine eigene Bauanleitung. Der Bau


Steckbrief Magnum reloaded:
Hersteller:miniprop
Spannweite:ca. 800 mm
Länge:ca. 700 mm
Abfluggewicht ab:240g
Flächeninhalt:ca. 13,8 dm2
Flächenbelastung:ca. 17,5 g/dm2
Steuerung:SR HR-Motor
Bezug:www.modellbau-zentral.ch


gestaltet sich hier wirklich simpel. Teile vertauschen kann man eigentlich nicht, da die vier Seitenteile und die beiden Mittelstücke je gleich sind. Es werden also je zwei Seitenteile mit je einem Mittelstück gemäss Plan verklebt. Anschliessend sind die vier CFK-Stäbchen zur Schwimmersicherung abzulängen und gemäss Plan zu montieren. Um die Schwimmer für Wintereinsätze auf Schnee und Eis zu schützen und die Gleiteigenschaften auf dem Wasser zu verbessern, habe ich die Unterseite der Schwimmer bis hinauf zur Wasserlinie mit Wasser verdünnbarem Treppen- und Parkettlack versiegelt. Das Anbringen und Entfernen der Schwimmer ist sehr einfach und in wenigen Sekunden erle-

digt. Schwimmer aufstecken, Gummiringe als Sicherung einhängen, fertig! Eine Korrektur des Schwerpunktes beim Fliegen mit oder ohne Schwimmer ist nicht notwendig.


Einstellungssache

Der Schwerpunkt und die Ruderausschläge wurden aus der Bauanleitung übernommen und sind für den Erstflug absolut in Ordnung. Bei den Ruderausschlägen kann man allerdings auch einfach alles geben, was man hat, zu viel gibt es da eigentlich nicht. Auch das Verhalten betreffend Schwerpunkt ist unkritisch und lässt einigen Spielraum. Zum Erreichen des korrekten Schwerpunktes mussten bei meinem Modell trotz ganz vorne am Spant plat-



ziertem Akku noch ca. 10 g Blei in die Nase. Der Motor darf also auch ein paar Gramm mehr auf die Waage bringen oder der Akku noch etwas grösser sein.


Der Pilot

Also los, gehen wir fliegen ... Stopp, da fehlt doch noch was? Natürlich der Pilot! Ohne geht das bei diesem Modell nun gar nicht! Und wer wäre da besser geeignet als «Snoopy», der Beagle aus den Peanuts Cartoons von Charles M. Schulz. Übrigens Cartoons, die man auch als «Erwachsener» mal wieder lesen kann und die so manches Erheiternde und Erhellende in sich bergen. Und wer solches tut, Peanuts lesen, der weiss, dass Snoopy schon so manche Luftschlacht mit dem roten Baron überstanden hat, und das sollte als Pilot für meine Zwecke ausreichen.

Alsbald wurde klar, dass eine passende Snoopy-Pilotenfigur nicht käuflich zu erwerben sein würde. Aber wofür sind wir Modellbauer denn ein begabtes und kreatives «Völkchen»? So etwas machen wir doch einfach selbst! Hierfür wurde im Internet eine passende Seitenansicht von Snoopy gesucht und dann in der passenden Grösse ausgedruckt. Dieser Ausdruck wurde auf einen Karton geklebt und dieser dann mit Haftkleber auf einen zweiten Karton. Nun noch das Ganze ausschneiden, und fertig sind die Schneideschablonen. Als Nächstes habe ich sieben Rechtecke aus 6 mm Depron, etwas grösser als die Schneideschablonen, zugeschnitten und mit verdünntem Uhu-Por zu einem Block zusammengeklebt. Mit Haftkleber wurden nun die Schneideschablonen parallel auf sich gegenüberliegende Seiten des Depronblockes geklebt. Nachdem der Heissdrahtschneider warmgelaufen ist, kann man jetzt den Konturen der Schablone nachfahren, und schon sieht das Ganze langsam nach Snoopy aus. Diese Grobform wird nun mit Schleifklotz und Schleifpapier in die endgültige Form gebracht. Aus 3 mm Depron entstanden dann noch Ohrenklappen und Fliegerbrille; diese wurden auf die Snoopy-Figur aufgeklebt. Den farblichen Schliff bekommt unser Pilot mit wasserlöslichen Acrylfarben und Edding-Stiften. Zum Schluss gibt es noch einen passenden Schal, die flattern im-



mer so schön im Wind, und einen kleinen CFK-Stab, in die Unterseite des Piloten, damit er an seinem Arbeitsplatz auch sicher verklebt werden kann. Das klingt jetzt vielleicht etwas aufwendig, ist aber entspannt an einem Regensonntag zu schaffen und macht Spass! Der so entstandene Pilot ist sehr leicht ein Unikat und sieht echt klasse aus in seinem Gefährt!


Da fehlt doch noch was ...

Bei der finalen Begutachtung des Werkes kam dann noch die Idee einer Auspuffanlage als Deko-Element auf. Diese habe ich einfach von Hand auf ein Blatt Papier skizziert und anschliessend mit Haftkleber auf ein Stück Depron übertragen. Das Ganze wurde dann mit einem scharfen Messer zweimal ausgeschnitten, in Form geschliffen und mit schwarzem Edding-Stift bemalt. Mit etwas Uhu-Por habe ich die Auspuffanlage am passenden Ort fixiert, mir gefällt!


Jetzt aber fliegen ...

Aber jetzt gehen wir fliegen! Das ist, wie zu erwarten, keine grosse Sache, macht aber wirklich Spass! Obwohl «nur» mit Höhe und Seite ausgerüstet, ist das Modell sehr wendig, und man kann allerlei «Blödsinn» damit anstellen. Strömungsabriss? Was ist das? Den gibt es hier eigentlich nicht, der Kleine kann fast schon im Stehen gelandet werden. Auch der Start ist denkbar einfach: Oben am Rumpf halten, Gas geben loslassen, er fliegt. Auch Bodenstarts gelingen problemlos, obwohl das Modell keine Räder hat. Es sollten aber ein bis zwei Meter zum Rutschen vorhanden sein, also keine kniehohe Wiese. Fliegen kann man an Land, zu Wasser, auf Schnee oder Eis, also zu jeder Jahreszeit. Und Platz, um den Kleinen unterzubringen, dürfte meist auch vorhanden sein. Ein Modell also zum immer dabei haben, das einfach Spass macht und garantiert das Lieblingsmodell von Frauen und Kindern sein wird: «Der ist ja wirklich süss.»

Patrick Limacher



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