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Internationales Modellflug-Symposium 2011

von Hermann Mettler
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Bereits zum 27. Mal führte die Region Nordostschweiz ihr internationales Symposium durch. Der Technologiestandort Winterthur mit Technorama, ZHAW und zahlreichen Technologie-Unternehmen ist ein guter Platz für diese Anlässe. Die Themen wechseln von Jahr zu Jahr. 2007 – Jet; 2008 – Helikopter; 2009 – Scale; 2010 – RC-Segelflug und 2011 – Kunstflug.


1. Was ist eigentlich ein Symposium?

Wie auch früher, kam die Einladung für diese Veranstaltung in Form eines eher unscheinbaren Mails via den Vereinspräsidenten. Als modellfliegerisch nicht besonders ambitioniertes Mitglied glaubt man in diesem Fall zuerst einmal prüfen zu müssen, ob ein durchschnittlicher Modellpilot überhaupt zum anvisierten Zielpublikum dieses internationalen Kongresses gehört. Denn schon allein die dabei verwendeten Begriffe lassen auf ein höheres Bildungsniveau der Teilnehmerschaft schliessen. Doch die Bezeichnung Symposium ist eigentlich nur ein gleichbedeutendes Wort für eine Tagung oder eine Zusammenkunft. Und «international» wird das



Treffen darum genannt, weil die Referenten und Teilnehmer manchmal auch aus dem benachbarten Bundesland Baden-Württemberg oder dem Fürstentum Liechtenstein kommen. Somit hat man es hier eher mit Nachbarn zu tun und eine Fremdsprache wird schon gar nicht gesprochen. Ausser

man würde das im Nachbarland ebenfalls verwendete Alemannisch als eine solche empfinden. Da sich die Teilnehmer nicht anmelden müssen, kann jeder Interessierte an diesem Samstag in der Mitte des Dezembermonates einfach zur Veranstaltung hingehen. Und dort ist Emil Giezendanner jeweils erleichtert, wenn es im Saal für sämtliche erscheinenden Teilnehmer genug Sitzplätze hat. Denn wüssten noch mehr Modellbauer vom oft hochkarätigen Inhalt der angekündigten Präsentationen, dann wäre auch leicht einmal ein völlig überfüllter Vortragsraum mit grosser Platznot vorstellbar.


2. Welches Wetter benötigt eine solche Veranstaltung?

Nun, an diesem Tag passte das Wetter vorzüglich, was bei Modellflugaktivitäten bekanntlich immer sehr wichtig ist. Es war



draussen nasskalt und dazu regnete es zeitweise in Strömen. Also konnte man auf dem Flugplatz unmöglich auch nur die kleinste Fluggelegenheit verpassen. Die Themen bei diesen Symposien alternieren übrigens von Jahr zu Jahr, sodass abwechselnd immer wieder eine andere Sparte des Modellflugs berücksichtigt wird. Als Folge gibt es auch ständig andere Referenten. Bis auf eine besondere Ausnahme. Auf diese wird in einem späteren Abschnitt eingegangen. In diesem Jahr war das Thema Kunstflug angesagt.


3. Für ein kleines Nickerchen eignet sich dieser Vortrag leider nicht

Martin Götz startete seinen Vortrag sogleich mit einem ziemlich verrückten Video aus dem manntragenden Kunstflug. Alles in der realen Umgebung aufgezeichnet und keine faulen Stunts. Und dazu noch in einer verblüffend guten Bildqualität. In diesem Moment gab es kein Nachschlafen der am frühen Morgen entgangenen Ruhezeit. Zu spektakulär waren die mit mehreren Bordkameras aufgezeichneten Gesichtszüge der mitfliegenden Passagiere in den stark G-belasteten Flugfiguren. Dank eines Buches blieben einige der ungewollten Grimassen doch noch vor der Kamera verborgen. Danach wurden die zahlreichen für den Wettbewerbsflug eingesetzten Flugzeugtypen mit ihren Eigenschaften besprochen. Die Informationen zu den personentragenden Segelflugzeugen und ihre spezifischen Eigenschaften waren für die



Modellbesitzer auch sehr interessant. Martin zeigte dann auch noch mit einem kleinen Modell sehr anschaulich die Flugfiguren, welche mit den Segelflugzeugen von den Piloten geflogen werden müssen, um damit möglichst viele Punkte an einem Wettbewerb zu holen. Ob manntragend oder Modell, die Wettbewerbe haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Und manche Flugzeuge unterscheiden sich nur im Massstab (1:1 oder etwas verkleinert) voneinander.


4. Vom manntragenden Vorbild zum Modell

Genau an diesem Punkt fuhr Thomas Hoffmann mit dem Thema «Auslegung von Segelkunstflug-Modellen» weiter. Manche Modelle haben ein manntragendes Vorbild. Die beim Kunstflugmodell verwendeten Profile unterscheiden sich dagegen wesentlich. So zeigte Thomas unter anderem auch, welchen Einfluss die verwendeten Flächenprofile auf die Kunstflugeigenschaften ha-



ben können. Dazu hatte er auch gerade die passenden Demonstrationsobjekte in Form von benutzten Tragflächen dabei. An diesen konnte er die besprochenen Eigenschaften sehr anschaulich zeigen.

Auch dieses Thema wurde sehr kurzweilig und unterhaltsam vorgetragen. Und am Ende legte dieser Vortragende gerade noch einen Steilpass für das Thema des nächsten Dozenten vor.


5. Die Vorlesung des Herrn Professor Dr. Helmut Quabeck

Dieser war, wie üblich, bestens vorbereitet. Vielleicht etwas zu gut. Denn mit seinem Inhalt hätte er leicht auch noch den ganzen Nachmittag bestreiten können. Dr. Helmut Quabeck ist bekannt durch die Entwicklung von zahlreichen im Modellflug sehr erfolgreich eingesetzten Flügelprofilen. Da solche Profile fast für alle Flächenflugzeuge eine Bedeutung haben, ist er logischerweise ein Stammreferent geworden. Er nimmt dabei gerne eine von

seinen Vorrednern angesprochene Problemstellung auf, um anschliessend eine Lösung anhand eines eines dafür entwickelten HQ-Profils theoretisch fundiert aufzuzeigen. Leider wird ihm dafür immer die Zeit vor dem Mittagessen zugewiesen. So gerät er bald einmal unter einen erheblichen Zeitdruck und kann so nur einen Teil der mitgebrachten Powerpoint-Präsentation zeigen. Immerhin hat er für die daran wirklich interessierten Zuhörer auch das von ihm verfasste Theoriebuch dabei, welches er dann jeweils zu einem Spezialpreis anbietet. Und jene Teilnehmer, die im nächsten Jahr auch wieder erscheinen, hören dort bestimmt noch die Fortsetzung des nicht ganz vollständig ausgeführten Themas. Wer jedoch selbst einen wettbewerbstauglichen Segler auslegen möchte, der findet in seinem Fachbuch eine tolle Auswahl an HQ-Profilen mit den zugehörigen Eigenschaften und den dazu notwenigen Daten ausführlich beschrieben.



Zudem vermittelt das Werk Grundlagen über die Aerodynamik und die Dimensionierung eines Flugmodells. Man bekommt für den bescheidenen Preis sehr viele Formeln und Tabellen geliefert. Allerdings sollte man sich, um damit den eigenen PC so richtig beschäftigen zu können, ein wenig mit der anspruchsvolleren Mathematik beschäftigen (z.B.: Integralrechnung und Trigonometrie). Ob Helmut allerdings in der Vergangenheit wirklich als Professor tätig war, hat der Autor dieses Artikels nicht geprüft. Verdient hätte er diesen Titel für sein theoretisch fundiertes Grundlagenwerk ganz bestimmt.


6. Wie man trotz fehlendem Theorieverständnis zu

praktischen Lösungen kommt
Viele Zuhörer finden den Vortrag von Helmut zwar sehr beeindruckend, doch eigentlich möchten sie statt einer Menge


Grundlagen nur eine einzige Lösung für ihre persönliche Aufgabenstellung bekommen. Und dafür haben sie einen viel bequemeren Weg entdeckt. Mit Bezug auf seinen Vortrag senden sie nun Helmut einfach eine E-Mail und erläutern darin in kurzen Sätzen ihr Bauprojekt mit den dafür benötigten Auslegungsdaten. Helmut hat inzwischen so viel Erfahrung mit solchen Anforderungen, dass er dann ziemlich bald eine Lösung in Form von Profilpolaren und anderen nützlichen Angaben zurücksendet. So erspart sich der praktisch denkende Modellbauer elegant die viele Rechenarbeit und kommt auch, ohne jemals die Grundlagen verstanden zu haben, zu einem sehr brauchbaren Ergebnis.


7. Wettbewerbskunstflug personentragend – ein aktiver Pilot erzählt vom Training

Nach dem Essen ging es dann noch einmal mit den personen-



tragenden Flugzeugen weiter. Dominic Andres erklärte als aktiver Wettbewerbspilot, welche Anforderungen er an ein gut motorisiertes und damit voll akrotaugliches Flugzeug stellt. Danach beschrieb er auf eine ebenfalls sehr gut nachvollziehbare Art die aktuellen Flugzeugtypen mit ihren speziellen Flugeigenschaften. Mit sehr schönen Bildern aus Spanien, wo er das für seine Wettbewerbe notwendige Training absolvierte, rundete er seinen Vortrag ab.


8. F3M-Wettbewerbskunstflug – die Flugzeuge sind nur ein wenig kleiner

In derselben Logik wie am Morgen folgte erneut ein Vortrag über grosse Kunstflugmodelle der Klasse F3M von Dani Koch und Patrick Drack. Sie berichteten ebenfalls über die Anforderungen und die Entwick-



lung neuer Modelle. Dabei nahmen sie auch Bezug auf die Reglemente für den Wettbewerb. Auch sie berichteten sehr kompetent aus der eigenen Flugpraxis. Dazu zeigten sie noch einen typischen Wettbewerbsmotor, den jeder Zuhörer selbst einmal in die Hand nehmen durfte. Interessanterweise gab es auch hier einige Gemeinsamkeiten mit dem personentragenden Kunstflug. Und dies nicht nur bei den Flugzeugnamen.



9. Ein Experte und erfahrener Punktrichter erläutert die neuen Flugprogramme

Danach zeigte Peter Uhlig dann die neuen F3A-Flugprogramme P13 und F13 für das Jahr 2012 anhand einer von ihm sehr anschaulich und gut verständlich gestalteten Powerpoint-Präsentation. Zudem zeigte er auch aus der Sicht eines Punktrichters die Kriterien und Schwierigkeiten, um damit eine für alle Teilnehmer faire Bewertung der Flugvorführungen am Wettbewerb zu erreichen.


10. Den Mythos Lipo entzaubert – was diese Wunderakkus wirklich können und was nicht

Als Nächstes kam ein Thema von sehr allgemeinem Interesse. Der bekannte Buchautor und Fachexperte Ludwig Retzbach erläuterte den neusten Stand der Akkutechnik. Ein Thema, welches auf sehr vielen Modellflugplätzen äusserst gefragt ist und darum sehr oft auch kontrovers diskutiert wird. Zuerst ging Ludwig auf die bekannten Eigenschaften von Nickel-Cadmium-, dann auf die Eigenheiten der neuen Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) ein, um dann ausführlich zu den sehr speziellen Eigenschaften von Lithium-Polymer-Zellen zu gelangen. Er zeigte auch anhand von Beispielen, wie die in der Werbung so wichtigen C-Werte zu verstehen sind. Denn längst nicht alles, was die Hersteller ihren Kunden über diese hochgepriesenen Energiespeicher versprechen, trifft in der Praxis auch tatsächlich zu. Werte von bis zu 60 C seien im Betrieb oft nur für einen kurzen Moment erreichbar. Und je höher die Temperatur in einem Akku werde, desto weniger Ladezyklen würde dieser in seiner Existenz ertragen. Dieser einfache Zusammenhang und einige weitere sehr nützliche Anwendungsregeln sieht man selten so kompakt und leicht verständlich präsentiert.


11. Es existieren verschiedene Arten von Jet-Kunstflug

Den Abschluss machte Raimund Wehrli mit Informationen über den Jet-Kunstflug der



Klasse F3S. Er opferte einen beträchtlichen Teil der seinem Vortrag zugemessenen Zeit, um das Symposium rechtzeitig zu beenden. Für manche Zuhörer war es dennoch recht informativ, einmal einen guten Überblick über die verschiedenen Arten von Kunstflug in der Sparte Jet durch einen kompetenten Vertreter zu erhalten.


12. Schlussfolgerung: Hochstehende Vorträge – aber nicht nur für Experten

Bestimmt waren die meisten der sehr sorgfältig vorbereiteten Präsentationen auf das Interesse der kunstflugbegeisterten Modellpiloten zugeschnitten. Aber auch Zuhörer mit weniger Erfahrungen in diesem Bereich konnten, dank der sehr praxisbezogenen Vorträge, viel Wissenswertes über die neuste Technik erfahren. So war das Symposium für diese wohl kleinere Gruppe auch eine gute Gelegenheit zur Erweiterung des modellfliegerischen Horizontes. Das Thema Akkumulatoren war bestimmt für jeden Modellpiloten interessant. So wird dieser schon beim Kauf wie auch beim späteren Gebrauch vom vermittelten Wissen gut profitieren können. Mit den Profilen muss man sich dagegen ein wenig gründlicher auseinandersetzen, um alle Aspekte zu verstehen. Doch kommt dieser Referent offenbar regelmässig nach Winterthur. So können ständige Teilnehmer dieses komplexe Wissen nach und nach vertiefen. Dank der Pausen zwischen den einzelnen Referaten konnte auch manche Fragestellung noch unkompliziert mit dem Vortragenden oder mit anderen Teilnehmern persönlich besprochen werden. Obwohl vermutlich nicht alle der Referenten zuvor eine rhetorische oder didaktische Ausbildung absolviert hatten, waren fast alle Referate sehr kurzweilig und gut verständlich aufgebaut. Oft waren die Erläuterungen auch mit einer rechten Prise Humor gewürzt, der bei den Zuhörern ein freudiges Schmunzeln oder gar einen kräftigen Applaus auslöste. Darum war trotz erheblicher Müdigkeit kaum eine Sekunde Schlaf möglich. Dem unermüdlichen Organisator der Weiterbildungsveranstaltungen, Emil Giezendanner, soll an dieser Stelle wieder einmal ein grosses Lob ausgesprochen werden. Er schafft es immer wieder, dank seiner vorzüglichen Kontakte in der Modellbau-szene sehr fähige Referenten für die anstehenden Themen zu organisieren.

Text und Bild: Hermann Mettler



Kunstflug mit Jet-Modellen – eine sehr attraktive neue FAI-Klasse.




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