Elektroflug für alle Chipmunk von Hirobo
Kleinere japanische Elektroflugmodelle mit bescheidenen Antrieben (6–7 Zellen; Billigmotor mit Getriebe) beginnen sich in Übersee und Europa jenen Markt zu erobern, den der deutsche Gigantismus glaubte übergehen zu können. Ich habe kürzlich mit meinen Erfahrungen mit dem Hirobo-Professor gezeigt, dass hier etwas im Entstehen ist, das uns sicher helfen wird, Verständnis und Interesse für den saubersten Antrieb bis in die letzten Winkel unserer fliegerischen Volksbewegung hineinzutragen.
Es ist nicht etwa so, dass den Modellherstellern aus Fernost die Entwicklung von brauchbaren Jedermann-Elektroflugmodellen sozusagen in den Schoss gefallen ist. Anfänge von Kyosho mit kleinen Kunstflugmodellen waren nicht sehr vielversprechend, m. E. hauptsächlich ein Problem der Abstimmung von Modellgrösse bzw. Flächenbelastung und Antrieb.
Auch die Gehversuche von EZ mit dem Elec 1800 sind mehr als stümperhaft ausgefallen, obwohl bei uns noch relativ häufig gekauft. Der Rumpf war zu schwach, der Antrieb unbrauchbar, denn das Getriebe scheint einer guten, alten Schwarzwälder Kuckucksuhr entnommen, und der Motor beginnt bald einmal zu rauchen – nicht wegen Nikotin-Abhängigkeit, sondern wegen Überlastung durch eine zu grosse mitgelieferte Luftschraube. Die Luftschraube ist eigentlich für Knalltreiberlinge hergestellt worden und genügt den Anforderungen eines Elektroantriebes nur bedingt. Luftschrauben für kleinere Elektrosegler nach vorbildlicher Manier sind etwa bei Graupner oder Aeronaut erhältlich! Der Unterschied von den Entwicklungen aus Fernost zu uns liegt aber darin, dass man dort weniger schnell aufgibt und eher vom Kleinen zum Grossen als umgekehrt vorgeht.
Allerdings darf nicht vergessen werden, dass unser grösster Elektroflugpionier, Fred Militky – wie so oft in seinem eigenen Land verkannt –, vor zwanzig Jahren genau diese Wege einschlug, wie sie heute von den Japanern konsequent gesucht werden.
Leider hat damals die gewaltig voranstürmende Elektroflugelite nicht einsehen wollen, dass sie nichts weiter sind als ein paar einsam bleibende Spezialisten, die längerfristig ohne gleichzeitiger Ent- wicklung einer tragfähigen Elektroflugbasis keine Zukunft hat.
Was oberflächlich betrachtet fast etwas unglaubwürdig wirkt, entpuppt sich als zwar relativ kleines (130 cm Spannweite), aber durch und durch gelungenes Konzept für eine originalähnliche Elektro-Kunstflugmaschine. Der Vorfertigungsgrad – die Flächenhälften müssen verbunden, Klebefolien und Kabine angebracht sowie RC-Anlage und Antrieb eingebaut werden – überrascht. Der Tragflügel ist in Holz-Rippenbauweise mit Schaumstoffüberzug gehalten und der Rumpf – gleich wie beim Profes-


Chipmunk von Hirobo, ein kleines Elektromodell für 6–7 Zellen

sor – dünnes Kunststoffmaterial, wie es etwa für Verpackungen zur Anwendung gelangt (deshalb auch Joghurtbächerli-Klasse genannt!) und mit Holz verstärkt. Die Klarsichthaube sollte über die tiefgezogene Rumpfausweitung geklebt werden, was mich nicht überzeugen wollte. Somit griff ich zur umweltfreundlichen Spraydose und trug – nachdem ich mit Klebstreifen die Kabinenrahmen abgedeckt hatte – mit etwas blauer Farbe zur Originalähnlichkeit meiner kleinen Chipmunk bei. Auch das sorgenfaltenfreie Aufziehen der Farbfolien bereitete mir Mühe bzw. gelang nur teilweise.
Keine Mühe bereitet der Einbau der RC-Anlage, nachdem ich beschlossen hatte, den Empfänger in die grosse Kabine zu versenken. Auch hier wird der mit montiertem Getriebe gelieferte Motor auf den bereits am Rumpf montierten Kunststoffträger aufgeschnallt. Zur Regulierung der Drehzahl verwende ich den kleinen 30-A-Regler von Sommerauer – ehret einheimisches Schaffen! Etwas Sorgen bereitete mir die Tatsache, dass ich mit meinem kleinen JR-Servo nicht so viel Querruderausschlag hinbrachte, wie ich mir für eine veritable Rolle vorstellte. In dieser Beziehung muss ich nochmals über die Bücher.
Etwas schwach ausgefallen ist, wie auch beim Professor, die Befestigung des Fahrwerks – nach einigen Wiesenlandungen wird das Ganze pluderweich.
An einem langen Abend brachte ich meine Chipmunk nicht zusammen, wobei ich keine Masseinheit für Geschwindigkeit bin. Solche Modelle jenseits von Wettbewerbsstress sind für mich ohnehin reine Genussobjekte. Sicher gibt es schnellere Modellbauer; aber

auch solche, die nächtelang Nieten aufbringen. Diese Modelle vertragen alle Philosophien. Für mich als Nicht- Scale-Modellbauer stellt die vollendete Chipmunk ein kleines Prachts- und Schaustück dar, das in unserem Haus im Moment einen Sonderplatz einnimmt.
Wer die kleine Chipmunk auf die Piste stellt und den Leistungshebel am Sender nach vorne schiebt, glaubt nicht, dass nach zwanzig bis dreissig Metern Startstrecke noch etwas stärker gezogen werden darf und das Modell dabei auch noch abhebt. Jedenfalls auf unserem Platz schauten alle etwas ungläubig dem kleinen Hüpfer nach, wie er nach einer gefühlvoll geflogenen Wende zurück über den Platz schnurrte. Tatsächlich, es fliegt! Allerdings gaben meine sechs uralten Sanyozellen dem Modell keine umwerfende Rasanz. Besser sieht die Sache dann schon mit sieben Zellen aus. Damit lassen sich problemlos Rollen und Loopings fliegen. Was ich noch zusätzlich versuchen will, ist das Ausrüsten mit 7–8 900-mAh-Zellen. Der kleine Motor ist über das Getriebe recht gut auf Luftschraube und Fluggeschwindigkeit abgestimmt. Das Motörchen erwärmt sich dabei nicht übermässig, und die Flugzeiten von sechs bis sieben Minuten sind ansprechend (Versuche mit 1700-mAh-Zellen stehen noch bevor).
Nach drei bis vier Metern Rollstrecke auf der Piste hebt das Modell den Schwanzsporn und kann dann problemlos gesteuert werden. Das Getriebe verleiht dem Modell eine ausgeglichene Fluggeschwindigkeit und somit ein problemloses Steuerverhalten. Dafür darf nicht erwartet werden, dass die Geschwindigkeit bei tiefen Vorbeiflügen ähnlich einem Schnuppi oder sonstigen kleinen Flitzer stark zunehme. Das Ganze bleibt gemütlich, und der Motor dreht kaum merkbar höher; genau so, wie ich mir den Unterschied zwischen einer Kunstflugmaschine und einem Racer eben vorstelle. Ich bin jetzt auf den nächsten Wurf von Hirobo gespannt. Der Joghurtbächerli-Club lässt grüssen.
Emil Giezendanner


DIE PC-21-STORY

Neuigkeiten von HEBU

WEISCH, WASI MEINE? 125 JAHRE AERO CLUB DER SCHWEIZ

CORSAIR F4U – EIN WARBIRD MIT EINPRÄGSAMER OPTIK

STOLZ UND GUTE IDEEN

ATOM, DER NEUE DOPPELDECKER VON CPLR

EUROPAMEISTERSCHAFTEN F3A IN ST-MACAIRE, FRANKREICH

TEAMMANAGER «THIS» BOSSHARD

52. COUPE DES ALPES 2026

HORIZON HOBBY/LEMACO NEWS:MICRO OV-10 BRONCO 645 MM VON E-FLITE

WILLKOMMEN, NEUES MITGLIED!

FREIFLUG IM HOCHSOMMER

EURO CONTEST GLIDER ACRO TOUR ÖSTERREICH 2026

VON DER JUGEND FÜR DIE JUGEND

EINBLICKE IN DIE WASSERFLUGGESCHICHTE

SCHNUPPERTAG BEIM MFV WETTINGEN

Neuigkeiten bei Leomotion.com

STADTPARTNERSCHAFT

34. ALPINES MODELLFLUGLAGER HAHNENMOOS

FERIENPLAUSCH 2026 BEI DER MG USTER

COUPE DES ALPES – BEOBACHTEN UND LERNEN

KLEINE VORBILDÄHNLICHE SEGLER

REGION NOS – EIN ZENTRUM DES ELEKTROFLUGS

VON 0 AUF 100

NEUIGKEITEN VON HEBU

ERINNERUNGEN

WEISCH, WAS I MEINE? IM LAND DES LÄCHELNS
