Abstürze und Zusammenstösse sind keine Seltenheit, aber sie bleiben ohne Schaden
Im Modellflug gibt es immer wieder Neuerungen und Themen, die Wesentliches verändert haben oder sich zumindest in dieser Modellbausparte einen Stammplatz errungen haben. So z.B. der Elektroflug, der vor rund 40 Jahren zum Thema wurde. In meiner näheren Umgebung war es damals Dani Bucher, der wie viele andere Pionierarbeit geleistet hat. Seine Modelle Sniff und Pfiff waren Protagonisten des Elektrofluges in der Schweiz.
Was aus meiner Sicht an dieser Geschichte bemerkenswert ist, dürfte die Tatsache sein, dass es sich hier um Modellflug im reinsten Sinne handelt. Zudem haben die Fluggeräte Scale-Charakter. Die treibenden Personen hinter diesem Thema kommen allesamt aus dem manntragenden Flug und haben zugleich einen Modellflugbackground. Das trifft praktisch auf alle zu, die ich als Produzenten kenne. Mathieu von OPALE in Frankreich, Ahn Jae Woong in Korea (Pilot und GS-Importeur) von FlyPG, Sascha Rentel von Hacker, Ivan Appolini vom MIM in Italien (ehemaliger GS Acro-Nati Pilot) oder die Gebrüder Rudzan in der Slowakei. Ich kenne keinen Hersteller in der Szene, der nicht selber GS fliegt. So gesehen ist es auch klar, dass der grösste Teil der Kunden von mir einen GS-Background haben. Manche sind noch aktive – viele sind aber ehemalige oder nicht mehr oft fliegende GS-Piloten und sehen in RC-Para eine Möglichkeit, ihren (geliebten) Gleitschirm wieder erleben zu können. Und tatsächlich ist das Fliegen eines Modells z.B. am Hang emotional für mich sehr nahe beim richtigen Fliegen! Dies einfach als einleitende Worte ...
An Ostern war ich an einem Hangfluganlass, der von zwei Privatpersonen organisiert worden ist. Die Firma Hacker und der Neckar-Verlag haben dann das Sponsoring übernommen und konnten dafür den Anlass mit ihrem Namen verbinden. Mathias konstruiert selber Modellgleitschirme – dies mit Erfolg und grossem Elan. Seine Modelle müssen sich nicht hinter den kommerziellen Produkten verstecken. Mit marktgängigen Softwareprogrammen ist die Konstruktion eines Modellgleitschirms recht gut möglich – Geduld und handwerkliche Geschicklichkeit benötigen dann vor allem Herstellung und Feinabstimmung der Leinen. In solch einem Modellgleitschirm stecken viele Quadratmeter Stoff (viel Verschnitt) und um die 100 Meter Leinen mit 50–100 Verknüpfungen/Verbindungen. Es gibt noch keine Roboterfertigung. Trotz technischer Unterstützung wie Laser-CAD für den Zuschnitt usw. steckt in jedem Modell immer noch eine Menge Stunden Fleissarbeit. Dies ist mit ein Grund, warum die Produkte im Auge der Modellbauer wohl recht teuer sind. Ein GS-Pilot aber sagt «Was, nur 500 Franken?», denn für seinen Grossen hat er wohl mehr als zehn Mal so viel bezahlen müssen. Es muss aber vorweggenommen werden und das sollten Modellbauer beherzigen, dass ein Modellgleitschirm wahnsinnig viel mehr aushält als ein normales Modellflugzeug. Sascha Rentel, z.B. von HACKER, und ich selber, die wir beide sehr viel fliegen und testen, haben beide bisher je einmal einen Schirm kaputt gemacht. Alle anderen Schäden betrafen die Leinen, die sich leicht austauschen lassen, oder dann die Puppe, das Trike, die Servos oder den Motor. Auch da bleibt das Schadenspotenzial in Geld gemessen immer auf tiefem Niveau, nicht vergleichbar mit Schäden, die man bei Modellflugzeugen in Kauf nehmen muss. Sascha und ich verhakten uns am Moosberg am Hang miteinander – d.h. sein ASTRAL und mein PRISMA –, wobei meine Pilotenpuppe einen minimalen Holzschaden aufwies, der den Antrieb ausser Gefecht setzte. Die Puppe konnte aber noch segeln. Sascha hatte nichts und startete anschliessend wieder. Das, obwohl beide Modelle aus gut vier Metern zu Boden fielen. Bei Segelflugmodellen undenkbar, oder? Kommen wir aber gleich noch zu einem andern Pluspunkt dieser Modelle. Du verpackst den RC-Para in einem Rucksack mittlerer Grösse, und auf dem Berg entfaltet sich ein Modell mit 2, 3 Meter oder gar noch mehr Spannweite – ein Modell, das zudem in punkto Landemöglichkeit minimalste Anforderungen stellt.

Kommen wir aber zum Anlass: Henrik und ich reisten am Karfreitag aus der Schweiz an und fuhren über den Brengener Wald ins Lechtal. Der Tag war feucht und neblig. Ich fand es flott von Henrik, dass er mich dennoch begleitete. Unsere Flugchancen standen schlecht. In Warth, als es über die Passhöhe ging, brach der Nebel schnell auf, und wir hatten freie Sicht ins Lechtal. Wir staunten nicht schlecht und die Freude stieg im Nullkommanichts von –2 auf plus 10! So fuhren wir dann talabwärts und hofften, dass der Treffpunkt bald käme. Die Wolken aber zogen sich wieder zu, und kurz bevor wir Weissenbach (15 km vor Reutte/Tirol) erreichten, begann es wieder zu nieseln.
Der Sohn des Hauses ist Mitorganisator und fliegt ebenfalls RC-Para. Nachdem die Letzten eingetroffen sind, besprechen wir das Vorgehen. Unser Bericht vom besseren Wetter wird bei einem Anruf in der Flugschule Elbigenalp bestätigt. Dort ist es immer noch trocken, und schön. So fahren wir alle die knapp 20 Minuten talaufwärts – schnell wird die Strasse wieder trocken und in Elbigenalp lacht die Sonne aus wolkigem Himmel. So ein Mirakel, aber wir freuen uns. Ein Teil des relativ kurzen Hangs wird von der Flugschule und den GS-Novizen genutzt. Wir dürfen ungehindert unsere Elektro-Para-Modelle fliegen, und die Gleitschirmpiloten kommen neugierig unsere kleinen Schirmchen begutachten. Schnell ist Sound am Flughimmel. Unsere Rückenantriebe sind relativ laut – ein Nachteil, zugegeben. Die Wirkung des Rückenantriebes ist aber unschlagbar effizient. Es hat Modelle von HACKER, OPALE, FLYPG, Tanny-Boom und aircontact sowie einen Eigenbau. Buntes Gesurre und viel Freude. Der Erste, der im Baum hängt, ist Henrik bzw. seine ALULA, denn er fliegt nicht RC-Para. Zwischendurch filmt er für mich, denn dazu nehme ich mir keine Zeit – zu sehr reizt es mich, meine fünf verschiedenen Modelle hier zu fliegen und mit anderen zu vergleichen. Einmal lösen sich sicher 50 Vögel in einem grossen Schwarm aus der Talmitte und steigen auf. Ich fliege hinterher, kann aber nicht mithalten. Sascha startet den ASTRAL, und in kurzer Zeit ist er dank des Super-Steigvermögen seines Modells mitten unter den Vögeln – sicher 300 Meter über uns. Ein Superbild und eine geniale Szene, die dank der Anwesenheit von Stephan von Hohenlohe sicher auf einer der nächsten MODELL DVDs in diesem Jahr noch zu sehen sein wird. Gegen Nachmittag wechseln wir wieder nach Weissenbach – wir wollen doch den viel gepriesenen Moosberg kennenlernen, und mittlerweile ist es dort offenbar auch trocken. René segelt seit einer halben Stunde, wie er uns via Handy mitteilt. Wir erklimmen hastig den dank Talwind und Südausrichtung aktiven Moosberg mit seiner Höhe über Tal von vielleicht 150 Metern. Nun wird nochmal geflogen und geflogen. Ab und zu Thermik, und die Motoren verstummen für kurze Zeit. Abstürze und Zusammenstösse sind keine Seltenheit, aber sie bleiben ohne Schaden. Meist startest du das Modell einfach wieder. Mein FLASH ist recht kitzlig eingestellt, und als am Abend die Verhältnisse etwas turbulenter werden, gibt es den einen oder anderen Klapper. Einer geht genial wieder auf und alles johlt. Am Abend streben wir wieder dem Tal zu – langsam haben wir wohl alle Hunger. Der Moosberg gehört wieder den Segelflugpiloten, und wir hören das Pfeifen ihrer Tragflächen beim Abstieg.

Ein genialer Tag und was für ein Spass, mit so vielen anderen Piloten RC-Para fliegen zu können. Bei solchen Verhältnissen ist es wirklich toll mit dem Modellgleitschirm! Man sollte sich mit diesen Modellen auf die guten Tage und passendes Gelände beschränken. Schadensbilanz: Zwei Modelle sind weggeflogen – beide wegen eines technischen Defektes. Eines wurde hoch oben auf einer Tanne gefunden, und eines gar nicht. Alle anderen hatten heile Modelle oder nur geringste Schäden, die schnell beseitigt werden können. Toll, wenn solche Anlässe von Privatpersonen organisiert werden! Das geht wirklich problemlos. Die Unterstützung durch HACKER und den Neckar Verlag haben wir sehr geschätzt. Ich freue mich nun auf den nächsten Anlass, den ich auch euch gerne empfehlen möchte: Vom 8. bis 10. Juni im Hahnenmoos, also vor unserer Haustür und in bekanntem Gelände. Es würde mich freuen, einige von euch dort begrüssen zu dürfen – mit und ohne RC-Para.


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