Modellhelikopter-Saison 2022 ist lanciert
Jeweils am Ostersamstag, dieses Jahr am 17. April, fand das Frühjahrs-Helitreffen auf dem Platz der Loorholz-Flugtage in Leuggern AG statt. Organisiert wird dieses traditionsträchtige Treffen seit Jahren von Toni Laube zusammen mit seiner Familie und der MG SWIPAIR.

Mit der KAMOV KA-32A ist Marco ein Modell gelungen, welches seinesgleichen suchen muss. Mit dem imposanten Flugbild und der nötigen Entfernung ist es in der Luft kaum vom Vorbild zu unterscheiden.
Es ist eines der ersten Treffen im Jahr, wo jeweils eine grosse Anzahl an Scale-Helikoptern und 3D-Piloten zugegen ist, eben ein Stelldichein der Modell-helikopterpiloten für die neue Saison. Neben den Schweizer Piloten waren auch Deutsche, Franzosen und Österreicher zugegen, zum Teil über 800 Kilometer angereist. Etwas über 70 Piloten aus allen Sparten der RC-Helikopterfliegerei fanden an diesem schönen und warmen Frühsommertag den Weg ins untere Aaretal. Dass die Events im Loorholz auch bei den Modellflugbegeisterten ihren festen Platz haben, zeigte die Tatsache, dass etwa dreimal so viele Zuschauer wie Piloten vor Ort waren. Vor allem sehr stark war die 3D-Fraktion vertreten. Für sie war ein separates Flugfeld eingerichtet, welches aber keine 100 Meter vom Hauptplatz des Geschehens weg war. Dass der Anlass aber auch bei Herstellerfirmen grosse Bedeutung hat, zeigt sich dadurch, dass Werkspiloten von Heli-Professional, MIKADO, Miniature Aircraft, SAB Goblin und Tron Helicopters, zum Teil mit dem ganzen Team, teilgenommen haben. Viele dieser Firmen hatten auch einen Stand aufge-
stellt, wo sie ihre Neuheiten den Anwesenden nahebrachten. Beachtlich ist diese Leistung vor allem, da Toni Laube mit seiner kleinen Scale-Firma swiss-scale-helikopter.ch eher im Scale zu Hause ist. Mittlerweile ist dieses Treffen einer der grössten Anlässe für 3D in der Schweiz. Das Hauptflugfeld war von der grossen Scale-Gemeinde sehr gut frequentiert.
Wiederum war das eine oder andere Modelle anwesend, welches zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Durch die zwei Jahre Corona war es aber nicht so, dass an diesem ersten Anlass nach Corona zahlreiche neu bentstandenen Modelle zu sehen waren. Durch Corona konnten halt die Modelle nicht gross genutzt werden, und so entstanden auch fast keine neuen. Weitere

Infos und Bilder auf www.loorholz-flugtage.ch.
Bevor ich aber hier noch über die Würste, welche diesmal rechts gebogen waren, das Bier, welches genug gekühlt, und Brot, das frisch war, schreibe, möchte ich euch lieber ein supertolles Scale-Modell, welches am Anlass toll in Szene gesetzt und von den Zuschauern bestaunt wurde, vorstellen.
Bereits im Herbst 2021, am Scale-Helitreffen im Loorholz, präsentierte Marco Brem aus Bilten GL seinen KAMOV KA-32A nach dem Vorbild der «RUSSIA FIRE FIGHTER». Aussergewöhnlich sind bei diesem Modell die typischen Merkmale der Kamov-Hubschrauber: ein kompakter, bulliger Rumpf und die koaxialen, gegenläufigen Doppelrotoren.
Marco hat das Modell 2019 aus der Edelschmiede von Heliclassics Matthias Strupf aus dem deutschen Sondershausen gekauft. Im Lieferumfang waren der komplette GFK-Rumpf inklusive des 4-Bein-Fahrwerks, die Mechanik mit Rotorkopf, die 2-Wellen-Turbine Pahl Taurus 12 und diverse Kleinteile enthalten.
Nach den üblichen Erstarbeiten, wie alle Öffnungen ausschneiden, Spanten einkleben, erstes «Probesitzen» der Mechanik und Anpassen der Abgasanlage und aller Abdeckungen, konnten die unzähligen Scale-Teile wie Trittmulden, Antennen oder Haltegriffe angebracht werden. Da der Rumpf aber werkseitig bereits mit allen Nieten, Blechstössen, Sicken, Verstärkungen und weiteren Details geliefert wird, hielten sich diese Arbeiten aber

in Grenzen. Ein wenig Arbeit gab noch das Aufbohren der Stecknieten an den Anbauteilen.
Die spezielle koaxiale Mechanik, von Helicclassics selber entwickelt und hergestellt, wird teilmontiert geliefert. Die Arbeiten beschränken sich auf das Montieren der drei Servos vom Typ Futaba BLS 172 SV, das Anpassen der Gestänge und das Justieren aller Ansteuerungen der beiden Rotorköpfe. Damit später auch die Optik am Modell stimmt, wurde nach den üblichen Abdeckarbeiten der Kopf in einem passenden Grauton lackiert.
Ein Wort noch zu dieser speziellen Mechanik: Koaxial (gleichachsig) ist in der Geometrie die Bezeichnung für übereinstimmende Rotationsachsen dreidimensionaler Elemente.
Der untere Rotorkreis wird durch eine Hohlwelle angetrieben, in welcher die zweite Antriebswelle zum oberen, gegenläufigen Rotorkreis durchführt. Die untere und die obere Rotorbene werden über Steuerstangen an den jeweiligen drei Blatthaltern angesteuert, um den Anstellwinkel der Rotorblätter während des Umlaufes zu verstellen. Die Steuergestänge für den oberen Rotor müssen aber von einer zweiten
Taumelscheibe zwischen den Rotorebenen, die von der Haupttaumelscheibe über gesonderte Gestänge mitbetätigt wird, abgelenkt werden, um der gegenläufigen Drehrichtung Rechnung zu tragen. Im Flug um die Nick- und Roll-Achse wird wie bei Einzelrotoren über die zyklische Blattverstellung (Taumelscheibe) gesteuert. Die Drehung um die Hochachse wird jedoch durch eine zwischen den Rotoren gegensinnige kollektive Blattverstellung erreicht, sodass der eine Rotor durch einen höheren Anstellwinkel mehr Auftrieb erzeugt, was einen höheren Luftwiderstand indiziert, somit mehr (Gegen-)Drehmoment auf den Rumpf überträgt und damit das gewünschte Gieren erzeugt. Da der andere Rotor mit proportional weniger Anstellwinkel weniger Gegendrehmoment, Widerstand und auch weniger Auftrieb erzeugt, wird der Gesamtauftrieb durch diese Weise der Giersteuerung nicht verändert und der Hubschrauber behält weitgehend die Flughöhe bei. Eine nicht einfache und sehr komplexe Angelegenheit, die aber durch die grosse Erfahrung von Helicclassics Matthias Strupf als Supporter auf Anhieb klappte. Dieser komplexe Beschrieb der Technik stammt zum Teil aus Lehrbüchern.
| Massstab: | 1:4,9 |
| Rotordurchmesser: | 2×2,50 Meter |
| Länge: | 2,30 Meter |
| Höhe: | 1,25 Meter |
| Abfluggewicht: | 38 Kilogramm |
| Ausrüstung: | Servos 3× Futaba BLS 172SV, Flybarless System Bavarian Demon 3X, PowerBox BaseLog mit 2× PowerPak 2.5X2 PRO, Empfänger Futaba R7014, Drehzahlregler für Turbine Futaba GY701, Turbine Pahl Taurus 12, Beleuchtung UniLight, Rotorblätter Sitar |

Von Anfang an stand für Marco Brem fest, dass das Modell auch dem Vorbild zu 99% entsprechen soll. Dazu gehört natürlich die entsprechende Alterung am Modell. Leider sind zum grossen Teil unsere «Super Scale-Modelle» so lackiert, als kämen sie gerade aus den Werkhallen der Hersteller und warten auf ihren Erstflug. Dies sollte bei dem KAMOV KA-32A auf keinen Fall so sein.
Nach den üblichen aufwendigen Schleif- und Grundierarbeiten, wobei die Schleifarbeiten das meiste ausmachten, wurde das Modell mit einem 2K-Lack in den Farben des Vorbildes lackiert. Ebenfalls wurden alle Decals und Beschriftungen angebracht.
Der folgende Schritt für die Alterung brauchte dann aber schon etwas Mut und ein Resultat lässt lange auf sich warten. Alle Stellen, welche eine

Veränderung in Form von Ölschmutz oder Gebrauchsspuren erhalten sollten, wurden mit schwarzer Ölfarbe reichlich bedeckt. Danach musste diese Farbe mit Terpentin weggewischt werden, bis der gewünschte Effekt erreicht ist. Eine Arbeit, die manchmal nicht enden wollte. Wichtig bei diesen «Wischarbeiten» ist, dass die Laufrichtung der Spur

genau studiert wird. Eine nicht passende und in die falsche Richtung führende Spur würde dann später die ganzen aufwendigen Arbeiten und auch das Gesamtbild am Helikopter zunichtemachen. Als der gewünschte Effekt erreicht war, wurde das Modell, wie üblich, mit einem Klarlack versiegelt.
Wichtig hier noch zu erwähnen ist, dass die zu verwendende Grundierung, alle Farben, Terpentin und der Klarlack aufeinander abgestimmt sein müssen, damit es nicht zu unschönen Farbreaktionen kommt.

Nach den Lackierarbeiten konnte das ganze Innenleben wieder montiert werden. Nach den Einstellarbeiten und einem Testlauf konnte das Modell, welches heute nach Abschluss aller Arbeiten stattliche 38 Kilogramm auf die Waage bringt, dem BAZL für die Abnahme gemeldet werden. Im Juni 2020 erfolgte diese und es wur-
de die Bewilligung für das Einflugprogramm und die nötigen Flüge ohne Publikum erteilt, was dann bis im Oktober 2020 erledigt war.
Nun folgte noch der Innenausbau mit Cockpit und Bestuhlung im Passagierraum. Eine Winde sowie die Löschanlage wurden in Eigenfertigung gemacht.


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