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Original und Modell: EC145 der Sécurité civile

von Anton Laube
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Beim Nachbau eines Full-Scale-Modells, welches an Scale-Meisterschaften eingesetzt werden soll, sind, bevor mit der Beschaffung und den Arbeiten begonnen werden kann, viele Punkte und Faktoren genau anzuschauen und zu prüfen. Viele Modellbauer machen bereits hier den Fehler, das Modell zu kaufen und die Lackierung festzulegen, bevor eigentlich die Beschaffung von Unterlagen des Vorbildes genügend geprüft wurde. Was nützt der tollste Nachbau oder die spektakulärste Lackierung, wenn das Vorbild zigtausend Kilometer entfernt seinen Dienst tut und für eine saubere Baudokumentation einfach die Bilder nicht beschafft werden können?


Michael Tschiemer entschied sich für den EC 145

Genau diesen Punkten wollte Michael Tschiemer aus Matten bei Interlaken Rechnung tragen, um künftig an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können. Als Vorbild suchte er sich den EC 145 in der Lackierung der Sécurité civile aus. Diese französische Organisation setzt diese Helikoptertypen seit April 2002 ein. Beschafft wurden in einer ersten Tranche 32, später nochmals sechs Hubschrauber, wovon drei durch Unfälle verloren gingen. 2006 wurden die EC 145 mit einer IFR-Ausrüstung versehen, damit sie auch bei Nacht und schlechtem Wetter operieren können.



Einfach alles richtig gemacht

Genau diesen Punkten wollte Michael Tschiemer aus Matten bei Interlaken Rechnung tragen, um künftig an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können. Als Vorbild suchte er sich den EC 145 in der Lackierung der Sécurité civile aus. Diese französische Organisation setzt diese Helikoptertypen seit April 2002 ein. Beschafft wurden in einer ersten Tranche 32, später nochmals sechs Hubschrauber, wovon drei durch Unfälle verloren gingen. 2006 wurden die EC 145 mit einer IFR-Ausrüstung versehen, damit sie auch bei Nacht und schlechtem Wetter operieren können.



Über das Original

Der Eurocopter EC 145 ist ein von Eurocopter entwickelter und gefertigter zweimotoriger leichter Nutzhubschrauber. Ursprünglich als BK117C2 bezeichnet, basiert der EC 145 auf der MBB/Kawasaki BK 117 C1, die 1992 mit der Fusion der Hubschraubersparte von Messerschmitt-Bölkow-Blohm von Daimler-Benz und der Heli-spartete von Aérospatiale-Matra zu Eurocopter in das Eurocopter-Programm aufgenommen wurde. Der EC 145 kann je nach Kundenkonfiguration bis zu neun Passagiere mit zwei Besatzungsmitgliedern transportieren. Eingesetzt wird er für Personentransporte, Notfallmedizin (EMS), Such- und Rettungsdienste. 2014 wurde der EC 145 von Airbus Helicopters in H145 umbenannt. Militärische Varianten des Hubschraubers werden ebenfalls unter verschiedenen Bezeichnungen wie H145M oder UH-72 hergestellt.


Die französische «Sécurité civile»

Die Sécurité civile in Frankreich vereint verschiedene, vor allem öffentliche Mittel, um der Bevölkerung zu helfen und im Falle einer schweren Krise oder eines Grossereignisses schnell reagieren zu können. Diese Organisation ist in zwei Ebenen unterteilt:

  • auf nationaler Ebene: die Generaldirektion für zivile Sicherheit und Krisenmanagement
  • die territoriale Ebene: Feuerwehrlaute

Das Büro für Luftressourcen der Sécurité civile ist der nationalen Ebene unterstellt. Es besteht aus:

  • einer Zentrale in Nîmes (mit der Kommando- und Logistikkbasis, einem Ausbildungszentrum für die Besatzung und einem Wartungszentrum)
  • 23 Hubschrauberbasen in Frankreich, Guadeloupe und Martinique

Jedes Jahr helfen diese 35 Helikopter des Typs EC 145, liebevoll auch Dragons genannt, die von 210 Rettungspiloten und Mechanikern betrieben werden, fast 10000 Menschen. Diese Helikoptermissionen werden in der Reihenfolge ihrer Priorität behandelt:

  • Konditionierung von Personal und Ausrüstung
  • Polizei und technische Hilfe
  • Bekämpfung von Waldbränden
  • Nicht-Nothilfe
  • Notfallrettung und Rettung

Bei all diesen Einsätzen haben Rettung und Versorgung von Menschen immer Priorität.


Immer wieder auf dem Podest

Anfang 2016 machte sich Michael Tschiemer das erste Mal Gedanken, seine beiden Modelle, die Super Puma und die Alouette III, ab 2018 durch ein neues Modell für die Schweizermeisterschaft zu ersetzen. Mit diesen beiden Modellen, der Super Puma bis 2013, danach der Alouette III bis 2016, belegte er seit 2009 immer einen Podestplatz, davon zweimal auch als Schweizermeister. In regelmäßigen Abständen ersetzt er sein «Arbeitsgerät». Leider verwenden einige Teilnehmer an der Schweizermeisterschaft über Jahre hinweg immer das gleiche Modell. Dies macht zum einen den Wettbewerb langweilig und zum andern, wenn es sich um Modelle handelt, die immer in der Platzierung vorne liegen, haben neue Modelle einen schweren Stand, eine Spitzenplatzierung zu erreichen.

Hansueli Tschiemer, der Vater von Michael, ist ein langgedienter Punkterichter in der Schweizer Scale-Szene. So war sozusagen der Fachmann für einen perfekten Aufbau des Modelles im eigenen Hause und konnte ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Dienstleistung vor und während dem Bau eines Scale-Modells ist jedermann zugänglich, via den Schweizerischen Modellflugverband. Dort kann ein Kontakt zu einem Punktrichter vermittelt werden, welcher gerne weiterhilft, damit ein erfolgreiches Scale-Modell entsteht.


Die richtige Auswahl

Das eine tun, das andere nicht lassen, so könnte man die Auswahl des Modells durch Michael beschreiben. Durch Zufall hatte er erfahren, dass ein Kollege einen EC 145 mit Mechanik zum Verkauf anbot. Nach einigen Gesprächen mit dem Verkäufer konnte er diese Komponenten erstehen. Von vornherein war aber klar, dass die alte Elektromechanik keinen Platz mehr im neuen Modell haben sollte. Diese stammte noch aus den Anfängen der Elektrofliegerei und liess keine Änderung am Motor und an der Übersetzung zu. Die Demontagearbeiten begannen im Spätsommer 2016. Nicht mehr Brauchbares wurde entsorgt, das Brauchbare kontrolliert, revidiert und für das neue Modell vorbereitet.

Zur selben Zeit wurde durch Michael das Vorbild, nach dem das Modell gebaut werden sollte, recherchiert und ausgesucht. Naheliegend wäre natürlich die REGA gewesen, diese steht praktisch vor der Haustüre auf dem Flugplatz in Wilderswil/Interlaken. Aber die Tatsache, dass es nach diesem Vorbild bereits unzählige Modelle gab, liess es ihn schnell wieder vergessen. Bei Recherchen im Internet stiess er eher zufällig auf den EC 145 von der Sécurité civile. Bei der weiteren Suche stellte Michael dann fest, dass die nächste Basis, die DRAGON 74, in Annecy unterhalb von Genf beheimatet ist. Ein Mail mit dem Wunsch, die Basis zu besuchen und dabei eine Fotodokumentation des Vorbildes zu erstellen, war schnell geschrieben und an die Basisleitung gesandt. Eine positive Antwort liess keine 24 Stunden auf sich warten, sodass der Termin auf den 7. Januar 2017 festgesetzt wurde. An diesem Tag waren zwei gleiche Maschinen auf der Basis stationiert, aber nur eine davon stand im Einsatz. So konnte Michael sich den ganzen Tag an der EC 145 F-ZBPW mit dem Fotoapparat zu schaffen machen. Dabei entstanden weit über 1000 Bilder aus den verschiedensten Perspektiven und von unzähligen Details. Sogar eine persönliche private Telefonnummer von einem Mechaniker, für den Fall, dass ein Detail fehlen sollte, konnte am Abend mit nach Hause genommen werden.



Mechanik und Rumpf

Die alte Mechanik sollte durch eine neue Elektromechanik von Helikopter Baumann ersetzt werden. Dafür musste ein Teil der Spanten herausgetrennt und durch neue ersetzt werden. Schon bald aber war klar, dass die Flexwelle für den Antrieb des Heckrotors nicht mehr aus dem Heckausleger entfernt werden konnte. Dies hatte zur Folge, dass Michael den alten Heckausleger abtrennen und später durch einen neuen ersetzen konnte. Einiges Kopfzerbrechen machte Michael die Radarnase. Das Herstellen eines eigenen Urmodells wollte einfach nicht passen. Eher aus Zufall fand er aber in einem Internetshop in England eine passende, welche bestellt wurde. Nach der schnellen Lieferung stand fest, dass diese Radarnase zu 100% an das Modell passte. Nach dem Ankleben und dem Verspachteln konnte sich das Resultat mehr als sehen lassen. In einem weiteren Schritt wurden sämtliche Öffnungen am Rumpf wieder zulaminert, da die meisten am falschen Ort sassen oder zu gross waren. Zeitgleich wurde dabei auch die alte Farbe heruntergeschliffen. Danach wurden alle Schlitze, Ausschnitte und Fenster wieder herausgefräst, nun aber am richtigen Ort und in der richtigen Grösse. Nach der Verklebung des neuen Heckauslegers mit dem Rumpf konnte der Starrantrieb mit dem Winkelgetriebe neu platziert werden. Ebenfalls viel Arbeit in Anspruch nahm das Anpassen der Türen. Beim gekauften Modell waren diese nur mit Magneten befestigt. Die beiden Pilotentüren wurden mit Scharnieren zum Öffnen gemacht. Für die beiden Schiebetüren wurden U-Profile im Rumpf verbaut. Mit entsprechenden Führungen in den U-Profilen sind es nun auch Schiebetüren.



Scale-Anbau-Teile und Lackierung

Viel Zeit und Geduld war bei Michael Tschiemer bei den Scale-Ausbauten gefragt. An der Kabinenober- und -unterseite wurden die Kabelscheren angebracht. Öffnungen für Lüftung wurden eingearbeitet. Die Servicekästen wurden an den entsprechenden Stellen eingebaut, einige mit zu öffnenden Deckeln, wie beim Original. Der Ausschnitt für den ausfahrbaren Landescheinwerfer ausgeschnitten und die richtigen Lufthutzen, Antennen, Trittstufen und Haltegriffe angeklebt. Die selber gebaute Rettungswinde wurde am Rumpf montiert, diese demontierbar. Nach dem Grundieren des ganzen Rumpfes konnte Michael die Nieten anbringen. Das Landegestell wurde ebenfalls modifiziert respektive auf Scale getrimmt. Nach den Fotos, die er in Annecy gemacht hatte, zeichnete er die Nietenlinien mit Bleistift auf dem Rumpf auf. Die rund 7000 Nietenpunkte wurden von ihm in der altbewährten Technik mit der Injektionsspritze mit Weissleim aufgetragen.



Fertigstellung des Modelles

Nach der Rückkehr des Rumpfes aus der Lackiererei klebte Michael die kompletten Beschriftungen auf den Rumpf. Die Mechanik konnte danach, versehen mit Futaba BLS 452 Servos für die Taumelscheibe und einem Motor Pyro 700-45 von Kontronik, in den Rumpf eingebaut werden. Als Regler kam der Kontronik Jive 120 HV zum Einsatz. Für die Lagestabilisierung kam das bewährte 3-Achs-Stabilisierungssystem bavarianDEMON 3X zum Einsatz. Nach dem Zuschneiden des neuen Scheibensatzes konnten diese eingeklebt oder mit Schrauben angeschraubt werden. Nach dem Einbau des Cockpits und dem Platzieren der Pilotenpuppen auf ihren Sitzen konnte mit dem Einstellen und den Programmierarbeiten der Elektronik begonnen werden. Je genauer diese Arbeiten auf dem Tisch im Hobbyraum vorgenommen werden, desto weniger muss später auf dem Flugplatz verstellt und nachjustiert werden.


Die ersten Flüge und schon an der SM

Am 15. September 2017, nur zwei Wochen vor der Scale-Schweizermeisterschaft, konnte der Erstflug stattfinden. Auf Anhieb flog das Modell, wie es sich Michael Tschiemer gewünscht hatte. Nur noch kleine Anpassungen im bavarianDEMON 3X bei Empfindlichkeit und Agilität mussten vorgenommen werden. Bereits am ersten Tag wurden fünf Flüge gemacht und bei jedem machte das Modell mehr Spass. Dass bei diesem Modell in allen Belangen das richtige Vorgehen gewählt wurde, zeigt die Tatsache, dass bereits zwei Wochen nach dem Erstflug der Schweizermeister-Titel in der Kategorie Semi-Scale von Michael gewonnen wurde.


Weitere Scale-Anbau-Teile

Über die Wintermonate 2017/2018 wurden am Modell noch weitere Scale-Optionen vorgenommen. Nach den Fotos in Annecy, selber erstellten Fotos und Mass-Skizzen wurde die Einsinkschütze im Eigenbau hergestellt, lackiert und montiert. Die bereits selber gebaute und vorhandene Winde wurde mit Kabeln und Klebern noch verfeinert und sehr nahe ans Original angepasst. Weitere kleinere Arbeiten an den Details wie Antennenschutz, kleinere Beschriftungen und das Anbringen von Verschlüssen runden das Erscheinungsbild des Modelles heute ab. Rund 1300 Baustunden haben Michael und sein Vater dafür aufgewendet.


Technische Daten
EC 145VorbildModell
BesatzungZwei Piloten, neun Passagiere–
max. Startgewicht1340 kg11,8 kg
TriebwerkZwei Triebwerke Arriel 1E2, je 720 PSElektromotor, Regler
Treibstoffvorrat879 Liter2x Akku 6S 5000 mA
Rumpflänge11,69 m1,65 m
Länge über alles13,17 m (Rotor drehend)2,01 m (Rotor drehend)
Rotordurchmesser11,0 m1,82 m
Höhe4,00 m0,60 m
Max. Reisegeschwindigkeit268 km/h–
Reichweite663 km (ohne Reserve)–
max. Steigrate8,4 m/Sek.–


Schlusswort des Erbauers

«Ein sehr intensives Jahr mit dem Erbauen des EC 145 liegt hinter mir. Manchmal war ich unter dem Druck, den ich mir selber machte, das Modell bereits an der Schweizermeisterschaft 2017 einzusetzen, der Aufgabe dieses Projektes sehr nahe. An dieser Stelle möchte ich mich aber bei meinem Vater bedanken, der es dann verstand, mich wieder zu motivieren, weiterzumachen, sowie für seine Mithilfe. Ebenfalls ein grossen Dankeschön möchte ich an die Verantwortlichen von Sécurité civile in Annecy richten. Ohne deren unkomplizierte Mithilfe bei der Fotosession oder später bei kleineren Detailanfragen wäre es nicht möglich gewesen, das Modell so schnell zu realisieren. Auch danken möchte ich allen anderen, die in irgendeiner Form zum Gelingen des EC 145 beigetragen haben.

Ich habe mich nicht nur intensiv mit dem Bau des Modells beschäftigt, sondern zwischenzeitlich fliege ich auch möglichst viel mit dem Modell. Nach nunmehr 50 Flügen macht es immer noch Spass, damit vorbildgetreu zu fliegen, und das tolle Flugbild mag für sehr viel entschädigen.»

Bilder: Hansueli Tschiemer, Anton Laube




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