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Choco-Fly-Aufsatz – Elektroantrieb für Grosssegler

von Patrik Fuchs
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Jeder Grosssegler-Pilot weiss, dass er nur mit einem Vereinskollegen zum Fliegen kommt. Ohne Schleppmaschine bleibt der Segelflieger meist am Boden. Folglich ist es kaum möglich, kurz entschlossen an einem schönen Abend oder an einem freien Nachmittag einen Flug zu machen. Den meisten Lesern kommt jetzt sicherlich die Lösung eines Elektroantriebs in den Sinn. Aber welche Variante von Antrieb?


Verschiedene Lösungen

Am einfachsten ist sicherlich das Abschneiden der Rumpfspitze. Schnell einen Spant einleimen, Motor drauf, und schon kann es losgehen. Doch wer trennt seinem mit viel Liebe und Aufwand gebauten Scale-Modell gerne die Nase ab? Zudem bringt diese Variante den Nachteil, dass der Pilot das Modell mittels Flitsche oder aus der Hand starten muss. Dies mag mit kleineren Modellen ohne Problem funktionieren, wenn aber ein grösseres Segelflugzeug zum Einsatz kommt, ist der Handstart nicht ohne Risiko möglich.

Eine andere Möglichkeit ist der Einbau eines Klapptriebwerks. Das ist zwar scale, ist aber mit technischem und konstruktivem Aufwand, aufwendiger Wartung und hohen Kosten verbunden.

Ich suchte weiter nach einem preiswerteren und zuverlässigeren Bausatz. So bin ich auf die in letzter Zeit immer mehr im Vormarsch befindlich Motoraufsätze gestossen. Meine Lösung fand ich im Choco-Fly-Aufsatz, welcher von Peter Aeberli konstruiert wurde.

Nach seiner Präsentation anlässlich eines IGG-Höcks entschied ich mich für diesen Kit. Der Einbau in meine Ventus 2c mit 5 Metern Spannweite ging zügig voran. Es galt vor allem Einbauwinkel, Platz hinter der Holmbrücke im Rumpf und die Position des Fahrwerks zu beachten. Dank beigefügter gut und verständlich geschriebener Einbauanleitung verliefen die Arbeiten ohne grosse Zwischenfälle. Einzig der Einbau meines bereits vorhandenen Hacker B50 L9 erwies sich als umständlich, da die Bohrungen für den Kontronik Kyra 600 vorgesehen sind. Nachdem ich diese Löcher korrigiert hatte, konnten die restlichen Arbeiten an der Ventus 2c vollbracht werden.


Antriebskomponenten
Motor:Kontronik Kyra 600-20 (vorab Hacker B50 L9)
Propeller:17×10 Zoll (Graupner-CFK)
Regler:Kontronik Jazz 55 LV
Akku:Lipo KOKAM 4000 mAh-5S (separater Empfängerakku)


Erste Versuche

Zuerst flog ich die Ventus 2c ohne Antriebaufsatz planmässig ein. Danach startete ich per F-Schlepp nochmals mit montiertem Choco-Fly-Aufsatz. Beim Überflug mit genügend Höhe schaltete ich das erste Mal den Motor ein. Die Rumpfnase tauchte umgehend ab und das Modell beschleunigte deutlich. Leicht an der Höhe gezogen, ging es dann aber nach oben. Der Steigflug war nicht gerade überwältigend, was aber bei einer Leistung von 560 W und einem Gewicht von 6,6 kg auch nicht zu erwarten war. Nach der Landung mischte ich etwas Höhe zum Gas. Wieder per F-Schlepp auf Höhe gebracht, verlief das Aktivieren des Elektroantriebes ganz zu meiner Zufriedenheit. Nach kurzer Funktionskontrolle aller Ruder und des Motors war ich für den ersten Bodenstart bereit. Mit voll gezogenem Höhenruder schob ich den Gasknüppel nach vorne. Dieser Versuch endete schon nach wenigen Metern, die Ventus 2c kippte auf die Nase und war dadurch nicht mehr zu steuern. Von dieser Eigenart war ich etwas überrascht, denn bei den vorherigen Rollversuchen ging die Ventus 2c nicht auf die Nase. Allerdings wollte ich ja da nicht abheben und gab entsprechend zaghafter Gas. Mit dieser Erkenntnis ging es zum zweiten Start. Ich versuchte langsam anzurollen und


Schneller Ein- und Ausbau des Antriebes:
  1. Steckaufsatz durch Rumpfoberseite hindurch in den Klemmschaft schieben.
  2. Propellerabstand zum Rumpf individuell justierbar (Schraubbride festziehen).
  3. Alu-U-Profil mit Dichtring zentriert Antriebsschaft unter Rumpfoberseite zusätzlich.
  4. 2 Inbusschrauben festziehen.
  5. Motorantriebskabel mit Regler verbinden – fertig.

erhöhte das Gas stetig. Die Ventus 2c kippte nicht mehr auf die Nase, dafür war ich mit dem Aussteuern etwas überfordert. Folglich musste ich auch diesen Startversuch abbrechen.

Wie sagt man doch so schön: Aller guten Dinge sind drei. Neben dem sanften Anrollen und

dem kontinuierlichen Erhöhen des Gases achtete ich jetzt mehr auf Quer- und Seitenruder, um das Modell in der Pistenachse zu halten. Nun sah ich deutlich, wie die Flügel zu tragen anfingen, und nach ein paar Metern mehr hob die Ventus 2c mit voll gezogenem Höhenruder sanft ab. Trotz meiner Konzentration auf Gas, Quer- und Seitenruder schaffte ich es aber noch nicht ganz, die Pistenachse zu halten. Nach dem Abheben muss die Höhe natürlich wieder sachte in die Neutralposition zurückgebracht werden. Das ganze Startprozedere will geübt sein; inzwischen gelingen mir die Starts aber perfekt. Auffallend angenehm zeigt sich der Geräuschpegel dieses Antriebes im Einsatz.

Einige Leser werden sich sicherlich fragen, wie sich der Segler nach dem Ausschalten des Motors verhält. Beim reinen Segelflug ist der zusätzliche Luftwiderstand des Aufsatzes nicht wirklich spürbar. Im Speedflug muss aber sicher

mit einem gewissen Verlust gerechnet werden. Zu beachten ist natürlich auch generell das um ca. 1,2 kg erhöhte Abfluggewicht wegen des Antriebes. Dafür ist man nun selbststartender Grosssegelflieger.


Fazit

Ich bin vom Choco-Fly-Aufsatz überzeugt und baue den Aufsatz bereits in weitere Modelle ein. Aus meiner Sicht ist dieses Produkt eine gute Wahl hinsichtlich der eingangs beschriebenen Eigenstartlösungen. Der Ein- und Ausbau geht schnell und einfach vonstatten. Nach Ausbau des Antriebs wird die Schaftöffnung mit einem Tape abgedeckt, und schon ist der Segler «unberührt» wieder zum Schleppen oder Hangfliegen bereit. Der Preis des Aufsatzes kann vor der Beschaffung vielleicht abschrecken. Doch gilt es zu beachten, dass ein Aufsatz an mehreren Modellen eingesetzt werden kann, was letztlich günstiger ist, als für alle Modelle eine separate Lösung anzuschaffen. Auf der Homepage www.chocofly.com findet man Bilder von der Montage und von Starts sowie einen Kontaktlink. Weitere Informationen, Bauanleitung und Preisliste werden laut Hersteller baldmöglichst folgen. Ausserdem sind in der Galerie 2010 unter «Flugbetrieb» auf www.mf-varbon.ch weitere Bilder meiner Ventus 2c zu betrachten.

Patrik Fuchs



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