Sport

Weltmeisterschaft der leisen Töne

von Ruedi Gallati
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14 Mannschaften treten in Heraklion an: Belgien, China, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Litauen, Österreich, Polen, Russland, USA und die Schweiz. Bekannte Mannschaften aus Finnland, Schweden und Holland fehlen leider, ihnen war die Anreise zu aufwendig.


Heraklion liegt in Norden der Insel Kreta, mit dem Auto nicht so einfach erreichbar, verfügt aber über einen kleinen Flughafen. Ausserhalb der Saison ist dieser von Zürich aus nicht direkt, sondern nur über Athen erreichbar. Schon relativ früh hatten wir uns entschieden, dass vier Personen mit zwei Kleinbussen mit der Fähre und zwei Personen mit dem Flugzeug anreisen werden.


F3P-Modelle

Joseph Szczur (Rang 4) und AC Glen (Rang 11), Piloten des US-Teams, zeigen, dass auch mit Balsa-Modellen ausgezeichnete Resultate erzielt werden können. Nach dem Anlass machen sie jedoch ein paar Testflüge mit Sylvains Carbon Wash. Sie gestehen uns, dass die Balsa-Modelle sehr fragil sind und sie planen auch auf Kohlenfaser-Modelle umzustellen. Es ist nur noch das Coax-System (Gegenläufige Propeller) zu sehen. Das System von Lantsov (Russland) wird hauptsächlich von den Litauern, natürlich den Russen und von Piloten eingesetzt, die das Modell Viktory von Lantsov gekauft haben (inkl. perfektem Airbrush von Donatas). Es ist etwas lauter als das System von Glavak, unserem Sponsor und Hauptausrüster. Beide Systeme werden von den Spitzenpiloten nur noch mit einer Zelle mit ca. 120 mAh betrieben. Die grossen 16- bis 18-Zoll-Propeller haben einen besseren Wirkungsgrad, die auch mit einem 1S-Setup Flugzeiten von 7 Minuten erlauben. Das Hauptziel der grossen Propeller ist aber das Bremsen in den Abwärtspassagen. Gewöhnungsbedürftig dabei ist, dass auch abwärts «mit Gas» geflogen werden muss, damit die Bremswirkung da ist und die Geschwindigkeit gehalten werden kann. Nichtsdestotrotz oder umso mehr braucht es auch damit eine perfekte Abstimmung aller Steuerungsfunktionen: Gas, Seiten-, Quer- und Höhenruder und Schalter für Flugzustände. Gernot beherrscht das am besten. Nicolas Detry FRA setzen ein Eigenbau Coax ein, der in 3D-Drucktechnik erstellt wurde. Die Litauer erzählen mir, dass sie 4 Monate gebraucht haben, bis sie schnelle und trotzdem exakt arbeitende Servos für das 1S-Setup entwickelt hatten. Sie setzen dabei Komponenten für Getriebe, Motor, Elektronik aus verschiedenen Servos ein.



F3P-Weltmeisterschaft

Piloten, die die Rahmenzeit von 5 Minuten voll ausnutzen, erhalten die besseren Noten, wenn es ihnen gelingt ihre Modelle langsam und perfekt durch die Figuren des AP-19-Vorrundenprogrammes zu steuern. Fehler sind in diesem Slow-Motion-Stil besser zu sehen. Sehen die Punktrichter fast keine, gibt es Bestnoten. Sylvain Passini beherrscht das von den Schweizer Piloten am besten und kann sich mit dem hervorragenden 8. Rang für das Final qualifizieren. Auch die US-Piloten Joseph Szczur und AC Glen qualifizieren sich mit ihren Balsa-Modellen für die Finalrunde. Diese Steigerung der US-Piloten gegenüber der letzten WM hätte wir nicht erwartet. Die sensationelle Mannschaftsleistung der Teams aus Frankreich und Österreich verhindert, dass auch wir noch einen Piloten mehr ins Final bringen. Philipp Schürmann, Rang 16 mit 2912 Punkten, verpasst die Finalqualifikation knapp. Markus Zolitsch (DE) kann sich mit 2975 Punkten gerade noch unter die 12 Finalisten einreihen. Sandro Veronelli zeigt konstante Flüge mit wenig Fehlern, aber eben nicht diesem Slow-Motion-Stil, und kann sich mit 2777 Punkten den Rang 22 von insgesamt 40 Piloten sichern. Wir tragen es sportlich. Gernot Bruckmann – Rang 1 mit 3243 Punkte – und Donats Pauzuolis – Rang 2 mit 3083 Punkten – gelingt es einmal mehr, sich im Final von Feld deutlich abzusetzen. Julien Hecht, Rang 3 mit 2974 Punkten, führt das Mittelfeld an, in dem sich auch Sylvain Pasini mit seinem hervorragenden 10. Rang und 2855 Punkten befindet.



AFM-Modelle

Auch die AFM-Modelle sind zwischenzeitlich technische Wunderwerke. Die meisten Modelle sind zwar noch im konventionellen gefrästen Depron-Stil gefertigt, aber sonst mit Technik vollgespickt. Nur Donatas betreibt den Aufwand für ein Kohlefaser-Modell auch in AFM. Verstellpropeller, Vektorsteuerung des Motors resp. Propellers, endlos lange Bänder, die die Flugbahn des Modells nachzeichnen und vom Modell selber wieder durchflogen werden, gehören zu technischen Ausrüstung, um an der Spitze mitzumischen. Konfetti, die passend zur Musik abgeworfen werden, und LEDs die den Rhythmus der Musik unterstützen, gehören ebenso dazu.


AFM-Weltmeisterschaft

In der AFM-Vorrunde muss ein zweiminütiges Musikstück zusammengeschnitten werden, das schnelle und langsame Passagen enthält, in die die Piloten ihr Können mit möglichst komplexen und exakten Flugfiguren einbettet. Nur kleine Fehler von ein paar Hundertstelsekunden, und schon fliegt das Modell in einem anderen als dem gewünschten Winkel weiter. Definitiv etwas für jüngere Piloten, aber auch ein Genuss für die älteren, der Virtuosität zuzuschauen. Da wären wir beim Thema Zuschauer, wenn überhaupt, dann haben sich nur ein paar wenige in die Halle Two Arokia gewagt. Ein paar weitere werden dem Live-Stream vom Freitag und Samstag aus der Ferne gefolgt sein. Es herrschte nicht gerade eine Stimmung, die das Letzte aus den Piloten herausgezaubert hätte.

Im Unterschied zu F3P zählen beim AFM-Final die Punkte der Vorrunde nicht mit. Alle Finalisten starten wieder bei null. Gernot musste aufgrund eines technischen Versagens der Bänder, sie wurden nicht abgeworfen und haben sich dann beim Herumzappen im Propeller verfangen, einen Nullrunde einstecken. Er zeigt in seinem 2. Finalprogramm eine spezielle «Kreis-zum-Zentrum-Zapper-Figur», die nur er fliegen kann und deren Schwierigkeitsgrad ganz oben ansteht. Alle Spitzenpiloten zeigen Figuren, die exakt geflogen werden und ausgezeichnet mit der Musik verschmelzen. Die Italiener zeigen gut zur Musik abgestimmte Programme, aber etwas zu wenig komplex, was keine Spitzenresultate erlaubt, aber eine willkommene Abwechslung bot. Unzufrieden mit seiner Rangierung in AFM und F3P, bleibt Filipo Materazzi dem Final fern. Sylvains Jodel-Programm vermag auch die Punktrichter zu überzeugen. Die Piloten interessieren sich für die an der Nasenleiste angebrachten LEDs, die perfekt zur Musik synchronisiert sind. Nur Sylvain hat diese Technik im Griff. Das zweite Programm konnte Sylvain zu wenig ausfeilen und trainieren. Trotzdem erreicht er den ausgezeichneten 7. Schlussrang. Szczur, Team USA, versuchte es mit Baby-Puder-Streamer am Flügelen-de.


Mannschaft

Unser Ziel war es, unseren 4. Rang in der Teamwertung zu verteidigen. Österreich und Frankreich haben eine breite Spitzenmannschaft und sind fast nicht zu schlagen. Finnland ist nicht angetreten. Litauen hat mit Donatas nur einen Spitzenpiloten. Die USA hofften wir zu schlagen. Gekommen ist es etwas anders.


Rückreise

Der Fahrplan der Fähren erlaubt uns am Montagnachmittag, auf der Reise von Piräus nach Patras noch ein paar Abstecher zu machen. In Korinth finden wir fast menschenleere Strände vor, in denen der Kiesel durch das glasklare Wasser glitzert. Wir staunen, wie es die Griechen vor fast 150 Jahren geschafft haben, in nur 12 Jahren den Kanal von Korinth zu bauen. Einige wagen es, an den steilen Felswänden einen Blick hinunter in das türkisblaue Wasser zu werfen. Insgesamt waren wir von Dienstag, 12. März, bis Mittwoch, 27. März mehr als 16 Tage, drei angeknabberte Wochen, unterwegs. Ein grosser zeitlicher wie auch finanzieller Aufwand für ein paar Flüge. Aber es sind eben Flüge, an denen nur Weltspitzenpiloten teilnehmen können, zu denen auch wir uns zählen dürfen. Nur dank der finanziellen Unterstützung des SMV konnten wir an dieser WM teilnehmen. Sponsoren sind leider auch immer schwieriger zu finden. Was aber nicht weiter erstaunen muss, wenn der lokale Fachhandel immer mehr ausgelassen wird. Umso mehr gebührt unser Dank den Firmen Glavak, Gloor&Amsler und RB-Voltage, die uns unterstützt haben.

Dem Schweizer Team gebührt ein grosser Dank für die sportliche Repräsentation der «kleinen» Schweiz, den erbrachten enormen Aufwand und die erzielte Leistung an der WM in Griechenland. Bravo!


Zukunft

Aus verlässlicher Quelle war zu erfahren, dass sich Rumänien für die WM 2021 beworben hat. Auch das Schweizer Team wäre in der Lage, eine ausgezeichnete Infrastruktur bereitzustellen.

Aktuell sehen wir jedoch keine Chance, den personellen und finanziellen Aufwand zu stemmen. Umso mehr gebührt der Mann- und Frauschaft der «Hellenic Aeronautical and Airsports Federation (ELAO)», angeführt von Antonis Papadopolus, CIAM Präsident, den drei Jurymitgliedern mit Peter Uhlig und den 10 Punktrichtern ein grosses Lob für den tollen Anlass, dessen Organisation nichts zu wünschen offenliess und der in einem Bankett in familiärer Stimmung gipfelte.


Ruedi Gallati




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