Ein Riesenspektakel
Was ist eigentlich die Faszination am Staffelfliegen, warum macht es Spass, zusammen zu fliegen? Ganz ohne Risiko geht das ja nicht, die Gefahr eines Zusammenstosses ist immer da. Ich wurde angehalten, einmal ein paar Zeilen darüber zu schreiben. Wir praktizieren das bei uns ja seit Jahrzehnten und ich darf sagen, es «fägt» immer noch.

Am sogenannten Städtetreffen, organisiert vom Model Air Club Biel, nahm es für uns den Anfang. Wie sie auf diesen Namen kamen, ist mir bis heute ein Rätsel, es war ein Anlass für Staffeln, mit Pflicht- und Kürfiguren. Das war in den Siebzigerjahren und noch Anfang Achtzigerjahre. Wir waren damals mit der legendären Rata-Staffel dabei, unsere Vorbilder zu dieser Zeit: die Piloten aus Münchenbuchsee mit ihren Antoinette. Es begann dann die tolle Zeit des Graupner Swiss Teams, da wurden vorwiegend mit Modellen aus diesem Hause Staffeln gebaut, Robin, Volksplane, Helikopter usw., hier gab es für uns doch einige Unterstützung, wir waren oft unterwegs an vielen Schaufliegen. Ähnlich der bekannten Simprop-Staffel, auch die hatte für uns eine Vorbildfunktion.
Die Staffelfliegerei ging über viele Jahre weiter, an den Heliwettbewerben in halb Europa, ja bis Australien und Amerika zeigten wir das Heliballett, natürlich waren wir für Wettbewerbe angereist. Meistens mit 4–6 Helikoptern, später auch Heim-Heliballett genannt. Um die Figuren im Heliverband zu fliegen, brauchte man eine hohe Konzentration und ein gutes Koordinationsvermögen, aber man war ja im Schuss von der Wettbewerbsfliegerei her. Mit den Helis war man im Vorteil von den Platzverhältnissen her, oft flog man auf engstem Raum an Anlässen, die mit der Fliegerei nichts zu tun hatten. An den vielen Schaufliegen gab es auch mal mit den Helis eine «Feindberührung», was dann geschieht, braucht man nicht gross zu beschreiben, vielleicht ein Wort: hässlich. Da bleibt nicht viel Brauchbares übrig.
Ein Höhepunkt war sicher der Weltrekordversuch anlässlich des Helitreffens 2002 in Riggisberg. Gut, mit Staffelfliegen hatte das nicht viel zu tun, das Ziel war, dass 100 Flugzeuge miteinander in den Himmel steigen. Schlussendlich schafften es 96. Die Vorarbeit war enorm, man musste die Module für alle Frequenzen aus der ganzen Welt zusammenrommeln. Da halfen alle grösseren Hersteller eifrig mit, aber sie prophezeiten uns, dass es kaum funktionieren würde. In 20er-Gruppen wurden im 30-Sekunden-Takt die Wellen losgeschickt. Teilnahmebedingung war möglichst ungefährliche Modelle, die meisten waren Motorssegler und einfachere, kleinere Flieger. Der Himmel füllte sich, ein einmaliges Bild. Soweit ich mich erinnern kann, stürzten 2 Flieger ab. Hut ab vor den Piloten, ein älterer Pilot von der MGBurgdorf erzählte mit Tränen in den Augen, dass er noch nie an einem Schaufliegen geflogen sei, aber hier musste er teilnehmen, rührend.
Viele Modellflieger möchten ja meistens allein in der Luft sein, bei uns ist eher das Gegenteil der Fall, je mehr unterwegs sind, desto besser. Das ist jetzt ein bisschen salopp gesagt, natürlich gibt es auch Piloten, die lieber alleine fliegen, sei es, dass das Modell speziell ist, oder man irgendwelche Manöver trainiert.

Oder man will ein Modell einfliegen, steigt auf und bekommt von den lieben Kollegen vielleicht einen Vorsprung von einer halben Minute, kaum in der Luft, sind die Flügelmänner auch schon da.
Das ist nicht jedermanns Sache... Solches ist ja schon nur möglich seit dem Zeitalter der doch günstigen Fertigmodelle. Jeder Absturz tat doch in früheren Zeiten mehr weh – im Hintergrund waren die vielen Arbeitsstunden. Heute benützen wir für unsere Staffeln sehr oft die geschäumten RTF-Modelle, die geben kaum Arbeit und das Design ist identisch, mittlerweile meist elektrisch und bezahlbar. Es ja schon am eindruckvollsten, wenn wirklich alle gleich aussehen. Leider haben sich bei uns einige rote Venoms eingeschlichen. Man wird ja oft gefragt: Wie unterscheidet dir die Modelle, seht ihr überhaupt einen Unterschied? Es gibt nur ein Rezept, egal, was passiert immer auf deinen Flieger schauen, nicht ablenken lassen, sonst ist es fast nur noch Glücksache. Mit dem Flügel wackeln ist vielleicht noch die Rettung. Ich rede hier nicht von zwei, drei Fliegern in der Luft, sondern von acht bis über zehn. Es ist auch Routine dabei, und wie es halt so oft ist, Trainingsache, aber anstrengend ist es allemal, auch nach den vielen Jahren noch. Die Anforderung an die Staffelflieger ist schon recht gross, die Steuerkorrekturen sollten möglichst minimal sein. Man muss sich auf seine Kollegen verlassen können, angenommen, man ist im Sandwich, kaum korrigieren und hoffen, dass sie dir genug Platz lassen. Überschneiden von Flugachsen ist zu vermeiden, da hat man die meisten Berührungen. In die Tiefe sehen ist ja schwierig. Die kurzen Kommandos kommen in der Regel vom Leader oder, wenn man sich teilt, von zwei, der Rest schweigt und fliegt. Früher wollten wir oft komplizierte Figuren fliegen, aber das funktionierte nicht, das geht vielleicht mit drei, vier Fliegern, aber mit mehr sieht es sehr schnell nicht mehr gut aus. Da zeigen ja Affolter/Stuber oder Fuchs und Co. wunderbare Flüge. Ich sage immer: Mit jedem Flieger mehr nimmt der Schwierigkeitsgrad zu. Bei Verbrennungsmotoren hört man einen Absteller nicht, aber man merkt es dann schon, hoffentlich nicht zu spät. Mit den Transall, Invader A-26, Lightning P-38, alle zweimotorig, haben wir einiges erlebt, die Schweissperlen nehmen zu... Versuche mit Videobrillen haben wir auch gemacht, da wäre man ja im Flieger, man könnte näher zusammenrücken. Das Projekt haben wir fallen gelassen, kamen nicht so richtig zurecht, nicht bewährt. Schon fast locker geht es zu bei einer Biertellerschlacht oder Fuchsjagd, da fliegt man weniger rücksichtsvoll, das hat aber mit Staffelfliegen nichts zu tun. Eher locker nahmen wir es viele Jahre an der SuisseToy auf der Allmend in Bern. Mit den kleinen Schäumlingen, Corsair, Spitfire, Trojan waren meist weit über 10 in der Luft. Dass da mal einer auf der Strecke blieb, gehörte voll dazu.

Oft kommt auch die Frage: Wer ist der Schuldige, wenn's «räbblt». Ganz einfach: Wer abstürzt, ist selber schuld. Da ist ja kaum im Nachhinein festzustellen, wie es genau passierte. Alles geht sehr schnell, kommt drauf an was beschädigt wird, es kann Berührungen geben ohne Folgen. Natürlich ist es klar, wenn einer mit Vollgas in den Haufen hineinfliegt, aber das macht man ja normalerweise nicht. Meist meint man ja, wer abstürzt, ist der Unschuldige, und wer oben bleibt, ist der Schuldige, aber so einfach ist es nicht. Also Schwamm drüber, Blick nach vorn, kann passieren. Wer das nicht verträgt, sollte sich nicht mit dem Staffelfliegen beschäftigen.
Die Teilnahme am Schaufliegen «75 Jahre Graupner auf der Hahnweide» lief nicht ganz rund im Training, man musste ja vorfliegen. Nach 2 Minuten ein Riesenknall, bei der Figur Überkreuzung gab es direkt vor Hans Graupner einen Frontalen zwei Mustangs von uns total zerlegt, gut man hatte noch Ersatz und jeder kannte uns dann nun.

Für uns ein Riesending war die Teilnahme am Schaufliegen bei der Eröffnung der Scale-WM 2018 in Meiringen. Wir hatten uns in den Kopf gesetzt, alle Jet-Jagdflugzeuge der Schweizer Armee in die Luft zu bringen, das waren 18 Flieger. Je immer drei Stück, Vampire, Venom, Hunter, Mirage, Tiger und die FA-18. Natürlich die geschäumten Elektro-Impeller, bezahlbar, also nicht wie die Groben. Der Aufwand wurde schon ein bisschen unterschätzt, es sind nicht alle Flieger einfach zu fliegen, es gab einen enormen Trainingsaufwand für die 18 Piloten. Für diesen Anlass waren wir über ein Jahr beschäftigt, alles drehte sich nur noch um MEI18, wie wir es nannten. Viel Flugbetrieb heisst auch mehr Wartung. Unterschiedlicher Stromverbrauch kam auch erschwerend dazu, man musste also einen Boxenstopp machen, das musste auch geübt werden, dazu brauchte es Bodenpersonal. Markus Kormann war der oberste Chef, also Koordinator. Wir wollten das auch mit eigenen Piloten durchziehen, quasi das letzte Aufgebot. Es brauchte viel Trainings, bis dieser Ablauf einigermassen klappte, Reserveflieger wurden bereitgestellt. Den ganzen Zirkus konnten wir in Riggisberg gar nicht richtig üben, dazu ist der Platz zu klein. Wenn 18 Flieger innert kürzester Zeit landen, braucht es Platz. Das Abschlusstraining fand in Interlaken statt, danke, MG-Interlaken. Hier noch ein Venom-Absturz, das brachte aber niemand mehr aus der Fassung. Als es dann ernst wurde in Meiringen, war es schon hektisch, unsere speziellen MEI18-Tenüs verschwitzt, eine Mirage verschwand noch in dem Baum, der im Briefing gefühlte 50 Mal erwähnt wurde. Übrigens auf demselben Platz waren wir fünf Jahre vorher mit, glaub ich, 12 Yak-11 mit Verbrenner am Schaufliegen der Jet-Master dabei. Auch ein Riesenspektakel, ging verlustfrei über die Bühne.

Das Staffelfliegen macht halt schon mega Spass, da freuen sich halt 10–12 Piloten nach einem gelungenen Flug – und nicht nur einer. Auch wenn's schon einmal knallt, bei uns kennt jeder das Risiko, aber das Gefühl, etwas zusammen geschafft zu haben, überwiegt immer. Die jüngeren Mitglieder bei uns kennen die Fliegerei kaum anders, als dass man in Staffeln unterwegs ist. Mittlerweile fliegen sie uns Älteren mit der wunderbaren PC-21-Staffel um die Ohren, macht ein bisschen stolz! So haben sie den alljährlich bei uns stattfindenden Staffelwettkampf ins Leben gerufen. Wettkampf ist ein bisschen das falsche Wort, es ist nämlich ein «Plauschwettbewerbs». Der MSVStetten führt im Frühling ebenfalls ein Staffeltreffen durch.
*Bilder: MG Riggisberg*

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