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Freude herrscht bei 256 km/h

von Ronny Dünki
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Flugbericht V1200

Ronny Dünki

Nachdem der V1200 in einem der letzten Hefte vorgestellt wurde, möchte ich meine Erfahrungen damit teilen. Da ich mit Futaba fliege, habe ich mir eine «PNP»-Version zugelegt, d.h. ohne eingebauten Empfänger.


Vor dem Flug

Der Bausatz ist E-flite-gewohnt sehr gut verarbeitet und gibt fast keine Arbeit, ausser dass man die «Brauen» an den Flügelkanten abschleifen sollte. Flügel anschrauben, das Höhenleitwerk und die Höhenruderanlenkung montieren, fast fertig. Ich empfehle, das Höhenleitwerk mit etwas ZAP zu fixieren. Das Einziehfahrwerk sieht ziemlich filigran aus, aber davon später. Was negativ auffiel, ist das hohe Gewicht der Flüge, immerhin 2000 g ohne Akku. Futaba-Empfänger einbauen, inklusive GPS-Modul, und eine Funktionskontrolle machen. Obwohl zwei Querruderservos und zwei Klappenservos verbaut sind, braucht es nur je einen Kanal, da sie jeweils mit V-Kabel verbunden sind. Ich hatte da meine Bedenken, dass es eine endlose Einstellerei gibt, war aber nicht so, da ab Werk genau voreingestellt. Die Landeklappen habe ich auf einen Dreistufenschalter gelegt, die Servogeschwindigkeit etwas reduziert und die Höhe via Mischer zum Ausgleich etwa 1 mm bzw. 2 mm nach unten getrimmt.



All die Kabel, die aus dem eingebauten 100-A-Regler mit Ventilator kommen, braucht man nur für die Telemetrie bei der BNF-Version mit Spektrum Empfänger. Die vorgegebenen Ausschläge habe ich übernommen, jedoch mit 50% Expo auf dem Quer und der Höhe und 25% auf der Seite. Die Schwerpunktangabe hat sich im Flug als richtig herausgestellt.


Durch Messen zum Speed

Nun musste ich erst ein paar Messungen machen, um zu sehen, was dem Regler und Motor zugetraut werden darf. Schliesslich hatte ich ein Speedmodell gekauft und kein «Guetnachtgschichtli»! Mit 4S hat mir das zu müde getönt, sodass ich gerade auf 5S losgegangen bin. Mit dem montierten 10X8-APC-Propeller ergab das im Stand bei 13500 rpm einen Strom von 70 A. So was kann nicht schnell werden, also habe ich ein 10X10 APC montiert. Dies ergab bei 88 A und 12800 rpm immerhin eine aufgenommene Leistung von 1600 W. Trotzdem war ich nicht zufrieden; es ist ja schliesslich ein 100-A-Regler verbaut. Da ich aber keinen 6S-Akku hatte, versuchte ich mit zwei 3S in Serie, was dabei rauskommt. Und siehe da: Mit 6S ergab das bei einer Drehzahl von 15000 rpm einen Strom von 120 A bei 21 V, was einer Eingangsleistung von 2,5 kW entspricht. Ok, etwas mehr Strom, als erlaubt, aber «no risk, no fun»; ich sehe ja dann, wenn es raucht.


Bedenken

Der Erstflug sollte mit einem 5S-4500er-40C-Akku erfolgen. Damit wurde das Modell fast 2600 g, woraus eine recht grosse Flächenbelastung resultiert. Jedenfalls ist so kaum an einen Handstart zu denken, wie in der Betriebsanleitung steht: «Mit dem Griff starten». Da das Modell eine sehr lange «Nase» hat und der Rumpf an sich kurz ist, erwarte ich eine lebhendige Hochachse beim Start. Das Fahrwerk ist sehr nahe am Schwerpunkt, sodass der Propeller auf dem Gras schnell mal streifen kann. Zum Glück haben wir bei der MG Sulzer eine Asphaltpiste.



Stabil in der Luft

Beim Start Gas langsam anschieben, da das Modell sofort ausbrechen will. Es braucht nicht mehr als Halbgas, und nach wenigen Metern ist der V1200 in seinem Element. Was sofort positiv auffiel, ist, dass das Modell wie ein «Brett», also total stabil in der Luft liegt; wunderbar! Da kann ein Kreisel nur stören, aber nicht helfen; auch musste ich kaum Trimmen. Nun wollte ich natürlich wissen, wie schnell die Flugi ist, falls das Modell den Erstflug nicht heil überstehen sollte. Also anstechen zum Anlauf holen und in 2 m Höhe über der Piste ein Fräser. Immerhin 212 km/h, nicht schlecht, aber trotzdem nicht das, was ich mir erhofft hatte. Den Rest der Flugzeit verbrachte ich, um mich an die Flugeigenschaften zu gewöhnen und ein, zwei supponierte Anflüge zu machen.

Zur Landung habe ich im Downwind das Fahrwerk ausgefahren und die Klappen auf die erste Stufe gestellt, was ein kleines Ballooning zur Folge hatte. Beim Eindrehen Gas weit zurücknehmen, flach reinkommen und im Endanflug Klappen voll ausfahren, dann Gas ganz in «idle». Ich war etwas zu schnell, sodass ich beim Ausrollen in die Wiese kam, worauf der V1200 sofort auf die Nase ging. Trotzdem war ich mit dem Erstflug und der Landung zufrieden. Nur dem Fahrwerk hat die Wiese nicht gepasst und es musste wieder sorgfältig geradegebogen werden. Ich schliesse daraus, dass das Modell nur für Hartbelagpisten taugt, ausser man hat ein Golfgreen auf dem Platz.


Upgrading

Nun musste 6S-Akku von Leomotion ran. Ich entschied mich aus Performance- und Gewichtsgründen für einen 6S-3300-mAh-70C-Akku mit knapp 500 g, also etwas leichter als der 5S. An einem schönen, windstillen Tag nach Weihnachten war es dann so weit. Der Start erfolgte wie oben beschrieben – und ja nicht zu viel Gas geben, sonst leert die Flügel aus. Nun Anlauf holen, mit Kollege Ch.H. an der Seite, zum Speed ablesen. Schon am Ton des Propellers konnte man erkennen, dass dies so werden sollte, wie ich es wollte. Was für eine Ansage: 256 km/h standen an, Freude herrschte! Die Landung war unspektakulär auf dem Asphalt, weil recht langsam angeflogen werden kann. Die tiefste Spannung im Flug lag bei 20,4 V, und mit dem 3300-mAh-Akku erreicht man eine Flugzeit von 3 Min., bei einer Restkapazität von ca. 20%. Ende Februar hatte ich über 25 Flüge hinter mir, wobei der schnellste mit Rückenwind 279 km/h war.



Mein Fazit

Obwohl ich kein Schaumwaffel-Fan bin – der V1200 ist ein formschönes und tolles Fertigmodell, welches mir bisher viel Spass bereitet hat. Allerdings sollte ein erfahrener Pilot am Knüppel sein. Eine Hartbelagpiste wäre von Vorteil, damit Freude aufkommt, und kein Frust. Wünschenswert wäre, wenn E-flite ein besser sichtbares Farbschema für den V1200 wählen würde, denn weiss-blau ist nicht so toll sichtbar am Himmel. Auch beim Einziehfahrwerk sollten sie über die Bücher gehen und bei der Modellpflege eine etwas stabilere Version wählen. ■

Ronny ist Mitglied der MG Sulzer



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