Ein bisschen rustikal – aber nicht zu sehr
Focke Wulf 190 A8 aus dem Hause Fokke RC
Beim Surfen durch das Internet stosse ich auf die Homepage der Firma Fokke RC Bulgaria, dort hat man die Fertigung von Holzbausätzen in «fast» alter Manier wieder entdeckt und bietet ein grosses Sortiment von WW-II-Veteranen an: Me 109, Focke Wulf, Spitfire, MIG etc.
Interessanterweise werden Modelle in verschiedenen Massstäben von 1:5, 1:4, 1:3 sogar bis – oh Schreck, lass nach – 1:2 angeboten. Der Kontakt zu Rumen Charakov, dem Chef der Firma, ist schnell hergestellt, eine Bestellung aufgegeben; sechs Wochen später trifft ein Modell-Kit der Focke Wulf A8 im Mass-
stab 1:5 bei mir ein. Der Bausatz umfasst einen 1:1-Bauplan, Rippen, Spanten aus lasergeschnittenem Pappelsperrholz sowie Motor- und Kabinenhau- be, es fehlen Leisten, Beplan- kungsmaterial und jegliches Zubehör wie Anlenkungen, Rä- der etc. Eine geschriebene An- leitung gibt es nicht. Charakov antwortet auf E-Mailanfragen im Minutentakt, was sich im Bauverlauf als sehr positiv er- weisen soll.
Im ersten Schritt doppelten wir Lasergeschnittene Seitenteile, sie umschliessen in der Folge den Kabinenraum, danach ver- binden wir sie vorne und hin- ten jeweils über einen Spant miteinander. Die runde Kontur

des Rumpfes entsteht durch seitlich im Nut- und Federprin- zip aufzusteckende Halbspan- ten. Der nächste Bauschritt ist mit Sorgfalt zu planen – es geht um das anzufügende Heckteil. Beidseits sowie oben und un- ten platziert man jeweils einen vorgelaserten, mit Nuten ver-
sehenen Stringer aus Pappel- sperrholz und steckt die Span- ten Stück für Stück ein. Alle Spanten – mit Füsschen ver- sehen – habe ich über einer ge- raden Linie auf dem Baubrett fixierend ausgerichtet. Beim Einziehen der Kiefernleisten ein Manko, die Einschnitte für

die Stringer sind nachzufeilen. Dennoch entsteht in angemessener kurzer Zeit ein stabiles Rumpfergüst aus gefrästen Spanten und Deckplatten, das über Leisten stabilisiert wird. Nach Abnahme des Rumpfes von der Helling und Überprüfung der Längsachse mit dem Laser zeigt sich: Der Rumpf ist in Längsrichtung verzogen! Mit fast gelähmten Händen greife ich zur Säge und durchtrenne
einseitig die Stringer. Oberseitig vorne, in Rumpfmittte und hinten wird die Mittellinie mit Nadeln markiert, im Laserstrahl ausgerichtet und über unterlegte Leistenstücke neu verleimt. Der nächste Arbeitsgang besteht in der Beplankung des Rumpfes mit 2,5-mm-Balsaholz, dies gestaltet sich dank der Rundungen durchaus anspruchsvoll. Hinzu kommt, dass ich mich später ange-
sichts der hohen Vulnerabilität der Balsa-Aussenhaut zähneknirschend entschliesse, Rumpf, Flügel und Leitwerke mit 49 g/m2 Matte zu überziehen.
Die mitgelieferte Motorhaube besteht aus GFK in – nennen wir es – rustikaler Fertigung, ein von Perfektionisten geliebtes Weathering ist hier schon vorweggenommen.
Die Dämpfungsfläche des Höhenleitwerks wird fest eingeklebt, die Ruderansteuerung erfolgt mit Ausnahme des Sei-
tenruders durch vor Ort platzierte Servos. Der 1:1-Bauplan bildet einen geraden Motoreinbau (Winkelmasse 0°/0°) ab, Rumen äussert sich auf Anfrage nicht, also wähle ich die üblichen 2,5° nach unten und 2° nach rechts, alles weitere wird die Flugerprobung erbringen.
Wenden wir uns dem Tragflächenbau zu. Die Rippen bestehen durchgehend aus 3-mm-Sperrholz – es grüsst der
| Spannweite: | 2100 mm |
| Länge: | 1800 mm |
| Gewicht: | 12,0 kg |
| Schwerpunkt: | 140–150 mm hinter Nasenleiste |
| Motor: | DLA 56 + TopfdämpferTC |
| Propeller: | Elster-Prop 2-Blatt 22/10 |
| Servoausrüstung: | 5× Turningy 629HS; Querruder, Landeklappen, Seite |
| Höhe: | 2× KST 215 mg |
| Akkuweiche: | DPSI RV |

Gewichtszuwachs. Die einzelnen Rippen werden mit Füsschen auf dem Plan aufgesetzt, bei guter Passform der Nuten erfolgt die Verkastung der Reihe nach über Kieferleiste, Kammholm, Kieferleiste. Die Einschnitte für die Einbringung des Rohrsteckungssystems – Letzteres ist im Bausatz nicht enthalten – sind passgenau, eine Nacharbeitung entfällt. Die vier Klappen werden aus jeweils zwei vorgefrästen Rohlingen zusammengeklebt und über einer Leiste stabilisiert. Landespitzklappen wie auch Quer- ruder sind spaltfrei über Balsablockchen und Einschnitte in den Ruderflächen zu montieren.
Die Kabinenhaube ist das Wiedererkennungsmerkmal der Focke Wulf. Der vom Konstrukteur vorgesehene Aufbau allein aus 3-mm-Buchensperr-
holzrähmchen ergibt kein stabiles Gerüst. Meine Änderung: Die Frontscheiben werden zusammenhängend über dem vorderen Kabinenrahmen aufgelegt, darüber 2-mm-Alu-Leisten platziert, die man auf dem Holz verschraubt. Die hintere, schiebbare Kanzel besteht aus einer grossen Klarsichthaube, einer Sperrholzlagerplatte und einem aus Balsaleisten geformten Kugelfang. Den Schiebemechanismus konzipieren wir als mittige Holzschiene unter der Haubenplatte, die in einer Rinne der Flugzeugzelle gleitet.
Die Focke Wulf verfügt über ein breit gesetztes, langbeiniges Fahrwerk. Lange Stelzen verursachen beim Landen an der Flügelbasis hohe Torsionskräfte – will sagen, ein GFK-stabili-
siertes Lager ist empfehlenswert. Des Weiteren hatte ich bei einer JU 87 schlechte Erfahrungen mit Stahlfederdämpfern gemacht, jede Landung geriet zum schlecht kontrollierbaren «Springbock-Event»! Bei Wolfgang Liening/Modellbaustudio lasse ich mir nach Mass Gasdruckdämpfer fertigen, ein Electron-Fahrwerk, nicht ganz billig, aber problemlos in der Anwendung, kommt hinzu. Bei der Farbgebung erhält die Maschine unten die übliche himmelblaue, oben eine grünbraune Tarnlackierung, wobei ich mich ganz bewusst – um jeglicher Verherrlichung zu entgehen – nicht auf ein spezielles Jagdgeschwader kapriziere.
Die Bilder zeigen die liebevoll gespritzte Schnecke des Spinners mit einem 21/12-Dreiblatt-Elster-Prop. Die FW rollt an, hebt ab, geht in eine Linkskurve, nimmt die Nase leicht hoch, der Motor stirbt ab, Touchdown. Gott sei Dank, das Gras ist ausserhalb der Startbahn meterhoch, der Schaden nach der Bruchlandung hält sich so in Grenzen. Das noch nicht eingefahrene Fahrwerk ist ausgerissen, ein Blatt der Luftschraube zerbrochen, die Motorhaube hat einen Riss. Versuch einer Fehleranalyse – eine 21/12-Dreiblatt schafft der DLA 56 nicht, spätere Erprobungen mit einem 22/10-Zweiblatt sind von Erfolg gekrönt. Zweiter Punkt: Der Schwerpunkt, im heimischen Keller im vorderen Drit-
tel ausgewogen, ist vermutlich – der Flug war zu kurz – korrekturbedürftig. Das ausgerissene Fahrwerk wird repositioniert, Lackschäden ausgeglichen. Den Schwerpunkt verlege ich 1 cm nach vorne, die Konsequenz: Weitere 500 g Blei sind in der Motorhaube unterzubringen. Der von mir verwendete DLA 56 wiegt 1290 g. Bei einem ZG 62 mit 2040 g wären wir vermutlich ohne Ballastierung ausgekommen.
Ein weiterer Kritikpunkt: Der Hersteller sieht für das gesamte Flugzeugerüst – also auch das Heck – die Verwendung von 3-mm-Sperrholz vor, hinzu kommen Scale-Spornrad, 2 Servos im Höhenruder und die Lackierung – im Fazit: Schwanzlastigkeit ist vorprogrammiert. Nächster Versuch – Abheben nach etwa 50–60 m, unsere Befürchtungen nach dem gescheiterten Erstflug, es handele sich um eine unfliegbare Maschine, bestätigen sich nicht. Hat das keineswegs leichtgewichtige Modell erst einmal Fahrt aufgenommen, werden Ruderbefehle zügig umgesetzt: Rolle links, Rolle rechts wie an der Schnur gezogen, Rückenflug problemlos. Die Motorisierung ist angemessen, in Grenzen kunstflugtauglich. Die Fotos lassen erkennen, beim Einfahren des rechten Electron-Fahrwerkes ist die Alu-Abdeckung abgefallen, das Bein hat irgendwie Verdrehung erfahren. Insge-

samt – die Bildgebung spricht für sich – eine beeindruckende Flugperformance.
Ein anspruchsvolles Projekt für Holzwürmer. Ein durchgehend aus 3-mm-Sperrholz zu fertigendes Flugzeugskelett liesse sich z.B. im Flügelbereich durch Balsaeinsatz im Gewicht minimieren. Die FW 190 A8 1/5 verfügt trotz einer nicht unerheblichen Flächenbelastung über gute Flugeigenschaften, sie folgt Steuerbefehlen problemlos und harmonisch. Fokke RC bietet in derselben Grösse mit der D8 die Langnasenversion an, bei der sich die Schwerpunktauswiegung einfacher gestalten dürfte. A happy outcome is worth waiting for!


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