Titelstory

Franz Meier – mit Kreativität und Schaffenskraft zum Scale-Pionier

von Emil Ch. Giezendanner
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«Und wenn sie nicht abgestürzt sind, so leben sie noch heute»,
schrieb Franz Meier 1967.



Vermutlich noch einige Modelle vorhanden – sogar flugbereit

Tatsächlich sollen noch einige Modelle von Franz Meier vorhanden sein. Ganz besonders bei Sammlern sind seine Modelle beliebt. Reparaturbedürftige und gar flugbereite. Die Hunter Mk 58 war – und ist noch heute – ein eigentliches Kultmodell und wurde im In- und Ausland wohl hundertfach gebaut.


Die schweizerische Scale-Szene wesentlich mitgeprägt

Franz Meier (1930–2018) aus dem Zürcher Oberland war schon in den Sechzigerjahren schweizweit und darüber hinaus der Begriff für massstabgetreue Flugmodelle. Der gelernte Schreiner und später ausgebildete Maschinenzeichner brachte mit seinem konstruktiven, technischen und handwerklichen Können geradezu ideale Voraussetzungen für den erfolgreichen Scale-Modellbau mit. Seine Zeichnungen – heute würde man sagen, «analog» am Reissbrett – gehörten zum Feinsten. Zahlreiche davon waren in den Sechziger- und Siebzigerjahren im Neckarverlag erhältlich. Detailgetreue und hervorragende Präzision waren seine Markenzeichen. Dazu ein typisches Beispiel: Nach der etwas aufwendigen Herstellung des Spinners für den Hunter wurde Franz gefragt: «Warum sich auch so viel Mühe und Arbeit machen, kommt doch nicht drauf an, ob der Spinnerradius stimmt oder nicht, Hauptsache, die Kiste fliegt, in 300 m Höhe sieht das doch kein Mensch.» Die Antwort gibt Franz gleich

selber: «Eben kommt es darauf an; denn ein Scale-Modell muss so gebaut sein, dass man auf den ersten Blick sieht, welchen Typ es darstellen soll.»


Selber selten geflogen

In seinem Hunter-Bericht schrieb Franz: «Ich selbst habe das Modell noch nie geflogen. Pilotieren ist nicht meine Stärke. Entwerfen und Bauen ist meine Domäne».

Franz Meier besuchte jedes Jahr verschiedene Wettbewerbe. Er flog selber nicht; das überliess er seinen Freunden, die ihn auch beim Einfliegen und Modifizieren berieten. An Wettbewerben und Weltmeisterschaften – wo oft auch seine Modelle und Nachbauten zum Einsatz gelangten – wirkte Franz im Hintergrund. Als technischer Fachmann, Mechaniker und Reparatuer. Damit aber stellte er sich nicht ins Rampenlicht und, ausser an Teamwettbewerben, stand sein Name nicht auf den Ranglisten. Sein Sohn Renato übernahm später immer mehr das Steuer. Gut vorstellbar, dass dies eine grosse Genugtuung für den Vater war.


Erste Jet-Modelle mit Pfeilflügeln

Nach den ersten FAI-Weltmeisterschaften im RC-Kunstflug (1960 Dübendorf) glichen sich die ferngesteuerten Modelle mehr oder weniger. Hoch- und Tiefdecker, durchschnittlich 140 bis 160 cm Spannweite, zwei Doppeldecker mit Motoren 5 bis 10 ccm. Auch in der Scale-Szene bewegten sich die Modelle grösstmässig in diesem Bereich. Dazu kamen Doppeldecker. So wurde 1974 der Amerikaner Robert M. Wischer mit seiner Emeraude Weltmeister. Weitere Teilnehmer flogen mit Volksplane, Piper Comanche, Cap 20, Shinn 2150 usw. Da waren die Jet-Modelle mit Pfeilflügeln von Franz eine echte Neuheit und eine tolle Bereicherung. Seine ersten Jetmodelle waren Crusader, Sabre und schliesslich das Erfolgsmodell Hunter, von der er gemäss einem seiner Berichte (1967) lange geträumt hatte. Zu diesen Modellen schrieb Franz: «Mit der Hunter wird nun eine Versuchsserie von Jet-Modellen abgeschlossen. Gebaut habe ich diese Modelle, um das Verhalten der Pfeilflügel im Modellbau zu untersuchen und zu erproben, und ich kann sagen, diese Arbeit ist mehr als positiv ausgefallen. Damit sind die ersten Grundlagen geschaffen und dem Flugmodellsport zuliebe wäre es zu begrüssen, wenn diese Modelle viele Nachfolger haben würden.» Wer sich heute in



Franz Meier mit Polikarpov I-153 «Chaika» (Möwe). Das letzte vollendete Modell von Franz, entstanden Ende der 90er-Jahre. Die Konstruktion sehr aufwendig, komplett in Holz ausgeführt. Mit Knickflügel und Einziehfahrwerk in den Rumpf um 90 Grad drehend. Spannweite ca. 210 cm, Gewicht ca. 11 kg, Antrieb OS 4 Takt Boxer 50 ccm.

Franz suchte stets die besondere konstruktive Herausforderung im Bau und die Umsetzung einer funktionsfähigen Lösung im Modell.



Die Gee Bee R-2. Aussergewöhnliche Vorbilder reizten Franz schon immer, sodass auch die Gee Bee als Modell realisiert wurde. Spannweite ca. 200 cm, Gewicht ca. 9 kg, Antrieb ZG 45 ccm.


der modernen Jet-Szene umsieht, weiss natürlich, dass «seine» Hunter nach wie vor zu den sehr beliebten Modellen gehört.


Grosse Schaffenskraft

In unglaublich kurzen Zeitabständen baute Franz Meier seine Scale-Modelle. Durch die Teilnahme an Wettbewerben im In- und Ausland sowie auch an Weltmeisterschaften erarbeitete sich Franz ein enormes Erfahrungspotenzial, auf dessen Grundlagen immer wieder andere Modellbauer erfolgreich bauen und fliegen konnten. Viel wertvolles Wissen lieferte er mit seinen übersichtlichen Zeichnungen und ausführlichen Baubeschreibungen. Zusätzlich wirkte Franz als Fachautor und konnte auch auf diesem Weg sein Know-how an die Modellflieger weitergeben. Damit hat er der schweizerischen Scale-Szene nicht nur einen wohl einmaligen Impuls verliehen, sondern wirkt auch noch heute für alle Selberbauer als Vorbild. «Die erste Hunter ist startbereit, und während ich diese Zeilen schreibe, liegt das zweite Modell schon auf dem Baubrett», Franz Meier 1967.



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