Weisch, was i meine? Flugzeuge in Krieg und Frieden
Liebe MFS-Leserinnen und MFS-Leser
Der grosse deutsche Liedermacher Reinhard Mey – «Es gibt keine Maikäfer mehr» – schreibt in seinem Lied «Es ist doch ein friedlicher Ort» (1985) eine beschämende Tatsache, seit es Menschen gibt:
«Mit Ikarus und Dädalus, mit Leonardo haben wir, solange wie's uns Menschen gibt, den Traum vom Fliegen mitgeträumt. Und kaum hat sich der Wunsch erfüllt, der uns der Freiheit näherbringt, missbrauchen wir schon das Geschenk als Waffe und als Mordwerkzeug.»
Eigentlich schrieb er das Lied in einer Zeit, als in Europa Frieden herrschte. Der erste Golfkrieg – Iran-Irak – war weit weg und die Jugoslawienkriege begannen 1990. Trotzdem zeigte er schon damals, wie Krieg unsere Träume zerstört. Ein ewiger Kreislauf von Krieg und Gewalt, der keine unserer technischen und kulturellen Errungenschaften auslöst. Offenbar haben wir uns zu sehr von der Realität von Macht und Geld entfernt, nicht nur Pazifisten und linke Träumer, sondern grosse Teile unserer Gesellschaft. Wir waren stolz auf unsere Eigenständigkeit – soweit noch vorhanden – und glaubten, dass uns unsere Nachbarn helfen würden. Die Libyen-Affäre 2008 hat uns diesen Glauben brutal zerstört; denn jeder denkt zuletzt nur an sich. Das lässt sich schon allein durch nicht enden wollendes Geschwätz und ambitionierte Rhetorik über Zusammenhalt und Einigkeit Europas gut bezahlter Brüssel-Reisender ausmachen. Immer, wenn etwas unermüdlich betont wird, können wir sicher sein, dass die Realität eine andere ist. Auch bei uns verliert der Anteil der Realisten und Pragmatiker, die noch glauben, dass wir unsere Freiheit verteidigen müssen, viel Kraft und Zeit, um ein paar Kampfflugzeuge zu beschaffen. Das Thema reiht sich in eine lange Reihe schweizerischer Flugzeugbeschaffungsdiskussionen ein und macht unser Land nicht gerade glaubwürdig. Dabei ist es an der Zeit, dass wir der Politik etwas mehr Vertrauen schenken. Nicht nur an Weihnachten oder am 1. August.
Ich wünsche allen erholsame Festtage und einen guten Start ins neue Jahr.
Emil Giezendanner
redaktion@modellflugsport.ch

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