Freiflug aktuell – Saalflug-F1D-Baukurs
Modellflugzeuge – und speziell Freiflugmodelle – sind heute hochkomplexe Produkte und werden oft von professionellen Herstellern geliefert. Eine Ausnahme ist der Saalflug, bei dem die Flugmodelle wenige Gramm wiegen und selber gebaut werden müssen. Dies ist einfacher gesagt, als getan.
Christian Gugger von der Modellfluggruppe Balsthal und Mitglied der Fachkommission «Freiflug» hat deshalb auch dieses Jahr einen Saalflug-Baukurs ausgeschrieben. Dieses Jahr für F1D, die Königsklasse des Saalflugs, bei dem die Modelle mindestens 1,4 Gramm schwer sind und einen Gummistrang von maximal 0,4 Gramm zum Antrieb haben. In der Schweiz gilt eine limitierte Grösse; denn es fehlen sehr grosse Hallen für diese Modelle. In einer Dreifachturnhalle fliegen die (mit maximal 55 cm Spannweite grossen) Modelle damit über 10 Minuten. Die Verwendung eines erprobten Bauplans und vorbereitete Komponenten sind wesentlich für den Bauerfolg. Ein Schlüssel zum gelungenen Modell ist auch die Verwendung von Hilfslehren und -verfahren. Wesentlich für den Saalflugbau ist ein sehr leichtes und doch stabiles Balsa mit C-Grain-Faserstruktur. Dies ist aktuell schwierig zu beschaffen. Christian Gugger hat das nötige Balsa organisiert und die Komponenten für den Bau des F1D-Modells vorbereitet. Das Rumpfrohr wird aus drei gewickelten sehr dünnen Balsarohren hergestellt. Daran wird das Motorenlager für den Propeller und der Gegenhalter für den Gummistrang befestigt. Die beiden Propellerblätter werden auf speziellen Lehren hergestellt. Die Flügel, das Höhen- und Seitensteuer werden aus dünnen Balsaträgern hergestellt. Auch hier werden einfache Lehren für den Zusammenbau verwendet. Geklebt wird mit wenigen Tropfen eines Kleber-/Aceton-Gemisches. Die Bespannung wird aus einem extrem leichten Kondensatorfilm aufgebracht. Der extreme Leichtbau bei den F1D-Modellen erfordert ein sorgfältiges Handling der Komponenten und der Modelle. Schnelle Bewegungen würden die extrem leichten Teile herumwirbeln und beschädigen. Saalflug-Bau ist also eine entschleunigende Tätigkeit. Zur Vermeidung von Transportschäden werden die Modelle in speziellen Transportboxen befördert. Um das optimale Aufziehen des Gummistranges von 0,4 Gramm zu überwachen, wird ein Drehmomentmesser verwendet. Der Gummistrang wird mit einer Kurbel 1:10 übersetzt auf ca. 800–1000 Umdrehungen aufgezogen. Ziel ist es nun, den Gummistrang während möglichst langer Zeit über den Propeller von bis zu 50 cm Durchmesser zu entladen. Die Drehzahl des Propellers liegt im Bereich von 40 bis 60 Umdrehungen pro Minute. Das ergibt eine maximal lange Flugzeit. Um das Drehmoment besser auf den Flugverlauf zu verteilen, setzen Spitzenpiloten sogar Verstellpropeller ein. Die Propellersteigung wird dabei über das abgegebene Drehmoment gesteuert. Die dabei aufgewendete Leistung entspricht einigen mW.

Wesentlich für den Erfolg im Saalflug ist eine geeignete Halle zum Fliegen. Da besteht ein grosses Manko in der Schweiz. Eine Lösung zeigte der Klubpräsident Rainer Saner, selber aktiver Saalflieger. Wird man Mitglied bei der MG Balsthal, steht dem Saalflieger an den Flugtagen in Balsthal die Halle offen. Seither hat die Balsthaler Modellfluggruppe einige Mitglieder mehr. Hier kann der Saalflieger auch von den erfahrenen Kollegen lernen und sein Saalflugmodell und dessen Flug verbessern. Da kommt dann auch ein Vorteil des Saalfluges gegenüber allen Flugsparten zur Geltung: In der Halle ist immer Flugwetter! Für die Beschaffung des Materials für Saalflieger und einige passende Modelle haben die Saalflieger die Möglichkeit, dies bei speziellen Lieferstellen zu beziehen. Dieses «Saalflug-Depot» wird in Deutschland von Dr. Eder als Non-Profit-Unternehmen betrieben. Von Dr. Eder stammt auch ein Buch (im VTH-Verlag erschienen) über Saalflug. Es hat halt nicht überall einen Christian Gugger in Aktion. Das Engagement von Christian Gugger und der MG Balsthal ist eine gute Möglichkeit, um eine sehr interessante Spezialisität des Flugmodellbaus zu fördern. Saalflieger haben sich den Sonntag, 26. November, im Kalender angestrichen. Dann findet die Schweizer Meisterschaft im Saalflug in der Dreifachturnhalle «Haulismatte» in Balsthal statt. Dies ist eine gute Gelegenheit auch für interessierte Modellflieger, um einen ersten Kontakt und Einstieg in den Saalflug zu machen. Der Schreibende hat dies 2022 auch so gemacht.
*Urs Muntwyler, Freiflug-Newcomer
MG Balsthal/MV Bern/
MG Interlaken*
*Bilder: Roland Kohler (MG Balsthal) und Urs Muntwyler*


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