Motor raus und hinauf zum Berg
IG PSSAS – Modellflug der etwas anderen Art
Zugegeben, die PSSler sind Modellflieger wie alle andern auch. Sie sehen nicht besser aus, können nicht besser rechnen oder schreiben, viele von ihnen gehören aber zu den absoluten Meistern im Leichtbau. Das Motto der PSS-Truppe, «je liechter, desto flügte», stimmt wohl auch nicht immer, kommt der Wahrheit aber schon sehr nahe.

Es war vor vielen Jahren, genau genommen sogar noch im letzten Jahrtausend, als es ein paar Individuen der Gattung «Homo Modellflieger» darauf anlegten, konsequent auf Motoren, Auspuffrohre, Fahrwerke, Tanks oder sogar unendlich schwere Akkuzellen zu verzichten. Dieses Ansinnen war nicht immer von Erfolg gekrönt. Viele der sogenannten Projekte wanderten schnurstracks in die Mülltonne, vergammelten irgendwo in einem Bastelkeller oder auf einem Estrich. Andere wiederum wagten den Start ihrer antriebslosen Kreationen tatsächlich mit dem Erfolg, indem die Fluggeräte genauso weit flogen, wie sie der Werfer schmeissen konnte (zähneknirschend muss der Autor gestehen, dass auch er dieser Gruppe angehörte).

Einigen gelang es aber doch, die ersten Runden am Hang zu drehen. Anderen sogar, sich minutenlang im Aufwind zu halten. Dies alles passierte meistens an Orten, wo sich die Protagonisten unbeobachtet fühlten. Sie alle wollten doch nicht als Spinner dastehen. Die Szenen in England und Amerika waren zu dieser Zeit allerdings schon seit einigen Jahren bekannt. Es sprach sich in Insiderkreisen dann schnell einmal herum, dass sich auch in der Schweiz ein paar Erfolge eingestellt hatten.
Peter Hofer aus Altdorf war es, der zu einem ersten PSS-Treffen in der Schweiz einlud. Oberhalb von Altdorf, auf dem Biel Kinzig, herrschte am 24. September 1994 richtiges Föhnwetter. Ideale Voraussetzungen, um die mitgebrachten Modelle auch tatsächlich zu fliegen. Die Gruppe, die sich damals traf, war nicht sehr gross. Peter Hofer, Walter Wolf, Paul Schilliger, Alfred Genther, Urs Brechbühl, Alex Arnold und der Autor selbst waren auf dem Biel zugegen. Einige der oben Genannten wollten erst einmal sehen, was so abgeht und ob die Sache auch wirklich funktioniert. Andere wiederum hatten den Ehrgeiz, den Beweis auch tatsächlich zu erbringen. Der Thuner Urs Brechbühl fegte mit seiner Fokker 27 schon bald dem Hang entlang, dass man nur staunen konnte. Auch seine Super Sabre und sein Harrier, beide mit noch etwas zu grossen Flügeln, wussten zu überzeugen. Alfred Genther seinerseits, er gilt wohl als einer der Pioniere dieser Modellfluggattung in der Schweiz, hatte mit seiner Bell X-1 ein für PSS-Begriffe auch heute noch sehr ungewöhnliches, aber gut fliegendes Modell dabei. Sein Martin B-57 Canberra wusste ebenfalls zu überzeugen. Er erschreckte die anwesenden Männer mit seiner ersten Landung. Mit einem Knall öffnete sich urplötzlich eine Luke, und seine Canberra schwebte sanft, an einem Fallschirm baumelnd, gegen den Boden. Peter Hofer, der einige Runden mit seinem Rödel Tornado flog, konnte sich ebenfalls über einen Erfolg freuen. Der Autor, dessen Rödel Alpha Jet ebenfalls die Lufttaufe erlebte, muss an dieser Stelle aber gestehen, dass er zu dieser Zeit ganz klar denen angehörte, die zwar Flugzeuge in die Luft brachten, was man dort aber sah, hatte nicht viel mit Fliegen zu tun. Egal, der Virus PSS war eingepflanzt. Am späten Abend des 24. September beschlossen die sieben Männer auf dem Parkplatz der Biel-Kinzig-Bahn die Gründung der Interessen-Gemeinschaft Power Scale Soaring Association Switzerland.

Die Jahre zogen ins Land
Was 1994 als kleines Pflänzchen gesetzt wurde, ist in den vergangenen Jahren gewachsen und gediehen. Von den sieben Gründungsmitgliedern sind auch heute noch fünf mehr oder weniger aktiv mit dabei. Die Mitgliederzahl hat sich mittlerweile bei knapp über 30 eingependelt. Einige davon gehören zum harten Kern, der etwa 15 bis 20 Modellflieger umfasst. Sie sind wenn immer möglich bei jedem der angesagten Events mit dabei. Vor Jahren wurde an einer Generalversammlung der IG PSSAS beschlossen, sich mindestens viermal im Jahr zum gemeinsamen Fliegen zu treffen. Einige Fluggebiete wurden zu dieser Zeit auf die PSS-Tauglichkeit geprüft. Durchgesetzt haben sich die Treffen im Tessin, im Berner Oberland und im Urnerland. Auch die Generalversammlung im «Kreuz» in Winikon bleibt. Was sich aber ganz grundsätzlich geändert hat, sind die Modelle, die heutzutage den Hang hochgeschleppt werden.

PSS-Flieger sind lernfähig. Ein nicht zu verachtender Vorteil, wenn man versucht, die Aerodynamik, das Gewicht und die verschiedenen Einstellparameter auf einen Nenner zu bringen. Zugegeben, dies müssen auch die Modellflugkollegen, die ihre Modelle mit Verbrennern oder Elektromotoren ausgerüstet haben. Bei den meisten von ihnen spielen der Gleitwinkel und das Gewicht aber eine weitaus geringere Rolle. Ist man zu tief, gehts mit einer kleinen Knüppelbewegung ganz einfach wieder nach oben. Wenn der Schwerpunkt und die EWD nur einigermassen passen, ist selbst mit der grössten Krücke ein Abgleiten aus einer bestimmten Höhe zu schaffen. Die PSS-Modelle sollen aber nicht bloss abgleiten, sondern Höhe machen. Wer einmal ein Modell, das er in Hunderten Stunden im Bastelraum gebaut hat, über eine Hangkante hinausgeschmissen hat und es von diesem Moment an nur noch abwärts ging, weiss genau, wovon ich spreche. Im Mittelland, an einem kleinen Westwind- oder Bisenhang, mag dies noch nicht so dramatisch sein. Eine kleine Wanderung, und man hat das Modell einige Meter weiter unten wieder geborgen. In den Alpen oder sogar im Gebirge arten solche Bergungen schnell einmal zu Kletterpartien aus. Dies nennt man dann «Modellflugsport extrem». Nicht nur extrem anstrengend, sondern auch noch extrem gefährlich. Besser ist wohl, wenn man die entsprechenden Profile und die idealen Einstellparameter findet.

PSS-Flieger sind lernfähig. Ein nicht zu verachtender Vorteil, wenn man versucht, die Aerodynamik, das Gewicht und die verschiedenen Einstellparameter auf einen Nenner zu bringen. Zugegeben, dies müssen auch die Modellflugkollegen, die ihre Modelle mit Verbrennern oder Elektromotoren ausgerüstet haben. Bei den meisten von ihnen spielen der Gleitwinkel und das Gewicht aber eine weitaus geringere Rolle. Ist man zu tief, gehts mit einer kleinen Knüppelbewegung ganz einfach wieder nach oben. Wenn der Schwerpunkt und die EWD nur einigermassen passen, ist selbst mit der grössten Krücke ein Abgleiten aus einer bestimmten Höhe zu schaffen. Die PSS-Modelle sollen aber nicht bloss abgleiten, sondern Höhe machen. Wer einmal ein Modell, das er in Hunderten Stunden im Bastelraum gebaut hat, über eine Hangkante hinausgeschmissen hat und es von diesem Moment an nur noch abwärts ging, weiss genau, wovon ich spreche. Im Mittelland, an einem kleinen Westwind- oder Bisenhang, mag dies noch nicht so dramatisch sein. Eine kleine Wanderung, und man hat das Modell einige Meter weiter unten wieder geborgen. In den Alpen oder sogar im Gebirge arten solche Bergungen schnell einmal zu Kletterpartien aus. Dies nennt man dann «Modellflugsport extrem». Nicht nur extrem anstrengend, sondern auch noch extrem gefährlich. Besser ist wohl, wenn man die entsprechenden Profile und die idealen Einstellparameter findet.

Wer von den Modellfliegern hat die nicht auch schon gesucht? Auch wir alle von der IG PSSAS sind noch immer am Suchen. Finden werden wir sie vermutlich nie. Einige Schritte weiter sind wir aber. Heute gelingt es den PSSlern recht gut, ein neues Modell in die Luft zu bringen. Ein Fortschritt gegenüber den Anfängen. Ohne Thermik und Aufwind gehts aber auch beim PSS nicht: Nicht ganz unbeteiligt an den PSS-Erfolgen sind die Elektroflieger, A-10 Thunderbolt, Venom und Vampire und einige mehr. Sie gehörten doch alle zu den Modellen, die vor einigen Jahren mit Holzimpellern und Speed-400-Motoren das Fliegen lernten. Alle sehr leicht gebaut, damals noch aus Balsa und Sperrholz. Styropor, Depron und teilweise EPP kamen als leichte und einfach zu bearbeitende Baumaterialien dazu. Mittlerweile fliegt sogar das erste selbst gebaute Voll-GFK-Modell, eine Aérospatiale N 262 Frégate, in den Schweizer Bergen. Knapp fünf Monate dauerte der Einsatz von Kilian Henzi. In dieser Zeit hat er neben seinem Hobby «Beruf» noch kurz ein Urmodell geplant, gezeichnet, gebaut und mit feinsten Details wie Türscharnieren, Klappen, Deckeln und Tausenden von Nieten ausgestattet. Daraus hat er anschliessend sieben verschiedene GFK-Formen hergestellt, und schon im Mai flog die erste N262: 150 cm Spannweite. In der leichtesten Version – knapp 850 Gramm – hat er damit schon so manchen Leichtwindsegler das Fürchten gelehrt und in der IG PSSAS neue Massstäbe gesetzt.

Ganz einfach wegen der Individualität. Nichts gegen die schneeweissen Superorchideen mit rot abgesetzten Randbogen, die ohne Zweifel viel mehr Leistung haben als ein PSS-Modell. Nur, sie sehen halt alle beinahe gleich aus. Bei unseren Treffen fliegt eine mächtige, drei Meter spannende DC-3 neben einer Mustang P 51 mit 80 cm, einer N 262 der Danair und einer Hawk der Schweizer Armee. Ebenso könnten sich eine C 36 mit einem Hunter, einer Venom, einer Partenavia P 68 und vielen andern am Hang treffen. Alle sind sie zumindest ein bisschen nach einem Vorbild gebaut und lackiert. Dies allein ergibt schon eine Vielfalt, wie man sie kaum irgendwo anders antreffen kann.
Informationen und viele Bilder findet der Interessierte im Internet unter www.pssas.ch.
Wer sich selber ins Abenteuer Power Scale Soaring stürzen möchte, ist herzlich eingeladen, bei einem Treffen dabei zu sein. Daten und Termine findet man auf der Website. Wer sich ein erstes kleines Video ansehen möchte, gibt bei You Tube Fiat G 55 Centauro ein und findet dort ein Video eines italienischen Kollegen vom Furkafliegen 2005. Direkt eingegeben heisst die Adresse: www.youtube.com/watch?v=SUvo3G6-4as.
Also reiss den Motor raus, den Auspuff ab, versorge das Fahrwerk in der Schublade, pack den Rucksack und komm mit!

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