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Fieseler Storch

von Jürgen Rosenberger
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Immer mehr wunderschöne Bausätze bereichern den Modellflug


Im letzten Sommer sehe ich das manntagende Original des Fieseler Storchs in gefühltem Schritttempo über die Bahn schweben, es reift der Entschluss, solch einen Flieger als Modell zu bauen. So kommt mir eine Ankündigung aus dem Hause Pichler, einen Fi 156 Storch anzubieten, gerade recht.


Vorbemerkung

Kaum bestellt, schon geliefert, ein erster Blick in den Baukasten, vom gelaserten Holzteil bis hin zur kleinsten Schraube, alles da, nichts muss hinzugekauft werden. Meine Kritik aus früheren Artikeln, dass Hersteller Bauanleitungen vernachlässigen oder gar nicht erst liefern, trifft hier nicht zu: In 12 Kapiteln sind die Baustufen Schritt für Schritt durchnummeriert, farblich fotodokumentiert und mit knappen Worten so erklärt, dass auch Anfänger klarkommen.


Rumpfbau

Man beginnt mit der Grundplatte des Rumpfes, ein fertiges Aluminiumteil wird auf eine Holzplatte aufgezogen, nach vorne entsteht ein würfelförmiger Aufbau, in den man später den Motordom einschiebt. Anschließend platzieren wir die rechte Seitenwand. Sie wird mit den Spanten 4–10 – den Fotos folgend – stabilisiert. Feinst gelaserte Einzelteile, absolut passgenau, lassen in kurzer Zeit ein Rumpfgerüst in Lego-Manier entstehen. Ein wenig Weissleim in die Zargen, zusammenstecken, abwarten, fertig. Ein Rat an Sekundenkleber-Puristen: Der Laser hinterlässt an Schnittstellen Verbrennungskrusten, die der Sekundenkleber kaum durchdringt, während Weissleim verlässliche Verbindungen schafft. Das Rumpfgerüst wird nach Montage aller Spanten mit Kohlefaserleisten gefestigt.

Wenden wir uns der Rumpfkanzel zu, sie ist neben dem Fahrwerk das Storch-typische Merkmal. Sehr filigrane Fensterrahmen sind bereits mit 1-mm-Bohrungen versehen, später setzt man – nach Abschluss der Lackierungsarbeiten – passend zugeschnittene «Glasfenster» mittels kleinster Schraubchen ein.


Flügel und Leitwerk

Die Zusammensetzung der Flügel und des Leitwerks steht jetzt auf dem Programm.

Dr. Fieseler wählte beim Storch, dem damaligen Zeitgeist folgend, einen rumpfnahen Flügelknick. Es entstehen so innere Flügelstummel, an die später die äusseren Tragflächen angesteckt werden sollen. Der Hauptholm des Aussenflügels besteht mittig aus einer Holzseele, die oben und unten wiederum mit CFK-Gurten verstärkt auf einem 1:1-Bauplan mit Nadeln befestigt wird. Rippe für Rippe fügen wir simultan für rechte und linke Flügelhälfte ein. Abweichend von der Baubeschreibung, verklebe ich später die fertigen Aussenflügel fest mit den Stummeln. Wenden wir uns den Klappen, sechs an der Zahl, zu. Keile und Leisten verklebt man auf dem jeweiligen Grundbrett, zieht anschließend die obere Beplankung auf. Am Ende eines halben Bautages zieren zwei Flügel und sechs Klappen den heimischen Werkstatttisch.


Details

Im Handumdrehen sind noch die Leitwerke, weitestgehend vorgeschnitten, zusammenzustecken, zu verkleben und minimal zu verschleifen. Seiten- und Höhenleitwerk werden im Rumpf verklebt. Die Ruder sind später nach Bespannung und Farbgebung über GFK-Biegescharniere – nun mit Sekundenkleber – anzubringen. Die Flächensteckung bewerkstelligten Kohlefaserrohre, Alu-Seitenstreben zur Stabilisierung der Flügel verschraubt man für den Flugbetrieb. Das charakteristische Storch-Fahrwerk hat bei dem leichtgewichtigen Fliegerchen – im Gegensatz zu Grossmodellen – keine Federung. Eine Führungsstrebe wird am Rumpf verschraubt, 2


Datenblatt
Spannweite:1600 mm
Länge:1000 mm
Abfluggewicht:1,6 kg
Servos 8x:Mini Servo Master S2112 auf Höhen-, Seiten-, Querruder, Lande- und Vorderflügelklappen
Regler:XQ 30 mit Programmierkarte
Motor:C 3057, Aussenläufer 600 Watt
Propeller:10x6 Zoll


Drähte verspannt man an der Unterseite.

Bei der Rudermontage entsteht erstmalig Diskussionsbedarf. Obwohl die Anlenkungen der Querruder-, Lande- und Vorderflügelklappen dem Original nachempfunden sind, hat sich – vom Konstrukteur offenbar unbemerkt – ein konzeptioneller Fehler eingeschlichen. Die Ruderscharniere bestehen flügelseitig aus geschwungenen Bügeln, die mit aus Klappenrichtung entgegenkommenden Armen über Schrauben verbunden werden sollen. Hiervon getrennt werden an anderer Stelle die Ruderhörner



eingesetzt und mit den Servos verbunden. Gesagt, getan, alles ist angeschlossen, die Anlage eingeschaltet, nichts bewegt sich – nur ein lautes Quiecken offenbar anlaufender Servos. Rätselraten, was ist die Ursache, von Hand lassen sich die Ruder doch bewegen? Die Ursache liegt in einem Problem der Mechanik: Drehpunkt des Scharniers und Einhakpunkt der Servostange im Ruderhorn liegen nach Vorgabe des Konstrukteurs punktuell deckungsgleich in einer Ebene. Anders ausgedrückt: Der Leser stelle sich bitte einen Türgriff vor, der genau in der Drehachse auf dem Türscharnier aufgebracht ist; eine solche Tür

lässt sich nicht öffnen. Dies gelingt erst, wenn man den Griff zur Aussenkante – also weg vom Drehpunkt – verschiebt. Das Bild macht das Erklärte verständlich. Konsequenz: Die Ruderhörner werden in Form und Bohrung so verändert, dass die Drehpunkte für die Servostangen – also dort, wo die Stangen einhängen – ausserhalb der Scharnierachsen verlaufen. In die Tat umgesetzt, lassen sich nun Servos und Ruder problemlos betätigen. Ein Seitenhieb an Hersteller und Vertreiber des Baukastens – vor Verkaufsbeginn ist Praxiserprobung nicht durch Computeranimation zu ersetzen.



Motor

In einem letzten Schritt erfolgt vorne die Verschraubung des Motordoms, eine Verklebung empfiehlt sich nicht, da je nach Motorwahl ggf. auch wechsel unterschiedliche Längungen anfallen. Ein zunächst von Pichler gelieferter Motor mit 35 mm Durchmesser passt nicht unter die Motorhaube, weil beim Fieseler Storch die Nabenöffnung Scale-bedingt am Oberrand der Motorhaube und nicht mittig liegt, d.h., ein 35er-Aussenläufer schabt an der Haube. Ein 28er-Antrieb schafft Abhilfe. Nach Bespannung aller Bauteile mit Oratex-Antikfolie entscheide ich mich bei der Farbgebung für das Wehrmachtsdesign, oben Camouflage, unten blau mit entsprechenden Hoheitszeichen. Am Ende steht ein 1,60-m-Modell, das durch seine Liebe zum Detail jedes Modellbauerherz erwärmt.

Die Vorbereitung zum Erstflug fordert mit Einstellung der 6 Klappen ihr zeitliches Tribut. Ein Wort zum Pichler-Regler XQ30 und der mitgelieferten XQ program card C3057. Letztere stellt eine echte Innovation dar: Vergessen ist das Programmieren des Reglers über nicht identifizierbare Tonfolgen, kein Versagen der Programmkarte, weil man mal wieder nicht in Einzelschritten die richtige Reihenfolge eingehalten hat – stattdessen ein superbes Konzept: Die C3057 ist für jede einzelne Funktion mit aufgesteckten Jumpers versehen – z.B. Anlauf weich oder hart, Bremse an oder aus etc. Der jeweils eingestellte Jumper sorgt dann für den vorher vom Piloten speziell gewünschten Funktionsablauf. Man schliesst das System an die Batterie an und im Sekundentakt ist die Programmierung abgeschlossen – besser geht es nicht.



Flugerprobung und Fazit

Der erste Flugtag bringt leider nicht den gewünschten Erfolg.

Der 28er-Boost-18-Aussenläufer mit 3S lässt das Modell zwar anrollen, hat aber nicht genug Power, um das Fliegerchen abheben zu lassen. Ein Motortausch ist vonnöten, die Wahl fällt auf einen 28er-ProporiveV2. Mit 4S, 10×6 Propeller, bringt er bei 28 Ampère einen deutlich höheren Vortrieb. Tempus fugit – wir haben mittlerweile Herbst, Regen und Wind beherrschen das Wetter. Irgendwann reisst mir der Geduldsfaden – heute wird geflogen, egal was passiert. Das Störchlein wird aufs Gras gesetzt, in den Wind gerichtet und hebt nach wenigen Metern ab. Es fliegt und scheint den Winden zu trotzen, kein Trimmen, der Schwerpunkt stimmt, mutig dreht unser Fieseler seine Runden. Mehr lassen Wind und aufkommender Regen an diesem Tag nicht zu. So viel ist zu sagen – das Störchlein fliegt prima und macht seinem Namen alle Ehre.

Fazit: Der Fieseler Storch der Grösse 1,60 m ist ein gelungenes Scale-Modell in hoher Detailtreue, das auch dem weniger geübten Erbauer gut von der Hand gehen dürfte. Die Ausstattung des Baukastens ist vollständig, der Kaufpreis bewegt sich in einem vernünftigen Rahmen.



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