Ein Lächeln auf den Lippen
Komplett entschleunigt und weit weg vom Kommerz tat sich diesen Herbst für mich eine neue Erfahrung im Flugmodellbau auf. Lange dachte ich, dass Saalflug nur was für absolute Spezialisten mit exklusivem Geheimwissen und dank exotischen Materialien zu realisieren ist. Wie sonst kann es möglich sein, ein Modell mit nur ca. 3 Gramm Masse mehrere Minuten in der Luft zu halten?
Okay, während der Schulzeit, in den 1970er-Jahren, bastelten wir uns auch Gummimotormodelle. Diese gab es im hübsch bedruckten Papiersäckchen beim Spielzeughändler zu kaufen. Die vorgestanzten Balsateile waren einseitig bedruckt und mussten nur noch mittels Plastikverbindern zusammengesteckt werden. Nach ein paar Tagen verflog jedoch die Begeisterung, die Flugleistungen waren nicht wirklich prickelnd und was damals in den farbigen Graupner-Katalogen angeboten wurde, sah viel verlockender aus. Mit etwas mehr Taschengeld kam dann mal der kleine Uhu in Reichweite und so ging es weiter auf der Schiene grösser, schneller, besser...
Aber 100 Jahre vor meinen ersten Gehversuchen mit den Spielzeugfliegern ging es in Frankreich schon ganz anders zur Sache. Der Franzose Alphonse Pénaud entwickelte 1871 seinen Planophore. Das war wohl das Urmodell aller weiteren Flugmodelle mit Gummimotorantrieb. Das Modell hatte eine Spannweite von ca. 45 cm, wog nur 16 Gramm und flog beachtliche Strecken von bis zu 60 Metern. Pénaud nahm sich mit nur dreissig Jahren das Leben. Seine genialen Ideen leben aber bis heute weiter, auch in der «richtigen» Fliegerei. Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurden seine Planophore-Modelle in grösseren Stückzahlen als Spielzeug vertrieben. Eines davon kam nachweislich in die Hände eines gewissen Wilbur Wright. Der Rest der Geschichte ist allen einschlägig Interessierten bekannt.
Doch zurück in die Gegenwart. Christian Gugger hat auch dieses Jahr wieder seinen Baukurs für Saalmodelle ausgeschrieben. Durch glückliche Umstände und dank der tollen Gastfreundschaft der MFG Balsthal konnte der Kurs im Baulokal in Balsthal stattfinden. Neun Interessierte trafen sich zu drei spannenden Bautagen und hielten danach bereits ein flugfähiges Modell in den Händen! Christian hat das ganze Material für uns von Heinz Eder in Kitform aus Deutschland besorgt. Das Material für alle zusammen fand in einem bescheidenen Karton Platz. Kein Styroporabfall und keine fancy Hochglanzhüllen. Das Wertvollste bei diesem Kurs war das Fachwissen von Christian und seine Leidenschaft, dieses mit uns zu teilen. Es ist keine «rocket science», vielmehr die geballte Ladung an Erfahrungen, ohne die der Bau solch eines Modells sehr viel Lehrgeld in Form von Misserfolgen (Zeit) kosten würde. Auf den vorbereiteten Baubrettern waren die Pläne bereits aufgelegt und mit Klebstreifen entlang den Klebstellen abgedeckt, damit die filigranen Teile sicher nicht auf der Unterlage kleben bleiben. Fixiert mit grossen Muttern, konnten die Balsateile verklebt werden. Ein Tröpfchen des mit Aceton verdünnten UHU hart – im Verhältnis 1:1 – reicht bereits, und der Klebstoff zieht wunderbar ins Holz ein. Man könnte jetzt sagen, das mach ich doch mit Sekundenkleber viel schneller.
Stimmt schon, aber wenn was schiefgeht, kann die Klebestelle bei der vermittelten Methode einfach mit einem Tröpfchen Aceton wieder gelöst werden. Super! Das werde ich bestimmt auch sonst wieder anwenden.

Wir alle waren natürlich gespannt, wie man die nur 0,9 µm dicke Mylarfolie auf das ebenfalls zarte Gerippe aufbringt. Auch das hat mit der richtigen Technik erstaunlich gut funktioniert. Ein mit Melchfett eingeriebener Hilfsrahmen wird auf die auf einem Baumwolltuch ausgebreitete Folie gelegt. Die Folie bleibt so am Rahmen nur haften, klebt aber nicht daran. So können Unregelmässigkeiten von Hand noch etwas korrigiert werden. Das Gerippe bekommt einen homöopathischen Stoss Sprühkleber verpasst und wird dann auf die gespannte Folie gelegt. Mit dem heissen LötKolben trennt man dann den fertigen Flügel aus der Folie im Hilfsrahmen. Auch das kein Hexenwerk, aber wehe, man verarbeitet den Sprühkleber nicht weit genug weg von der Folie. Überwindung brauchte es, als es darum ging, die «Flügelohren» hochzuklappen. Mit der Rasierklinge mussten die Balsateile bis in die Mitte eingeschnitten und dann der Rest noch, knack, gebrochen werden. In der richtigen Lage fixiert, reichte hier ein Tropfen Leim und ganz wenig Japanpapier zum Versteifen. Jetzt sah die Bespannung nicht mehr so knitterfrei aus. Auch wenn das auf die Flugleistung keinen Einfluss gehabt hätte, hatte Christian hier natürlich Abhilfe bereit. Ganz wenig dünnflüssiger Tapetenkleister, fein mit dem Pinsel an der Rippe beim Knick aufgetragen, liess die Falten wie von Geisterhand verschwinden.

Damals wie heute, die Zutaten für das Gelingen sind Ausdauer, der Glaube daran, dass es klappen wird, und die Naturprodukte Balsaholz sowie Gummi. Es gibt bis heute für diesen Zweck keine leistungsfähigeren Materialien, erstaunlich, was die Natur hervorbringt. Das gebaute F1M-L-Modell nach Bruno Wächter hat übrigens mit 46 cm fast die gleiche Spannweite wie der Planophore und ist mit 62,5 cm nur 11,5 cm länger als dieser. Am dritten Bautag war es dann so weit, die Modelle waren flugbereit und wurden noch im Baulokal grob eingestellt. Beim Mittagessen, welches uns jeweils Brigitte und Reto Senoner servierten, war die Vorfreude, aber auch eine gewisse Spannung deutlich zu spüren.
Am Nachmittag wich die Spannung der riesigen Freude, dass jedes Modell prima fliegt. Und jeder hatte ein Lächeln auf den Lippen. Dieses zufriedene Gefühl ist unbeschreiblich und der schönste Lohn für die Arbeit.
An dieser Stelle nochmals ein grosses Dankeschön an Christian Gugger, der uns mit seinem grossen Engagement das Fenster zum Saalflug aufstieß, und an die MFG Balsthal als Gastgeberin für diesen unvergesslichen Baukurs.
Auch wenn das aus Sicht der Sportler unter uns zielführend aussieht, das beabsichtigte Ziel wären möglichst lange Flüge...


DIE PC-21-STORY

Neuigkeiten von HEBU

WEISCH, WASI MEINE? 125 JAHRE AERO CLUB DER SCHWEIZ

EUROPAMEISTERSCHAFTEN F3A IN ST-MACAIRE, FRANKREICH

STOLZ UND GUTE IDEEN

CORSAIR F4U – EIN WARBIRD MIT EINPRÄGSAMER OPTIK

HORIZON HOBBY/LEMACO NEWS:MICRO OV-10 BRONCO 645 MM VON E-FLITE

TEAMMANAGER «THIS» BOSSHARD

ATOM, DER NEUE DOPPELDECKER VON CPLR

52. COUPE DES ALPES 2026

VON DER JUGEND FÜR DIE JUGEND

Neuigkeiten bei Leomotion.com

SCHNUPPERTAG BEIM MFV WETTINGEN

WILLKOMMEN, NEUES MITGLIED!

FREIFLUG IM HOCHSOMMER

EURO CONTEST GLIDER ACRO TOUR ÖSTERREICH 2026

34. ALPINES MODELLFLUGLAGER HAHNENMOOS

EINBLICKE IN DIE WASSERFLUGGESCHICHTE

FERIENPLAUSCH 2026 BEI DER MG USTER

STADTPARTNERSCHAFT

COUPE DES ALPES – BEOBACHTEN UND LERNEN

KLEINE VORBILDÄHNLICHE SEGLER

REGION NOS – EIN ZENTRUM DES ELEKTROFLUGS

VON 0 AUF 100

NEUIGKEITEN VON HEBU

ERINNERUNGEN

WEISCH, WAS I MEINE? IM LAND DES LÄCHELNS
