Expertentipps für LiPo-Akkus
„Modellflieger setzt ein Feld in Brand“ … Solche Schlagzeilen liest man regelmäßig in der Presse. Welche Risiken gehen von Lithium-Ionen-Akkus aus? Dieter Offenthaler, Geschäftsführer der Batrec Industrie AG, erläutert in einem Interview, was man bei diesen Akkus beachten muss.
Herr Offenthaler, wie gefährlich sind Lithium-Ionen-Akkus, zu denen auch Lithium-Polymer-Akkus gehören?
Dieter Offenthaler: Bei sachgemäßer Verwendung stellen Lithium-Ionen-Akkus keine Gefahr dar. Ich empfehle, nur Akkus namhafter Marken zu kaufen. Denn eine strenge und kompromisslose Qualitätskontrolle der Akkus und der Produktion ist unerlässlich. Bei großen Marken kann man davon ausgehen, dass höchste Standards angewendet werden, um Reputationsschäden zu vermeiden.
Warum können Akkus in Brand geraten?
Im Gegensatz zu anderen Batterien, deren Elektrolyt auf Wasser basiert, ist der Elektrolyt von Lithium-Ionen-Akkus brennbar. Der Separator, eine halbdurchlässige Kunststofffolie, trennt die Kathode (aus Aluminium)
und die Anode (aus Kupfer) einer Zelle; nur Lithium-Ionen können diese Folie durchdringen. Wird der Separator beschädigt, z. B. durch übermäßige Hitze, ein Durchstechen oder das Zerdrücken des Akkus, entsteht ein Kurzschluss; der elektrische Strom fließt widerstandslos zwischen den beiden Polen. Der Akku erhitzt sich, und der Elektrolyt entzündet sich. Die bei diesem Brand entstehende Hitze zerstört dann den Separator der nächsten Zelle, und die Zellen entzünden sich nacheinander in einer Kettenreaktion.
Was muss man bei LiPo-Akkus beachten?
Was Akkus überhaupt nicht mögen, ist Hitze – zum Beispiel, wenn sie an einem sonnigen Tag hinter der Windschutzscheibe liegen – und mechanische Einwirkungen wie Stöße. Die Akkus dürfen auf keinen Fall zerlegt werden. Zum Aufladen eines LiPo-Akkus darf ausschließlich ein für den jeweiligen Akku geeignetes Ladegerät verwendet werden, das nach dem Aufladen vom Stromnetz getrennt wird.
Wie soll ich meinen Akku lagern, wenn ich ihn über einen längeren Zeitraum nicht benutze, zum Beispiel im Winter?
Lagern Sie Ihren Akku an einem trockenen und frostfreien Ort. Laden Sie den Akku idealerweise zur Hälfte auf.
Dieter Offenthaler ist Geschäftsführer der Batrec Industrie AG in Wimmis. Das Unternehmen recycelt in der Schweiz gesammelte Altbatterien und Altakkus. „Normale“ Haushaltsbatterien werden im Unternehmen recycelt, während Lithium-Ionen-Akkus für das Recycling aufbereitet werden. Eine französische Tochtergesellschaft recycelt anschließend die wertvollen Rohstoffe wie Kobalt, Nickel und Kupfer. www.batrec.ch

Dieter Offenthaler, Geschäftsführer von Batrec.

Auf diese Weise vermeiden Sie eine Tiefentladung, bei der sich der Akku mit der Zeit von selbst entlädt. Überprüfen Sie den Ladezustand des Akkus von Zeit zu Zeit und laden Sie ihn bei Bedarf bis zur Hälfte auf. Beobachten Sie nach einer längeren Zeit ohne Nutzung den ersten Ladevorgang.
Sind feuerfeste Behälter für die Lagerung sinnvoll?
Grundsätzlich ja. Diese Behälter müssen jedoch unbedingt über eine Entlüftung verfügen. Sie dürfen also keinesfalls gasdicht sein, um im Brandfall einen gefährlichen Druckaufbau im Behälter zu vermeiden.

Für LiPo-Akkus sind im Handel Sicherheitsbeutel erhältlich, die diese Anforderungen erfüllen. Diese sind auf jeden Fall zu empfehlen.
Was ist zu tun, wenn der Akku zu rauchen beginnt oder Feuer fängt?
Legen Sie diesen Akku nach Möglichkeit in einen großen, mit Wasser gefüllten Behälter, idealerweise in einen Behälter, der nicht aus Kunststoff besteht. Der Akku muss vollständig mit Wasser bedeckt sein. Lassen Sie den Behälter mit dem Akku mehrere Tage im Freien stehen. Für die Entsorgung eines solchen Akkus sollten Sie sich an den INOBAT-Notdienst wenden: www.inobat.ch/urgence. Wenn Sie den Akku nicht mehr greifen können, löschen Sie ihn mit Wasser, einem Feuerlöscher oder einer Löschdecke. Sobald die Flammen erstickt sind,
legen Sie den Akku ebenfalls in einen mit Wasser gefüllten Behälter und verfahren Sie wie oben beschrieben. Es ist daher keine schlechte Idee, einen mit Wasser gefüllten Behälter griffbereit zu haben, während man seine Modellflugzeuge fliegen lässt.
Welche Anzeichen deuten auf ein Problem mit einem Lithium-Ionen-Akku hin?
Es gibt mehrere Anzeichen, die darauf hindeuten können, dass ein Akku ein Problem aufweist und so schnell wie möglich bei einer zuständigen Sammelstelle abgegeben werden muss:

1. Der Akku ist aufgequollen. Dies deutet darauf hin, dass im Inneren des Akkus chemische Reaktionen – meist aufgrund von Feuchtigkeit – eingesetzt haben. Bei Lithium-Polymer-Akkus ist eine Aufquellung schnell erkennbar.
2. Der Akku weist äußere Beschädigungen auf, zum Beispiel Einschläge oder Risse.
3. Er zeigt einen deutlichen Leistungsabfall.
4. Der Akku wird bei Gebrauch oder beim Laden extrem heiß.
5. Wenn ein Gasgeruch wahrnehmbar ist oder Flüssigkeit aus dem Akku austritt, darf keine Zeit mehr verloren werden.
Wenn Sie eines dieser Anzeichen feststellen, darf der Akku nicht mehr verwendet und schon gar nicht mehr aufgeladen werden. Isolieren Sie die Pole mit Klebeband, um ihn vor einem Kurzschluss zu schützen, und verpacken Sie ihn separat in einer Plastiktüte. Bringen Sie ihn umgehend zu einer zugelassenen Sammelstelle, damit er fachgerecht entsorgt wird.
Ein neues Merkblatt von INOBAT informiert Modellflugzeugbauer und Drohnenpiloten über die sichere Entsorgung von LiPo-Akkus. Es kann auf der Website von INOBAT unter www.inobat.ch im Menü „Informationsmaterial“ heruntergeladen werden.


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