Fesselflug-Welt- und -Europameister in Breitenbach
Der Jura Cup ist wohl der traditionsreichste internationale Fesselflug-Wettbewerb in Europa. Er wird seit 50 Jahren von der Modellfluggruppe Breitenbach auf der Fesselfluganlage Schwalbennest bei Büsserach SO durchgeführt – jährlich abwechselnd in den Kategorien Akrobatik bzw. Speed/Team Racing. Am Wochenende vom 22./23. Juni 2024 waren die Rennkategorien Speed/Team Racing wieder an der Reihe. Ein echtes Spektakel war programmiert; denn am Start waren einige der schnellsten Piloten Europas und der Welt.
35 Konkurrenten aus Italien, Frankreich, Ungarn, Tschechien und der Schweiz, Ukraine und den Niederlanden waren angereist, um sich in den Fesselflug-Rennkategorien Speed F2A, Speed F2G und Team Racing F2C zu messen.
Die grosse Frage bei den Speed-Spezialisten war: Mit welchen Antrieben kann man schneller fliegen? Bis vor Kurzem waren Modelle mit Elektroantrieben die schnellsten, doch eine kürzlich eingeführte Regeländerung hat ihre Ge- schwindigkeiten reduziert. Nach den drei Läufen war klar – die Verbrenner haben im Moment wieder die Oberhand. Luca Grossi aus Italien flog mit 297,7 km/h in der Kategorie F2A zum Sieg. In F2G gewann Daniel Rota, Schweiz, mit 287,7 km/h.
Die F2G-Konkurrenz wurde gleichzeitig auch als Schweizer Meisterschaft gewertet. Dabei siegte Daniel Rota vor Guy Ducas und Toni Borer – alle drei Mitglieder der MG Breitenbach.

Der starke Regen am Samstag machte den Team-Racern und der Jury das Leben nicht einfach. Kaum ein Rennen verlief ohne Zwischenfall, und die Jury musste immer wieder die Videoaufzeichnungen zu Hilfe nehmen, um über Disqualifikation oder Reflight zu entscheiden.
Der Sonntag brachte die ersehnte Wetterbesserung und erlaubte, die verpassten Rennen vom Samstag nachzuholen und die für Sonntag angesagten Rennen planmäßig durchzuführen. Das Programm war somit dicht gedrängt, die Organisation gefordert, und die Zuschauer konnten nonstop den Spitzenfesselflug geniessen.
Das Team Racing Final über 200 Runden bildet bei jedem Fesselflug-Rennwochenende den Höhepunkt. Die drei schnellsten Teams aus den Vorläufen und den Halbfinals sind jeweils dafür qualifiziert.

Noch spannender für die Zuschauer ist das Team Racing. Hier fliegen drei Piloten mit ihren Modellen an 15,9 m langen Leinen gleichzeitig im gleichen Kreis, und dies über 100, im Final sogar über 200 Runden. Die Modelle haben dabei Geschwindigkeiten von rund 200 km/h. Und als ob das nicht schon genug wäre, müssen die Piloten während dem Rennen das Modell noch mehrmals landen, von ihrem Mechaniker auftanken lassen und wieder starten – wie in einem Formel-1-Rennen. Bei dieser Geschwindigkeit und Hektik können alle möglichen Zwischenfälle passieren. Deshalb beobachtet eine Jury den genauen Rennablauf.
Bei einer Team-Racing-Konkurrenz fliegt jedes Team drei Vorläufe. Die Schnellsten daraus bestreiten dann zwei Halbfinals und die drei Schnellsten der Halbfinals qualifizieren sich schliesslich für den Final.
Am Jura Cup waren dies:
- Makarenko/Osadchyi, die amtierenden Welt- und Europameister aus der Ukraine
- Bondarenko/Lerner, die mehrfachen früheren Weltmeister, ebenfalls aus der Ukraine, und
- Grossi/Rossi – ein sehr erfahrenes und erfolgreiches Team aus Italien.
Am Sonntag um 17.00 Uhr konnte das Spektakel beginnen. Es war ein super Final mit schnellen Tankstopps – bis zur 82. Runde. Leider verpasste Igor Osadchyi das Modell bei der Landung, und dann waren es nur noch zwei Teams, die den Final zu Ende flogen. Die Sieger waren schliesslich Grossi/Rossi aus Italien.
Mit Siegen im Speed und im Team Racing war Luca Grossi somit der grosse Gewinner des Rennwochenendes im Schwalbennest. Er wurde entsprechend von der italienischen Delegation frenetisch gefeiert.
Der Jura Cup 2024 ist somit Geschichte. Es war ein spannendes, turbulentes Wochenende, das von allen Beteiligten viel Flexibilität erforderte, aber schliesslich rundum zu einem Happy End und einem unvergesslichen Erlebnis führte. ■
Ranglisten unter: www.fesselflug.ch
Im «Speed» geht es darum, mit einem hochtechnisierten Geschwindigkeitsmodell möglichst schnell über 1000 m zu fliegen. Das Modell fliegt dabei im Kreis und wird gesteuert von einem Piloten, der sich in der Kreismitte befindet und das «Fluggeschoss» an zwei hauchdünnen 17,6 m langen Leinen festhält. Die Speed-Modelle erreichen Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h. Dass dabei der Pilot aufs Äusserste gefordert wird – denn er dreht sich mit dem Modell im Kreis – liegt auf der Hand. Fesselflug Speed umfasst zwei Kategorien: In der traditionellen Kategorie F2A werden Modelle mit 2,5-ccm-Glühzunder-Motoren geflogen. In der noch jungen Kategorie F2G werden die Modelle mit einem limitierten Elektromotor und einer Batterie angetrieben.
An einer Speed-Konkurrenz absolvieren die Piloten drei Läufe. Für die Schlussrangierung zählt die höchste Geschwindigkeit daraus.


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