Geschichte

11. Weltmeisterschaft im RC-Kunstflug 1979 in Johannesburg/SA

von Emil Giezendanner
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Die alle zwei Jahre zur Austragung gelangende Weltmeisterschaft im ferngesteuerten Kunstflug (F3A) findet dieses Jahr vom 24.–30. September in Johannesburg, Südafrika, statt.


Allgemeine Ausgangslage

Auch dieses Jahr dürfte es schwer sein, vorauszusagen, wer denn das «Rennen» diesmal gewinnen wird. Genauso schwer wäre zu sagen, dass Prettner nicht gewinnen wird. Natürlich könnte auch er eine Panne haben, und dann wäre wieder alles offen. Aber bei den Besten sind Pannen selten – an den Schweizermeisterschaften gibt es solche, die schon seit 15 Jahren auf Pannen warten ...

Gelingt es Prettner, sich in der Liste der Doppel-Weltmeister eintragen zu lassen? Doppel-Weltmeister gibt es bekanntlich nur zwei, nämlich Ralph Brook, USA, und Bruno Giezendanner. Oder könnte Prettner gar den Rekord brechen und als einziger der Welt 1981 den dreifachen Weltmeister erobern? Möglich wäre es. Rekorde sind da, um gebrochen zu werden! Ein Rekord

wird dieses Jahr sicher gebrochen: Noch nie gab es eine WM mit dermassen schnellen Modellen. Übertragen auf die Grossfliegerei würde dies Akrobatik-Vorführungen mit Überschalljägern entsprechen – auch was die Figurengrösse betrifft. Die WM der Superschnellen! Wie geht das wohl weiter, denn in Richtung Las Vegas sind wir noch schneller in der Sackgasse als jetzt, besonders in der Lärmfrage. Die Frage ist, ob sich das mit Reglementen steuern lässt – höchstens mit der schärferen Begrenzung des Geräuschpegels.

Weltmeisterschaften sind nicht nur hinter den besten Modellen her, hinter den besten Akrobaten, sondern vor allem hinter den besten Nerven. Wenn alles normal läuft, gewinnt der mit den besten Nerven.

Für mich heissen die Favoriten ausser Prettner: Koger, USA; Brown, USA; Kristensen, Kanada. Die Europäer Matt, Fritz, Giezendanner, Hoppe können, wenn alles nach Wunsch läuft, bei den Allerbesten sein. Das zur Zeit gültige Selektionssystem mit den beiden einfacheren Programmen und dem schweren Final kann für jeden Spitzenflieger Glück oder Unglück um Haaresbreite

bedeuten. Diesen unbrauchbaren Modus hatte man in Las Vegas bereits 1976 angewendet und sogleich seine Untauglichkeit festgestellt. Ein Jahr später mussten auch in Las Vegas alle Piloten – nicht nur die paar Finalisten – das schwere Programm fliegen, was eine viel weniger zufällige Selektion ermöglichte. Nun, die CIAM folgte beim neuen Reglement voll den Anträgen der Kunstflug-Kommission, welche sich aus Piloten und Punktrichtern zusammensetzt. Die meisten von ihnen waren auch in Las Vegas, aber hatten scheinbar einen vom Erfolg getrübten Blick. So musste es kommen, dass die FAI denselben Fehler machte wie Las Vegas vor einigen Jahren. Das ist schade.


Die Schweizer Mannschaft

Die Schweizer Kunstflugnationalmannschaft besteht einmal mehr aus den drei Piloten Bruno Giezendanner, Emil Giezendanner und René Schumacher. Die Mannschaftsleitung untersteht Kurt Müller, der von Siegfried Schmid assistiert wird.

Trotz seines Alters von nur 33 Jahren ist Bruno Giezendanner am längsten dabei, nämlich genau 12 Jahre. Johannesburg wird für ihn die siebte Weltmeisterschaft in ununterbrochener Reihenfolge. Bereits die fünfte Weltmeisterschaft fliegt Emil Giezendanner mit, der seit 1971 Mitglied der



Mannschaft ist. Seit 1975 ist der Walliser René Schumacher dabei, der dieses Jahr seine dritte WM bestreiten wird. Ich würde sagen, dass es schön wäre, alle Schweizer im Mittelfeld zu finden. Erwischt irgendeiner einen besonders guten Tag, kann er in die ersten Zehn hineinfliegen. Besonders Bruno wäre zu solchen Taten fliegerisch und materialmässig in der Lage – aber eben, es muss alles stimmen. Dies ist eine nüchterne, aber realistische Betrachtung unserer Chancen. Die Mannschaft baut hauptsächlich auf dem Einzeltraining und somit auf der Eigeninitiative auf, was ich als eine brauchbare Lösung anschaue. Ein kurzes Trainingslager auf 1000 Metern Höhe in Saanen/Gstaad soll die vielen Einzelanstrengungen abrunden. Da die Mitglieder der Mannschaft sehr weit auseinander wohnen, ist zugleich das Gespräch und die



gemeinsame Arbeit in diesem Lager zu pflegen. Herzlichen Dank an alle Kameraden, die dieses Training ermöglichten und unterstützten. Natürlich gibt es Modellflieger, die das alles besser machen könnten, besser organisieren, besser fliegen u.s.f. Ich glaube jedoch, dass in einem Amateursport der Aufwand in Schranken zu halten ist. Und, was das Besser-Sein betrifft, so stellt sich jeder einzelne der Mannschaft jedes Jahr der Konkurrenz: Geflogen wird bei uns (glücklicherweise) mit der Fernsteuerung und nicht mit der Schnauze!

Das Training im Berner Oberland soll so etwas wie ein Höhentraining sein, da die WM auf rund 1800 Metern über Meer stattfindet. Natürlich gibt diese Höhe noch kein genaues Bild über tatsächliche Verhältnisse. Während ein echtes Höhentraining für René Schumacher im Wallis kein Problem darstellt, mussten die andern beiden «wahren Unterländer» nach einer realistischen Trainingsgelegenheit Ausschau halten. Durch kameradschaftliche Vermittlung hatten die Gebrüder Giezendanner schliesslich die schöne Gelegenheit, auf dem höchst gelegenen Flugplatz Europas, nämlich auf dem Flugplatz Samedan/GR, zu trainieren. Es sei an dieser Stelle allen Beteiligten für die liebenswürdige Gastfreundschaft recht herzlich gedankt. Ganz besonderen Dank an den Flugplatzchef, Herrn Vondrasek, der es sich nicht nehmen liess, während des ganzen Trainings mit Funkgerät bei uns auf dem Rollweg draussen zu verbringen, während ein munterer Flugbetrieb vom Jet bis zum Segelflugzeug sich ungehindert abwickeln konnte. Ein schönes Beispiel von Zusammenarbeit in der Fliegerei, ein Beispiel der Praxis und nicht von Statuten und Verbandsideologien.


Ein paar Worte zum technischen Material

Ich kenne keine Spitzenflieger, welche nicht selbst an der Entwicklung ihres Modells aktiv beteiligt waren. Natürlich kann jeder bestehendes Material einfach übernehmen, doch wird er in seinem Herzen nie die gleiche Beziehung zu seiner Maschine haben, wie wenn die Entwicklung auf sein Wissen und seine Erfahrung zurückgeht.



Alle Weltmeister im Modellkunstflug haben auch mit ihren Konstruktionen weltweiten Ruf erlangt: Kazmirsky – Taurus, Brook – Crusader, Giezendanner – Marabu, Matt – Atlas, Prettner – Curare. Parallel mit der Entwicklung des Piloten wird sich auch sein technisches Material entwickeln. Für den mittleren Piloten genügt vielleicht für den Anfang ein vorhandenes Modell – aber nur, wenn er sich an die Angaben des Konstrukteurs hält. Geht er hin und schleift einfach den Nasenradius spitz, so kann er unter Umständen genau das erreichen, was der Konstrukteur bewusst verhindern wollte. Das heisst, dass der Nachbauer versuchen müsste, die Gedanken, welche zur Wahl eines bestimmten Profiles führten, eine Dämpfungfläche bestimmten etc., nachzuvollziehen. Die meisten Modelle gehen auf eine Entwicklungszeit von 3 bis 5 Jahren zurück. Da bleibt recht wenig Spielraum für Zufälle übrig. Spektakuläre Neuerungen wird es auch dieses Jahr keine geben. Der Trend geht eindeutig zur weiteren Perfektionierung und Verfeinerung auch in bezug auf die aerodynamische Auslegung. Alle vorstehenden Teile wie Fahrwerk, Motorenzylinder, Schalldämpfer etc. sind Fremdkörper, verursachen unschöne Strömungsverläufe, verschlingen unnötiger-

weise Motorenleistung, verfälschen zudem eine saubere Ruderwirkung und verhindern dadurch eine präzise Steuerbarkeit in allen Lagen und Geschwindigkeiten. Das ist das Grundprinzip. Vor genau zehn Jahren hat Bruno Giezendanner die Vorteile eines einziehbaren Fahrwerkes drastisch demonstriert. Da die Motorenleistung von der Geräuschentwicklung her beschränkt ist, die Figuren aber teilweise enorme Steigleistungen und Geschwindigkeiten verlangen, liegt die Zukunft ganz bei der weiteren Verbesserung der Aerodynamik, bei den Profilen, bei der genauen Vermessung und Bestimmung der verschiedenen Daten. Hier könnte der Elektroflug und der Viertaktmotor seine positiven Auswirkungen haben und entsprechende Impulse setzen.

Emil Giezendanner



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