Alte Zeiten – neue Geschichten
Unser Virus.. ist schon 60-jährig – da mag Corona gar nicht mithalten. Die Modellfluggruppe Schwyz-Uri entstand aus Enthusiasten. Eine Gruppe Studenten des Kollegium Schwyz und eine lose Truppe regionaler Modellfreaks taten sich zusammen und es entstand die Modellflug-Organisation (MFO).
Die MFO wurde offiziell am 7. März 1961 gegründet, mit dem Zweck, den Modellflug in der Region zu fördern. Gründungspräsident war Guido Käppeli. Sogar Jubilare, die seit der Gründung bis heute noch dabei sind, haben wir: herzliche Gratulation, Robert Schuler und Hans Schibli! In den Anfängen wurde vor allem der Frei- und Fesselflug praktiziert. Die Teilnahme an nationalen Wettbewerben und bereits ein selbstorganisierter regionaler Anlass eines Fesselflugwettbewerbs auf dem Fussballplatz Tschaibrunnen in Schwyz rundeten die ersten Vereinsjahre ab. Interessant sind auch die Jahresbeiträge. Damals bezahlte ein Junior gerade mal CHF 5.50, für einen Senior waren es CHF 7.00; ein Schnäppchen, würde man heute sagen. Um dem Verein etwas Popularität zu verschaffen, wurden Anlässe wie der Frühlingsflugtag ins Leben gerufen. Dem heimischen Publikum wurden Modellflieger gezeigt und von kühnen Piloten vorgeflogen; gestartet wurde auf der Strasse zwischen Ibach und Seewen. An Publikum mangelte es zu keiner Zeit – neugierig und wahrscheinlich auch ab und zu argwöhnisch wurde alles betrachtet. Es war die Zeit des Aufbruches – unser Hobby sollte allen zugänglich gemacht werden. →

Den jungen Verein drückten bald andere Sorgen. Ein geeignetes Gelände und willige Landbesitzer waren gesucht. Eine Modellfluggruppe und kein Flugplatz – man könnte meinen: Aktueller kann das Thema gar nicht sein. Ein kämpferischer Obmann gab alles, um mit Gemeindebehörden und Landbesitzer eine Einigung zu erzielen; es scheiterte an einem Grundstückbesitzer. Die Idee, einen Modellflugplatz im Zentrum des Talkessels von Schwyz zu realisieren, sollte erst über 30 Jahre später möglich werden. Klar hatte man da und dort wieder mal einen Flecken Land zur Verfügung, aber eine schöne, grosse, lange Rasenpiste blieb ein Traum. Aus diesem Grund schielte man schon bald über die Kantonsgrenzen hinaus zu den Urnern, tat sich mit diesen zusammen und erhoffte sich, im Urnerland einen Flugplatz zu finden. Um bessere Chancen bei den Behörden zu haben, taufte man den Verein in Modellfluggruppe SZ – UR um. Für das Fliegen stehen unserem Verein heute drei Flugplätze zur Verfügung, auf denen offiziell geflogen werden darf.
Der Herrenschaften im Kanton Uri ist vor allem für Helikopter ausgelegt. Dort üben unsere Piloten, welche national in diversen Sparten um Podestplätze kämpfen. Ein kleines, einladendes Clubhaus rundet das Ganze ab. Nur ist der Zapfhahn zurzeit leider ein wenig eingetrocknet. Sobald es wieder erlaubt ist, geniesst man es, dort gepflegt zu grillieren oder mal Ruggels Fondue zu verkosten. Der Schachenberg/Engelstock oberhalb Schwyz steht seit 1985 als Fluggelände für unseren Verein zur Verfügung und eignet sich für thermischen Segelflug; Modelle bis 5 m Spannweite sind gut start- und landbar. Wer sich traut, der hebt mit seinem Flieger auch mal bei starkem Föhnwind ab! Ein besonderer Anlass ist das jährliche Freundschaftsfliegen mit unseren Zuger- und Müswangener Kollegen. Wenn alles passt, kann man in rekordverdächtige Höhen gelangen oder schnelle Tiefvorbeiflüge machen, welche bei vielen beliebt sind. Für das leibliche Wohl können wir dort ein paar Schritte tun und werden in Karis Beizli von Barbara Suter verwöhnt – legendär: ihre Glace nach einem langen Fltag.
Last but not least: der Flugplatz Wintersried in Ibach. Nach langen Abklärungen und Gesprächen durch die Initianten der Modellfluggruppe mit der Gemeinde, Anstössern sowie Landbesitzern wurde im März 2009 ein Baugesuch eingereicht. Und endlich konnte der lang ersehnte Modellflugplatz im Jahr 2010 offiziell in Betrieb genommen werden. Der Flugplatz weist eine Rasenpiste von ca. 80 m Länge aus; dieser dient der Flächenfliegerei und den Helikopterakrobaten. Auf dem Platz sind nur Elektromodelle zugelassen.
Und im Winter, wäre da nicht Corona, finden wichtige «Gefechtsfliegen» in der Turnhalle statt. Die Piloten, welche nicht aus der Übung geraten wollen, zeigen ihre Künste. Es ist nicht immer ersichtlich, ob gewollt oder einfach gelungen. Eines sei hier verraten – viel Sekundenkleber wird zu dieser Zeit gebraucht. So vergeht ein Jahr nach dem anderen, ein Wettbewerb oder Anlass folgt dem anderen. In der Vorweihnachtszeit rundet das Klauskegeln das Vereinsjahr ab und beginnt sogleich mit dem Neujahrstfliegen von vorne. Langeweile kommt bei uns nie auf!
In diesem Sinne: Holm- und Rippenbruch! ■
Modellfluggruppe SZ – UR,
Roland Betschart


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