Regionen & Vereine

Hunter MK-58 war sein Lieblingsflugzeug

von Georg Staub
4

Im Februar 2011 verstarb Werner «Werni» Wieser im 67. Altersjahr nach schwerer Krankheit. Mit seinem Tod hat sich der Lebenskreis eines allseits sehr geschätzten Menschen und eines Piloten mit beispielhafter Karriere geschlossen.


Bereits in der Primarschule stand für Werni fest, dass er Pilot werden würde. Zusammen mit seinem Vater baute und flog er in der Schulzeit seine ersten Flugmodelle. Die Lehre als Mechaniker auf dem Flugplatz Dübendorf verschaffte ihm den ersten nahen Kontakt zu jenen Militärflugzeugen, die er dereinst selber pilotieren wollte. Seine ersten praktischen Flugerfahrungen machte Werni noch während seiner Berufslehre am Steuerknüppel einer Röhnlerche, Ka-2, S-18 und Ka-8 auf dem Flugfeld Spreitenbach.

Als Zwanzigjähriger startete Werni in der Magadinoebene die klassische Laufbahn als Militärpilot, zunächst im Cockpit verschiedener Bücker-Typen sowie auf P-2 und P-3. Nach der Grundausbildung auf Kolbenmotor-Flugzeugen folgte der Einstieg in die Jetfliegerei. Werni pilotierte zunächst Vampires und Venoms, bis er auf den Hunter Mk-58, sein erklärtes Lieblingsflugzeug, umschulen konnte.


Nach sieben Jahren Militärfliegerei als Berufspilot und Angehöriger des Überwachungsgeschwaders trat Werni im Mai 1969 in die Schweizerische Luftverkehrsschule SLS ein, wo er zum Linienpiloten ausgebildet wurde. Ein Jahr später startete er als First Officer im Cockpit einer DC-9 der Swissair zu seinem ersten Linienflug. In den folgenden Jahren pilotierte Werni verschiedene Typen der DC-9 und DC-10, ab August 1981 als Captain. Nur ein Jahr später wurde Werni auch mit Instruktionsaufgaben betraut. Zudem wurde er in die Beschaffung und Abnahme der Focker 100 und verschiedener Typen der Airbus-Familie und der zugehörigen Simulatoren einbezogen. Er flog dieses Maschinen selber und nahm Simulatorchecks ab. Im August 2000 setzte Werni nach über zehntausend Flug- und Simulatorstunden zu seiner 6300igsten Landung mit einer Swissair-Maschine an und schloss damit nach 30 Jahren seine Karriere als Linienpilot ab.


Trotz dieses starken Engagements in der Zivilfliegerei blieb Werni der Militärfliegerei weiterhin treu. Nebst dem PC-6 flog er bis zum 50. Altersjahr mit Helikoptern der Typen Alouette II und III. In seinem militärischen Flugbuch sind über 4000 Flugstunden und gegen zehntausend Landungen verzeichnet.


Nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus der Swissair war Werni noch während einiger Jahre in mehreren Luftfahrtbetrieben als Fluglehrer und Instruktor tätig, wo seine immense Erfahrung und hohe Kompetenz geschätzt wurden. Während seiner ganzen Berufskarriere blieb Werni begeisterter Modellflieger. Schon in der Pionierzeit Mitte der Siebzigerjahre befasste er sich mit Helikoptern und konzipierte früh einen Elektroantrieb für eine Bell Huey Cobra AH1. Daneben pilotierte Werni zahlreiche Motorflugzeuge und mit grossem Vergnügen auch Segler. Nach seiner Pensionierung engagierte er sich voll in der Jetfliegerei, wobei er von seinen immensen Erfahrungen als Militär- und Linienpilot auf Jets profitierte. Kangaroo, Super Reaper, Mirage III S, Mirage III C und F-16 sowie ein selber konstruiertes Triebwerk entstanden. Viele seiner Hobby-Kollegen, die Werni in seiner perfekt eingerichteten Werkstatt besuchten, bestaunten die Perfektion seiner Jets. Alles war wohldurchdacht, safe gestaltet und auf handwerklich höchstem Niveau ausgeführt, was angesichts von Wernis beruflicher Laufbahn, in welcher Sicherheit und Professionalität oberstes Gebot waren, nicht erstaunt. Leider sind einige seiner Projekte wie Vampire DH-100, F/A-18 C und PC-21 unvollendet geblieben. Ab 2003 unterstützte Werni den bekannten Jet-Piloten Urs Mayländer als Helfer bei Trainingsflügen und Meisterschaften. 2007 begleitete er ihn an die Weltmeisterschaften in Irland, wo Urs Mayländer mit seiner BAE HAWK MK66 Weltmeister in der Baubewertung wurde. Urs Mayländer schätzte es, wie Werni ihm ruhig und mit wenigen Worten entscheidende Vorschlägen für die fliegerische Aufteilung des Programms machte und ihn beim Bau der HAWK mit konstruktiver Kritik unterstützte. Letztmals nahmen die beiden an der Schweizer Meisterschaft 2009 teil, wo Urs Mayländer mit der HAWK i der Bau- und Flugwertung zum zweiten Mal den Meistertitel holte. Leider blieb es diesem Team nicht mehr vergönnt, den Bau ihrer zwei Hunter Mk-58, ein seit Jahren verfolgtes gemeinsames Projekt, fertigzustellen.


Wernis Begeisterung für die Technik und sein allseits geschätztes Fachwissen, das er gerne weitergab, waren indes nur die eine Seite seiner Persönlichkeit. Die andere Seite war seine hohe menschliche Kompetenz. Sie zeigte sich unter anderem in der Wertschätzung, mit welcher er den Menschen begegnete, mit welchen er privat oder beruflich zu tun hatte. Er genoss es ungemein, mit seiner Familie am Gardasee zu windsurfen, mit Kollegen auf dem Hahnenmoos eine Woche lang in alpinem Gelände ausgiebig Segelmodelle zu fliegen und in geselliger Runde bis spät in die Nacht zu fachsimpeln. Mit Stolz erfüllte ihn der erfolgreiche Werdegang seiner beiden Söhne, die vom Flugvirus ebenso infiziert wurden wie ihr Vater.


Da Werni verschiedene Flugsparten pflegte, war er Mitglied in zwei Modellfluggruppen. Bei der MG Erlenbach, deren Mitglied er 1989 wurde, frönte er dem Segelflug. Er präsiidierte diese Gruppe in den Jahren 2000–2009. Die von ihm humorvoll und straff geführten Generalversammlungen sind in bester Erinnerung. Dank seinem offenen, freundlichen Wesen verstand er es, Probleme diplomatisch oder zur rechten Zeit auch einmal mit einem Machtwort zu lösen. Bei der MG Dübendorf war Werni seit 2003 Mitglied. Auf der Hartbe-lagspiste flog er seine Jets und elektrisch betriebenen Kunstflugmaschinen. Während einigen Jahren war er an der jährlichen Börse der MG Dübendorf für die Kasse verantwortlich. Seine Kameraden erlebten Werni als angefressenen, begeisterten und begeisternden Modellflieger, stets hilfsbereit und voller Unternehmungslust.


Werni war es, allein schon aufgrund seiner Funktion als Swissair-Captain, wichtig und gewohnt, stets alles im Griff zu haben. Es muss für eine sehr schmerzliche Erfahrung gewesen sein, dass seine Autonomie im Laufe eines Jahres durch eine schwere Krankheit mehr und mehr eingeschränkt und schliesslich aufgehoben war. Seine Ehefrau Ruth hat ihn mit Unterstützung beider Söhne in den letzten Monaten aufopfernd gepflegt. Es war schliesslich eine Erlösung, als Werni am 20.2.2011 seine letzte Reise antreten durfte. Er wird uns als liebenswürdiger, stets aufgestellter Mensch, als guter, verlässlicher Freund und als kompetenter Flugkamerad in bester Erinnerung bleiben. ■

Georg Staub, MG Erlenbach




Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙