Erfahrungsbericht: Neu ist nur der Motor
NeuMotor ersetzt Benziner in Yak 54 von Extreme Flight
Es war ein sonniger Samstagnachmittag auf dem Flugfeld. Ich muss gestehen, meine Aufmerksamkeit galt mehr der wunderschönen Begleitung meines Fliegerfreundes als meiner Depronkiste. Ich hatte schon viel von ihr gehört, gelesen und gesehen. Mit einer Grösse von knapp 1,9 Meter passt sie problemlos in jeden Kombi und ich hatte schon seit Längerem ein Auge auf sie geworfen.
Weil meine lieb gewonnene Extra 300 von Fliton leider verloren ging, war ich auf der Suche nach Ersatz. Eifersüchtig schaute ich also zu, wie Urs den Benziner seiner Extreme Flight Yak 54 zu starten versuchte. Doch der Motor wollte auch nach knapp einer Stunde intensiver Zuneigung nicht anspringen. Das sollte meine Chance werden, und so kam es, wie es kommen musste. Die Yak flog an diesem Tag nicht in den Himmel, sondern landete nach kurzer Preisverhandlung in meinem Auto. Da stand die Schönheit nun in meinem Bastelkeller. Der Benziner unter der Haube wurde sogleich ausgebaut. Aber was sollte dessen Nachfolge antreten? Elektrisch, das war klar, aber welcher Antrieb? Immerhin müssen in diesem Modell für anständiges 3D-Fliegen mindestens 2,5 kW Elektropower zu Werke gehen. Erfahrung mit so grossen elektrischen Antrieben hatte ich keine. Also war ich auf Hilfe angewiesen, welche mir rasch und kompetent von e-flight geboten wurde. Ich wählte den NeuMotor 1514-F3A mit Reisenauer-Getriebe, welcher genau zu meiner Yak passen sollte. Der erwartete
Schub von ca. 11 kg im Stand mit 10 Lipos in Serie (10S1p) mit einem 22×10-Schwirbel sollte mit dem flugfertig 5,6 kg wiegenden Flieger ein leichtes Spiel haben.

Auf den ersten Blick scheint mir der Motor mit Reisenauer-Getriebe etwas zu klein. Ich bin erstaunt, hatte ich doch etwas Grösseres erwartet. Wird die Power reichen? Um es gleich vorwegzunehmen: Die Power reicht bei Weitem. Ich hatte noch selten ein so übermotorisiertes Modell. Locker dreht er den 2×10-Propeller im Stand mit 6480/min und zieht dabei

mit 75 A an den grossen Akkus. Die kompakte Bauweise hinterlässt einen robusten Eindruck. Die drei Anschlusskabel werden hinten durch Gummitüllen ins Freie geführt. Ebenfalls wurde dem Motor ein Gebläse zur Kühlung spendiert. Im Betrieb stellte ich dann fest, dass das Getriebe wärmer wurde als der Motor selber. Jedoch blieben die Temperaturen immer im gesunden Bereich. Die Antriebswelle läuft vorne in einen Konus und auf diesem sitzt die Gegenscheibe der Propelleraufnahme. Die Propelleraufnahme ist mit ihrer M8-Feingewinde-Aluminiumschraube ebenfalls von guten Eltern und macht deutlich, was für Kräfte hier erwartet werden. Bei einer konischen Kraftübertragung ist die Genauigkeit und Güte der beiden Teile sehr wichtig. Zum einen wird die gesamte Motorleistung über diese kraftschlüssige Verbindung übertragen, und der Propeller darf sich nicht lösen. Auch nach mehreren Flügen hatte sich die Zenterschraube kein bisschen gelöst und brauchte nicht nachgezogen zu werden. Trotzdem finde ich es ratsam, die Propelleraufnahme regelmässig zu kontrollieren.
Bei meiner Yak kam der Regler Phoenix 110-HV von Castle Creation zum Einsatz. Dieser sollte mit einer maximalen Belastbarkeit von 110 Ampere im Dauerbetrieb ausreichend dimensioniert sein. Der Lieferumfang ist bis auf das mitgelieferte USB-Kabel Standard.
Ebenfalls enthalten ist eine ausführliche, in englischer Sprache gedruckte Betriebsanleitung, dazu noch eine CD mit der Standardsoftware für die Programmierung diverser Castle-Creation-Regler. Diese CD wurde von mir gar nicht erst benutzt, sondern gleich von der Hersteller-Website (www.castlecreations.com) die allerneuste Version heruntergeladen und installiert. Zur Programmierung kann der Regler so direkt via USB-Kabel an den Rechner angeschlossen werden, und sämtliche Parameter lassen sich so bequem am Bildschirm einstellen. Wirklich gelungen finde ich die hilfreichen Erklärungen, welche direkt bei jeder Menü-Option zum entsprechenden Einstellwert abrufbar sind. So sind alle Programmiermöglichkeiten auf Anhieb klar verständlich und können ohne zusätzliche Lektüre einer Betriebsanleitung vorgenommen werden. Selbstverständlich lassen sich die meisten Funktionen auch per Fernsteuerung programmieren. Da diese Dada- und Dadi-Piepston-Lösung viel zu kompliziert ist, nehme ich gewisse Einstellungen wie z.B. das Deaktivieren der ab Werk aktivierten Bremse nicht auf dem Flugfeld, sondern erst am Abend am PC vor. Vom Fliegen ist zu berichten, dass der Regler auch im harten 3D-Betrieb niemals mehr als handwarm wurde. Die Handhabung des Reglers ist eigentlich genau dieselbe wie bei einem 15-Ampere-Regler für einen Parkflyer. Dies erstaunt: Bei scharfem Antrieb reicht ein versehentliches Verstellen des Gasknüppels im falschen Moment. Wenn ein Verbrennungsmotor vor sich hin tuckert, registrieren dies alle Anwesenden und verhalten sich dementsprechend. Ein aktivierter Elektroantrieb ist aber nicht von einem deaktivierten zu unterscheiden!
Die neuen Extreme-Power-Evo sollten in der Yak ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis

stellen. Die beiden zu 10s zusammengefassten 5s-Packs mit einer Kapazität von 5000 mAh schienen zuerst vollkommen unterfordert. Sie wollten sich kaum erwärmen und leisteten ihren Beitrag zum kräftigen 3D-Fliegen problemlos und unspektakulär. Ein Freund hat mit denselben Akkus in einem Helikopter bereits 80 Zyklen geflogen, und das ohne irgendwelche Anzeichen von Müdigkeit. Bemerkenswert ist, dass diese Akkus mit bis zu 5C, in meinem Fall also mit 25 Am-
pere, geladen werden können. Das entsprechende Ladeequipment vorausgesetzt, kann mit diesen Energiespendern ohne grosse Flugpausen den ganzen Tag geflogen werden. Das neue ePower X10 lädt das 10s-Pack in nur 40 Minuten randvoll.
Da die Yak möglichst leicht werden sollte, musste vor allem bei der Motoraufnahme Gewicht gespart werden. Der vorhandene Motordom war aber für Verbrennungsmotoren ausgelegt und daher ziemlich unpraktisch für meinen langen Getriebemotor mit Frontmontage. Der vorhandene Motordom wurde kurzerhand abgesägt und durch eine Karbonrohrlösung mit Sperrholzspanten ersetzt. Es ergab sich ein extrem steifer und zugleich leichter Motorträger. Das passende, von e-flight angebotene
Motor-Montage-Set beinhaltet eine zweite Abstützung des Motors im hinteren Bereich. So können Seitenzug und Motorsturz komfortabel am hinteren Stützring eingestellt werden und die Winkelveränderung wird vorne von den vier Gummilagern aufgenommen.
Minuten vor dem ersten Start bemerkte ich eine gewisse Verbindung zu diesem Antrieb. Für uns beide war es ein echter Erstflug. Nicht so für die Yak. Diese wurde in vergangenen Zeiten bereits kräftig vom Benziner durchgerüttelt. Alle vibrationsdämpfenden Filzeinlagen konnten jetzt getrost entfernt werden. Der seidenweich laufende NeuMotor zeigte nun seine Power und beförderte nach gründlichem Reichweitentest die Yak bei etwas mehr als Halbgas in ihr Element. Was

jetzt folgte, war grandios. Die ersten Runden wurden im Bereich Halbgas und darüber geflogen. Da dies ein Erstflug war, wurde die gesamte Konfiguration erst mal auf Schwerpunkt- und Langsamflug-Eigenschaften hin getestet. Der NeuMotor war mit seiner enormen Power jederzeit Herr der Lage und seine aggressive Gasannahme ist überwältigend. Bei guter Kühlung wird er auch im 3D-Einsatz lediglich etwas mehr als handwarm.
Thomas Graf

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