Von komplexen Flugrechnern und gesetzlichen Regeln
Im kalten Februar gab es für die Mitglieder der Region NOS eine sehr spannende Veranstaltung zum Thema FPV und Mikrokopter. Im Zentrum Schluefweg in Kloten trafen sich zahlreiche Modellbauer in einem übervollen Saal, um die drei sehr interessanten Präsentationen mit grossem Interesse zu verfolgen.
Raphael Pirker, vom weltweit bekannten Team Blacksheep, zeigte die Leitideen seines Teams mittels einer multimedialen Powerpoint-Vorführung. Dabei startete er mit einem Ausschnitt aus dem herrlich farbigen Video Bosporus, um dann schrittweise in die FPV-Technik seinesTeams einzuführen. Mittels einer durch sehr spektakuläre Videosequenzen angereicherten Präsentation zeigte er, welche fantastischen Aufnahmen mit den heutigen Videokameras an Bord eines Flugmodells möglich sind.
Das Team Blacksheep verwendet für die Fotoflüge ein speziell entwickeltes, gut motorisiertes Nurflügelmodell aus Schaumstoff. Dieses dient als Kameraplattform. Eine kleine Flugkamera überträgt die Sicht des Flugzeuges via ein hochfrequentes Bildsignal auf die Videobrille des steuernden Piloten. Dieser lenkt das Flugzeug via Fernsteuerung mit dem Gesichtsfeld eines virtuellen Cockpits. Damit kann er viel näher an Objekte wie Häuser oder Felswände fliegen, als es mit einer klassischen Steuerung vom Boden aus möglich wäre. Durch eine spezielle Funktechnik kann die Übertragungsreichweite der Flugsteuerung und des Flugvideosignals stark erhöht werden, sodass sich der Aktionsradius vergrössert oder die Signalstärke auch in unerwarteten Situationen noch zur sicheren Steuerung ausreicht. An Bord des Flugzeuges befindet sich ürigens noch eine

zweite, digitale Kamera (GoPro Technik), um das Flugvideo auf einen mitgeführten Chip in einer hohen Qualität aufzuzeichnen.
Raphael brachte auch ein Original-Kameraflugzeug mit, das jeder Teilnehmer einmal selbst

anfassen und aus der nächsten Nähe betrachten durfte. Dazu beschrieb er die gründlichen Vorbereitungen, welche vor der Aufnahme der aussergewöhnlichen Videobilder zwingend nötig sind, um eine hohe Sicherheit zu gewährleisten. Nach dem Vortrag bildete sich sofort eine Interessentengruppe, die ihn noch intensiv über die eingesetzte Technik befragen konnte.
Martin Wieckhorst informierte über die neusten Entwicklungen auf dem Gebiet der Multikopter. Auch für diese Geräte gibt es einen neuen Trend: Wie beim FPV-Flug dominiert auch in dieser Sparte die Elektronik. Mikrokopter verfügen über mehrere Rotoren, die über einen komplexen Flugrechner einzeln in der Drehzahl angesteuert werden. Auch sie eignen sich hervorragend als Kameraplattform, typischerweise jedoch mit einem wesentlich geringeren Aktionsradius, dafür mit einer sehr viel höheren Traglast. So können auch hochwertige Spiegelreflexkameras transportiert werden. Mikrokopter verfügen über verschiedene eingebaute elektronische Stabilisierungssysteme. Sie sind darum zwar einfacher zu fliegen, jedoch schwieriger einzustellen als
klassische Helis. Zum Abschluss des offiziellen Teils rundete Martin seine Präsentation noch durch eine beeindruckende Indoorflugshow ab.
Peter Krüger hat viele Jahre als Jurist beim BAZL gearbeitet. Er hat sich bis zu seiner kürzlich erfolgten Pensionierung auch intensiv mit dem Thema Drohnen auseinandergesetzt. Aus Sicht der Luftfahrtgesetzgebung gehören beide vorangehend behandelten Sparten dazu. Er zeigte die gesetzlichen Regelungen anhand der recht gut verständlich formulierten Paragrafen auf. Dazu lieferte er viele nützliche Beispiele für die praktische Umsetzung. Nach seiner Sicht ist der Betrieb von Drohnen in

der Schweiz noch sehr liberal geregelt. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sind die Betreiber solcher drohnenartiger Flugobjekte aufgerufen, diese mit Vernunft und Rücksichtnahme auf andere Menschen und Tiere zu betreiben.
Ingesamt boten alle drei Referate sehr viel spannende Informationen aus der neusten Praxis. So war es auch kein Wunder, dass der Platz im Raum nicht ausreichte und im benachbarten Konferenzraum noch weitere Stühle ausborgt werden mussten. Schön war auch, dass zu einem doch sehr komplexen Thema Zuhörer im Alter von unter 10 Jahren bis zu über 75 Jahren kamen. Am Ende des offiziellen Teils bildete sich um jeden der Referenten eine eigene Diskussionsgruppe, in der noch sehr viel mehr Informationen ausgetauscht werden konnten. Die letzte dieser drei Gruppen verliess den Saal knapp 1,5 Stunden nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung.
Wie aus dem Namen (übersetzt: schwarzes Schaf) schon zu erkennen, provozierte dieses Team in der Vergangenheit mittels
spektakulärer FPV-Aufnahmen die Öffentlichkeit. In Modellflugkreisen entstand bald einmal eine sehr kontroverse Diskussion über Sinn und Legalität solcher Aktivitäten. Die Mitglieder des Teams vertreten dabei einen ziemlich offensiven Ansatz, der bei vielen klassischen Modellfliegern in Europa auf ein tiefes Missfallen stösst. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Aufgrund der erhaltenen Angaben hat das Team bis jetzt, technisch gesehen, sehr professionell gearbeitet. Die Flüge wurden mittels zahlreicher aufwendiger Funkmessungen sorgfältig vorbereitet und dabei allfällige Risiken so weit als möglich minimiert. Das Material wurde von einem sehr fachkundigen Team entwickelt und vor dem Einsatz systematisch verifiziert. Personen kamen bei den sehr gewagt erscheinenden Aufnahmen bis jetzt nie zu Schaden. Ob es nun vernünftig ist, diese Art von FPV-Flug selbst so aufsehenerregend zu betreiben, muss jede Person für sich allein entscheiden. Allerdings wäre es sehr bedauerlich, wenn weniger verantwortungsvolle Nachahmer durch publizitätsträchtige Unfälle den guten Ruf des Modellfluges aufs Spiel setzen würden.
Text und Fotos: Hermann Mettler

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