Aussergewöhnliche Flugzeuge
Otto Widlroither und Hans Kolm sind regelmässig am Flugtag in Hausen anzutreffen. Damit gäbe es noch keinen Grund für eine Erwähnung im vorliegenden Bericht. Doch im letzten Jahr hatte Otto im Gegensatz zu der früher schon vorgeflogenen und im Programm aufgeführten Turner W4X Bee Gee ein ganz besonderes Rennflugzeug mitgebracht.
Das Original davon war zwei Wochen früher in Reno (USA) an einem National Air Race auf tragische Weise verunglückt. Neun Menschen, darunter auch der bekannte Pilot Jimmy Leeward, verloren dabei ihr Leben. Die Entstehungsgeschichte des Originals und auch jene des Modells weisen mehrere verblüffende Ähnlichkeiten auf. Ursprünglich einmal als klassische Mustang P51 gebaut,
gelangten beide Flugzeuge nach einem längeren aktiven Flugbetrieb zunächst einmal in einen Abstellhangar zwecks Einlagerung für eine spätere, ungewisse Zukunft.
Irgendwann beschlossen dann die jeweiligen Besitzer, das eingemottete Flugzeug zu einem reinrassigen Rennflugzeug umzubauen. Dazu wurden die beiden Tragflächen an ihren Enden jeweils um insgesamt etwa 10% der ursprünglichen Spannweite gekürzt, wobei beim Modell diese Reduktion etwas geringer ausfallen musste als beim Original. Dies zur Erhaltung der benötigten Flugeigenschaften. Als weitere Massnahme zur erheblichen Reduktion des Luftwiderstandes wurde der unverkennbare Ölkühler unter dem Rumpf völlig entfernt und die rundherum verglaste Cockpithaube massiv

verkleinert. Beim Vorbild wurde zudem die Motorleistung von starken 2000 auf extreme 4000 PS verdoppelt, was zu einer erheblichen Steigerung der ohnehin schon hohen Fluggeschwindigkeit führte.
Auch das Modell wurde in einer ähnlichen Art aufgerüstet. Es erhielt statt dem ausreichenden 90-ccm-Motor nun einen von Hans Kolm soeben neu entwickelten, sehr leistungsfähigen 3-Zylinder-Reihenmotor mit 200 ccm Hubraum und
kräftigen 16 PS Leistung. So waren zwei neue Rennflugzeuge geboren, die beide ein sehr ähnliches Ziel verfolgten. Nämlich den Zuschauern eine wirklich spektakuläre Show zu bieten. Jimmy Leeward gewann damit im Jahr 2010 in Minden, Nevada, das bekannte Silver Race. Seine Mustang erreichte dort Geschwindigkeiten um 800 km/h pro Stunde. Auch das Modell erfuhr durch den sehr kräftigen Motor eine massive Steigerung der maximalen

Fluggeschwindigkeit. Es erreichte bei einer Messung im August 2011 den für einen Propellerantrieb sehr hohen Wert von 255 km/h.
Doch damit noch nicht genug. Der von Hans Kolm Engines entwickelte und gefertigte Motor verfügt noch über eine weitere aussergewöhnliche Eigenschaft. Um die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer während einer Flugshow auf
sich zu lenken, gibt das Modell einen dem Original verblüffend ähnlich tönenden, kernig klingenden Motorensound von sich. Dieser kommt dank der drei offenen, trompetenförmigen Flammrohre am Motorblock zustande. Auf einen Schalldämpfer wurde dabei bewusst verzichtet. Gemäss Otto könnte ein solcher zwar noch eingebaut werden. Und dies, obwohl der Motor den dafür vorgesehenen Raum schon jetzt bis auf den letzten
Millimeter ausnutzt. Doch damit würde der in diesem Fall ausdrücklich erwünschte hohe Schallpegel reduziert und der sehr prägnante Klang zum Bedauern mancher Zuschauer unnötig abgeschwächt.
Das Modell selbst ist im Massstab 1:4,5 ziemlich vorbildgetreu gebaut. Einige minimale Kompromisse mussten bei der Länge der Tragflächen, dem Lufteinlass in der Motorhaube
und anderen kleineren Details gemacht werden. Dafür konnte der im Licht der Sonne stark spiegelnde Rumpf mit einer sehr robusten Folie aus der Fahrzeugbeschriftungstechnik originalgerecht nachgebildet werden. Diese Folie ist ein unverwechselbares Markenzeichen an Ottos Rennflugzeugen. Sie hat mit ihrem hohen Reflexionsvermögen schon manchen Fotografen in die Ver zweiflung getrieben.
Gemäss den Angaben des Besitzers ist das Modell in der Luft recht einfach zu steuern. Es will jedoch gerne mit einer relativ hohen Geschwindigkeit gelandet werden. Dabei muss sehr genau auf das gleichzeitige Aussetzen des Zweibeinfahrwerkes geachtet werden. Sonst besteht die Gefahr des seitlichen Ausbrechens. An einer typischen Flugshow wird der Motor praktisch während sechs Minuten mit Vollgas geflogen. So auch im Sturzflug aus einem Looping. Manchmal reduziert Otto in diesem Moment absichtlich das Gas sehr abrupt und fliegt zugleich noch eine 90°-Kurve von den Zuschauern weg. Damit bringt er noch ein zusätzliches Überraschungsmoment in die ohnehin schon sehr attraktive Vorführung. Mit einem vermuteten Motorfehler hat diese Einlage jedoch gar nichts zu tun. Sie sorgt einfach für noch etwas mehr Spannung unter den Zuschauern und regt dabei vielleicht auch ein wenig die Fantasie für die später folgenden Stammtischgespräche an. Tiefe, schnelle Überflüge gehören ebenfalls zur Show. Dafür sind in den Flächen noch je zwei 30-Watt-Halogenlampen aus dem Baumarkt eingebaut. Sie strahlen sehr hell und sind sogar bei starkem Gegenlicht noch deutlich zu erkennen. Bei schwierigen Sichtverhältnissen erleichtern sie die Positionsbestimmung und dienen zugleich auch noch als Landescheinwerfer bei schwachem Licht. Nachdem die echte Mustang auf-

grund des tragischen Absturzes in Reno nicht mehr existiert, lebt nun deren Form und Geist in diesem wunderschönen Modell weiter. Und es bleibt im Interesse der vielen davon begeisterten Zuschauer zu hoffen, dass dieses Modell nicht so
schnell dem Schicksal seines Vorbildes folgen wird und damit noch an vielen weiteren nationalen und internationalen Flugveranstaltungen bewundert werden kann.
Text und Bild:
Hermann Mettler
| Spannweite: | 2,35 m; Gewicht 21,5 kg |
| Antrieb/Motor: | Reihenmotor Kolm Engines IL 200, 3 Zylinder / 4 Takt mit 200 ccm Hubraum; 16 PS Leistung; elektronische Zündung an einem 2-Blatt-Propeller 34 × 14" |
| Motorkühlung: | Lufteinlass unter dem Spinner mit Querbelüftung durch den Motorblock |
Die Umbauzeit des schon vorhandenen Modells beanspruchte ca. 300 Stunden im letzten Winter. Im März 2011 erfolgte die Fertigstellung. Der Motor ist derzeit noch ein Prototyp. Bald soll er jedoch auch in Serie gefertigt werden.

DIE PC-21-STORY

Neuigkeiten von HEBU

WEISCH, WASI MEINE? 125 JAHRE AERO CLUB DER SCHWEIZ

STOLZ UND GUTE IDEEN

ATOM, DER NEUE DOPPELDECKER VON CPLR

CORSAIR F4U – EIN WARBIRD MIT EINPRÄGSAMER OPTIK

52. COUPE DES ALPES 2026

HORIZON HOBBY/LEMACO NEWS:MICRO OV-10 BRONCO 645 MM VON E-FLITE

EURO CONTEST GLIDER ACRO TOUR ÖSTERREICH 2026

EUROPAMEISTERSCHAFTEN F3A IN ST-MACAIRE, FRANKREICH

VON DER JUGEND FÜR DIE JUGEND

TEAMMANAGER «THIS» BOSSHARD

EINBLICKE IN DIE WASSERFLUGGESCHICHTE

WILLKOMMEN, NEUES MITGLIED!

Neuigkeiten bei Leomotion.com

STADTPARTNERSCHAFT

FERIENPLAUSCH 2026 BEI DER MG USTER

FREIFLUG IM HOCHSOMMER

KLEINE VORBILDÄHNLICHE SEGLER

34. ALPINES MODELLFLUGLAGER HAHNENMOOS

SCHNUPPERTAG BEIM MFV WETTINGEN

COUPE DES ALPES – BEOBACHTEN UND LERNEN

REGION NOS – EIN ZENTRUM DES ELEKTROFLUGS

VON 0 AUF 100

NEUIGKEITEN VON HEBU

ERINNERUNGEN

WEISCH, WAS I MEINE? IM LAND DES LÄCHELNS
