Fesselflug auf Chinesisch – oder ein ganz spezieller Punktrichterkurs
Peter German ist seit Jahrzehnten Fesselflieger mit Herz und Seele. In seiner Spezialdisziplin, dem Fesselflug Akro, ist er ein weltweit anerkannter Kenner und Könner. Nicht von ungefähr wurde er deshalb im letzten Herbst von der «Aero Sports Federation of China» (ASFC) eingeladen, an der «Henan Province Air Sports School» in Zhengzhou Punktrichter, Piloten und Coaches mit der Bewertung von Fesselflug-Akrobatik-Flügen vertraut zu machen. Was er dabei erlebte, lässt einen nur staunen.
Das Abenteuer dauerte vom 6. bis zum 11. November 2018. Nach einer langen Reise von fast 24 Stunden wurde Peter von einer chinesischen Delegation auf dem Grossflughafen der Industriestadt Zhengzhou offiziell und mit allen Ehren empfangen. Zhengzhou ist eine Stadt mit 8,5 Mio. Einwohnern und liegt 600 km südlich von Peking. Ab diesem Zeitpunkt wurde Peter von einem 3-Personen-Care-Team während seinem ganzen Aufenthalt äusserst aufmerksam und sehr respektvoll umsorgt.
Die «Henan Province Air Sports School» ist eine staatliche Einrichtung und bildet Fallschirmspringer, Flächen- und Helipiloten, Modellflieger und Wartungstechniker aus. Für sie alle stehen hochmoderne Anlagen und Instrumente sowie modernste Schulungsräume

zur Verfügung. So trainieren zum Beispiel die Fesselflieger auf einem eigenen, perfekten 70-m-Hartbelag-Kreis, und für den Betrieb von R/C-Modellen gibt es optimale Pisten und beliebig Platz. Das Beste aber ist: Alle Auszubildenden und Lehrer/Trainer sind vollamtliche Profis, vom Staat finanziert. Voller Stolz präsentierten die Chinesen ihr vorbildliches Ausbildungszentrum und beeindruckten mit den spektakulären Flugdemonstrationen. Speziell faszinierend waren für Peter natürlich die Fesselflug-Akro-Vorführungen. Dabei wurde er gebeten, nach jedem Flug die Manöver zu kommentieren und die Benotungen zu begründen. Doch gerade das war ein Problem. Denn die Flugfiguren, welche die chinesischen Meister mit ihren e-Sharks in die Luft zeichneten,

waren nahezu perfekt und gaben kaum Anlass zu einer Kritik. Somit fiel das De-Briefing jeweils relativ kurz aus. Trotzdem waren aber alle Beteiligten sichtlich zufrieden.
Doch Peter war eigentlich nach China gereist, um eine Punktrichter-Schulung durchzuführen. Zu diesem Zweck hatte er eine umfangreiche, für zwei Tage konzipierte Schulungspräsentation erstellt. Nach all den verschiedenen Besichtigungen, Flugvorführungen, gemeinsamen Essen und Ausflügen sowie diversen Ehrungen blieb aber am Ende gerade noch Zeit für eine zweistündige Schulungssequenz. In Anbetracht des hohen Wissensstandes aller Teilnehmer war das zu verantworten. Denn unter den etwa 30 Teilnehmern waren diverse Akro-Weltmeister und bestens ausgebildete,
erfahrene nationale Punktrichter. Beeindruckend war, dass die hochqualifizierten Teilnehmer ganz still und höchst aufmerksam Peters Ausführungen zuhörten und alles Gesagte sorgfältig dokumentierten. Die anschliessende, offene Diskussion war dann streckenweise doch eine Herausforderung – speziell für den Dolmetscher. Peter kam nach einer Woche China ziemlich erschöpft wieder nach Hause. Das Erlebnis war für ihn jedoch einmalig. Fasziniert hatten ihn vor allem die chinesische Herzlichkeit, Korrektheit, Bescheidenheit und der unermüdliche Willen, immer sein Bestes zu geben – kurz: die chinesische Professionalität. Noch ein Nachtrag zur Technik: Die Profi-Mitglieder der Chinesischen F2B-Nationalmannschaft fliegen seit 2016 drei elektrische Original Sharks diese

ser Konfiguration (siehe Tabelle rechts).
Zurzeit entwickeln die Chinesen eine eigene Konstruktion für die Teilnahme an der WM 2020. Sie haben Peter um die Pläne des «My Way» gebeten und diese unterdessen erhalten.
*Ursi Borer*
| Gewicht: | 1800 g |
| Motor: | Dualsky modifiziert |
| Regler: | Jeti |
| Timer: | Burger |
| Batterie: | 5S, Sonderanfertigung (ca. 300 g) |
| Propeller: | 3-Blatt carbon 1 × 6 (14 g), Tractor, Sonderanfertigung |
| Leinen: | 20 m |
| Geschwindigkeit: | 5,2-Sekunden-Runde |
| Kommentar: | «Very difficult to fly» |


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