Rückblick auf die F5J-Saison 2022, Meine Analyse und Folgerung
Die Schweizer Meisterschaften der F5J-Saison waren dieses Jahr relativ früh angesetzt. Am 22. Mai versammelten sich die F5J-Cracks aus der ganzen Schweiz in Nods FR auf dem Gelände des AirCChasseral. Bei besten Bedingungen, was sowohl das Wetter als auch das Fluggelände anbelangt, konnten die 6 Qualifikationsdurchgänge und die drei Fly-offs durchgeführt werden. Den Bericht dazu gab's ja schon im MFS 4-2022. Die Detailresultate sowie Statistiken zu den Starthöhen und Landepunkten sind auf der Homepage des SMV unter Resultate zu finden. Danach gab's für Nationalmannschaftspiloten und F5J-Freaks keine grossen Verschnaufpausen mehr.
Das Hauptereignis waren natürlich die Europameisterschaften für Junioren und Senioren. Ergebnisse siehe oben.
Was können wir verbessern, um unseren Piloten noch bessere Chancen zu geben im internationalen Vergleich. Was kann ein ambitionierter Pilot machen, um seine Erfolgschance zu erhöhen?
- Einzeltraining auf dem heimischen Flugplatz hat seine Grenzen: Man kann zwar Landungen trainieren und verschiedene Trimmstellungen erfliegen und testen. Dies macht einen aber noch nicht automatisch zu einem erfolgreichen Piloten. Auf der anderen Seite muss man (neidlos) anerkennen, dass praktisch in jedem Fly-off die Konkurrenten fast ausnahms-

los 50er-Landungen machen... Ergo: Trainiert wie die Wilden, bis ihr nur noch 45er- und 50er-Landungen bei jedem Wetter erzielt!
- Das richtige Material: In jedem Fly-off sieht man eine grosse Palette von verschiedenen Modellen und keines sticht offensichtlich aus der Masse heraus. Der beste Flieger ist aber immer noch der, den man blind beherrscht und bei welchem man die nötigen Korrekturen erahnen kann, bevor sich der Flügel oder die Rumpfnase neigt. Lerne DEINEN Flieger kennen.
- Tiefe Ausgangshöhe: Da liegt der Hase im Pfeffer. Wie hoch
soll man abschalten, wie mutig sein, welchem Gruppchen folgen? Wenn alle im gleichen Sektor fliegen, was leider in den letzten Jahren auf typisch schweizerischen Modellflugplätzen nicht anders möglich war, dann braucht es kein besonderes Gespür für die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten, um zu erahnen, wo die nächste Thermik abgeht. Man fliegt im Pulk, steigt etwas weniger hoch als die grosse Masse und macht mit sauberem Fliegen die Differenz. An internationalen Wettbewerben im Ausland sieht dies meistens ganz anders aus und bald sind nach dem Start die Flieger in
alle Himmelsrichtungen verteilt. Wohin nun, wem folgen? Um das Gespür zu entwickeln, braucht es einen Vergleich. Zusammen mit anderen Piloten fliegen im Training als auch an verschiedenen Wettbewerben. Vor dem Flug sich eine Taktik zurechtlegen. Das Gelände studieren. Gegensätze in der Oberflächenbeschaffenheit erkennen, Windrichtungen beobachten, sich einen Plan A und einen Plan B zurechtlegen (wenn der Schlauch nicht oder nicht mehr dort ist, wo man ihn erwartet). Um wenn man IHN (den Schlauch) dann findet: drin bleiben...
Mir hat ein erfahrener Pilot mal gesagt: «Halte den Flieger im Schlauch, auch wenn es nicht schön aussieht!», oder anders gesagt: Manchmal ist Thermikkreisen kein Zuckerschlecken! Es gibt Piloten, denen gelingt scheinbar einfach alles. Da kann man neidisch zuschauen. Es gibt aber auch Möglichkeiten, die eigenen Schwächen zu erkennen und dann gezielt zu verbessern. Da hilft es, wenn die Detailresultate (Zeiten, Starthöhen und Landepunkte) von den Wettbewerben zur Verfügung stehen und auch analysiert werden. Eine Statistik kann manchmal eine unerkannte Schwäche aufdecken helfen.
Diese Informationen werden häufig vom Veranstalter aufgehängt, sind meist auch in Gliderscore abrufbar oder können, wie im Falle der SM 2022, auf der Seite der FAKO abgerufen werden.
Marco Cantoni
Nach mehr als zwei Jahren Unterbruch wegen Corona war dies der erste grosse internationale Anlass. Dabei war die Schweizer Nationalmannschaft mit drei Senioren und einem Junior. Der 16-jährige Alain Schad aus Mühlau von der Mo-
dellfluggruppe Affoltern a. Albis (MGAF) hat als einziger Schweizer Junior dabei den SMV vertreten.
Um sich optimal auf die Europameisterschaft vorzubereiten, hat man noch an einem Wettkampf, dem Tisza Cup, teilge-
nommen. Dieser hat am Freitag und Samstag stattgefunden, dabei konnte man sich an die Umgebung und die klimatischen Verhältnisse gewöhnen. Temperaturen um 40 °Celsius machte allen zu schaffen. Als bester Schweizer klassierte sich
Alain Schad im 50. Rang von 112 Piloten und als neuntbester Junior in der Gesamt-rangliste (Junioren und Senioren wurden gemäss FAI-World-Cup-Regeln zusammen gewertet).
Am Montag musste Alain bei sehr schwierigen Bedingungen

in die Luft. Leider hatte er bei einem Flug eine Aussenlandung und so wertvolle Punkte verloren. Am Ende des Tages nahm er die Resultate gelassen und zeigte keine Enttäuschung. Der Wettkampf dauert noch bis Freitag. In den darauffolgenden Tagen fliegt Alain gute Resultate und verbessert sich laufend in der Rangliste bis auf den 14. Platz.
Ein Platz unter den ersten 10 war in die Ferne gerückt, aber Aufgeben war kein Thema. Alain hat sich schliesslich auf dem 14. Rang bei 24 Juniorinnen und Junioren platziert. In der Teamwertung belegte Alain den 8. Rang von 12 Teams. Der junge Modellflugsportler konnte mit den besten Junioren Europas mithalten. Zufrieden mit seiner Leistung und sei-
nem gesetzten Ziel, sich im Mittelfeld zu klassieren, trat man die Heimreise mit einem Sack voller Erfahrungen mehr an. Dem jungen Modellflugsportler wünschen wir weiterhin viel Erfolg.
*René Schad*

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