Editorial

Schaumflieger – Chancen und Gefahren

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser

Vor einiger Zeit hatte ich im Rahmen einer Delegiertenversammlung des AeCS über neuere Entwicklungen im Modellflug berichtet und unter anderem die Frage gestellt, ob Modellflieger, die eine komplette Ausrüstung ab Ladentisch oder Internetshop billiger erstehe können, als die Jahresbeiträge für Gruppen und Verbände ausmachen, auch in Zukunft gewillt sein werden, unserer Organisation beizutreten. Nun, wir Menschen können uns gar nicht rühmen, vorausschauend zu sein. Ich meine nicht die viel diskutierten Zukunftsvisionen oder sogar Forschung darüber. Viel einfacher: Nehmen wir zum Beispiel die Gummiflieger – im Norden auch Schaumwaffeln genannt –, sie werden in unse-

ren verschiedenen Verbands-gremien immer wieder als Chance für den Modellflug gesehen. Ich selber sehe das nicht so positiv, dies selbstverständlich bei vollem Bewusstsein, dass dieser Trend auch Vorteile hat. Nennen wir zum Beispiel die Vorteile für den Einsteiger – manchmal habe ich zwar das Gefühl, dass es sich fast mehr um Aussteiger handle –, die für wenig Geld ein ferngesteuertes Flugzeug erstehe können, das kaum kaputt geht und, falls trotzdem, auch eine unfachmännische und ziemlich rustikale Reparatur kaum übel nimmt. Ich sehe hier durchaus eine Chance für den Modellflug.

Andererseits sehe ich, wie unsere «Schaumstoff»-Kollegen überall neue «Fluggelände» betreiben. Bald an jeder Ecke stehen Autos mit offenem Kof-

ferraum, Modelle in der Luft und auch am Boden. Für sie ist kein ausgebauter Flugplatz nötig. Sie fliegen ab jeder Wiese und jedem Feldweg. Heute da, und morgen dort. Es wird kein leichtes Unterfangen sein, diese Leute für den Beitritt in eine Modellfluggruppe zu gewinnen. Erstens müssten sie sich an Regeln halten, zweitens jährliche Beiträge entrichten, die wie erwähnt höher sind, als so ein Gummiflieger samt Steuerung in der Regel kostet, und drittens sogar Arbeitseinsätze leisten.

Welche Schlussfolgerung ziehe ich aus dieser Entwicklung? So genannte Chancen für den Modellflug müssen nicht unbedingt auch Chancen für unsere Organisationen sein. Was interessieren diese auf irgendeiner Wiese fliegenden Kollegen die Luftraumbeschränkungen und Sicherheitsvorschriften der

Leichtaviatik? Sie werden nicht bereit sein, das diesbezügliche politische Lobbying unserer Verbände mitzutragen bzw. mitzufinanzieren. Ich meine, dass wir uns dieser Fragen dringend annehmen müssen. Die «McDonaldisierung» des Modellflugs bringt uns ausserdem die zweifelhafte Errungenschaft des Wegwerfens und den damit einhergehenden Verlust an Ernsthaftigkeit. Trotzdem will ich betonen, dass Modellfliegen nicht unbedingt teuer sein muss. In der von unseren Vereinen getragenen Jugendförderung und Flugschulung sind Schaumstoffmodelle längst etabliert. Dies löst zwar die genannten Probleme nicht, mag uns aber einigermaßen mit der Situation versöhnen.

Viel Glück und freundliche
Grüsse
Emil Ch. Giezendanner



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