Titelstory

Erfolgreiche Scale-Weltmeisterschaften in Norwegen

von Andreas Lüthi
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Veranstalter/Bedingungen

In Meiringen (2018) fanden die letzten Weltmeisterschaften in der Sparte «Scale» statt. Aus Pandemiegründen wurde die WM 2020 um zwei Jahre auf 22.–30.8.2022 verschoben. Der Veranstalter aus Norwegen musste in der langen Wartezeit nicht nur organisatorisch zusätzlichen Aufwand betreiben, sondern auch das ursprüngliche Wettkampf- und Rahmenprogramm wegen finanzieller Engpässe ändern und abspecken; einige Sponsoren gerieten in Schieflage und zogen ihre Unterstützung zurück.

Zwei Startstellen, eine für F4C und eine andere für F4H, waren ursprünglich vorgesehen, aber beide Sparten flogen dann auf der gleichen Piste.

Unter den eingesparten Punktrichtern war auch unser Schweizer Vertreter, Heinz Schär. Die Schweiz als starke Scale-Nation ohne Punktrichter! Dies gab im Vorfeld zu reden und war sicher kein Vorteil.

Der Sportflugplatz in Jarlsberg präsentierte sich als idealer Ort.

Die Infrastruktur erfüllte die Anforderungen.

Das anfänglich garstige Wetter wich sonneren Tagen mit meistens viel Wind bei Temperaturen zwischen 16 bis 21 Grad.

In beiden Sparten konnten drei Durchgänge geflogen werden, wie üblich.


Der Wettkampf

Eine echte Herausforderung, um überhaupt am Wettkampf mitfliegen zu können, war die 1900 km lange Anreise.



Mit Wohnmobil, Bus und Flieger schafften es alle, mit ihren unbeschädigten Modellen pünktlich am Start zu sein.

Auch der offizielle Testflug verlief für alle Piloten ohne nachträgliche Reparaturarbeiten. Wir waren bereit!

Bei gemeinsamen Nachtessen stärkten wir unsere Moral und den Teamgeist, sei es auf dem Flugplatz oder im zehn Minuten entfernten Tonsberg (Ort des Hotels der Nichtcamper, halbes Team).


68 Teilnehmer am Start

Nach der Eröffnungsfeier am Samstag mit Imbiss auf dem Flugfeld begannen die Bewertungen am Sonntag. Für alle Piloten stand zuerst die Baubewertung an, welche im F4C oft länger als eine Stunde dauerte. Für Reto Senn und mich war dies ein spezieller Auftritt, waren doch unsere Modelle neu und erstmals am Start.

Gody Fischers Pilatus Porter startete erstmals an einer Weltmeisterschaft in der «scharfen Klasse».

Die Klasse F4H begann am Sonntagmittag mit dem ersten Flugdurchgang bei windigen, aber sonnigen Verhältnissen.

Am Montag wurden die Flüge des ersten Durchganges wegen schlechten Wetters immer wieder unterbrochen. Da nur eine Startstelle zur Verfügung stand und gleichwohl drei Durchgänge für alle 68 Teilnehmer geplant waren, machte der Veranstalter Druck, um den ersten Flug für alle F4H-Piloten abzuschliessen. Die Verhältnisse waren noch reglementskonform, aber sehr grenzwertig, sodass drei Piloten auf den Start verzichteten. Max Schilt gehörte dazu, was den Druck auf ihn erhöhte, da er den Streicher schon vergeben hatte.

Der Entscheid war aber, wie sich im Nachhinein zeigte, richtig und ohne negative Folgen.



Hochs und Tiefs

Als am Mittwoch die Punkte der Baubewertung ausgehängt wurden, nahmen die Konturen eines möglichen Erfolges Formen an.

Für mich war es die Rekordpunktzahl aller Weltmeisterschaften, und dies mit dem neuen Flieger. Auch Reto und Gody punkteten stark.

Im F4H schafften Markus Günther und Max Schilt etwa die erwarteten Punkte. Urs Brand hingegen war enttäuscht und seine tiefe Bewertung konnte im Team niemand nachvollziehen.

Im Gespräch mit den Punktrichtern erhielten Steve Henzen und Urs ein paar Erklärungen, welche nur teilweise befriedigten; geändert wurde nichts. Aufmunternde Worte waren nötig, um die
Motivation für die ausstehenden Flüge zu stärken; auch wenn das Einzelresultat für Urs in den Hintergrund rückte, war sein Engagement für die Teamwertung wichtig.

Hochs und Tiefs in der Gefühlswelt eines Piloten während einer Wettbewerbswoche gehören zum Wettkampf, wer sie am besten wegsteckt, gehört eher zu den Gewinnern.

Auch Reto musste im ersten Flug eine Enttäuschung verkraften, als bei der Landung ein Fahrwerksbein einklappte und dadurch die so wichtigen Landepunkte stark reduziert wurden.

In der Regel blies der Wind in der Pistenachse, bei meinen Flügen leider quer.

Wir konnten alle zwei gute Flüge zeigen; dabei war die Unterstützung unserer Flughelfer/in wichtig und mitentscheidend.

Martin Lüthi zeigte einen Grosseinsatz und führte dabei mehrere Piloten durchs
Flugprogramm. Auch meine Frau Therese hat ihren Ersteinsatz an einer WM als Copilotin fehlerfrei erfüllt!

Für Spannung war gesorgt. Die Podestplätze waren bis zum Schluss offen. Markus Günther lag zwischenzeitlich auf dem 2. Rang im F4H. Ich kämpfte mich von Platz 3 langsam nach vorne.

Im Team in der F4C-Klasse sicherten wir unseren Sieg erst am Samstag mit den Finalflügen. Auch der zweite Teamplatz im F4H war lange nicht klar und eine schöne Belohnung.



Zum Schluss

Unsere Ziele in der Teamwertung haben wir sicher mehr als erreicht!

Meine Einzelgoldmedaille habe ich nicht erwartet; ein Podestplatz war aber schon mein Ziel; umso mehr freut mich der Erfolg!

Die beiden vierten Plätze von Reto und Markus sind zwar neben dem Podest, aber aus sportlicher Sicht tolle Leistungen!

Im Fokus steht natürlich der sportliche Erfolg; den haben wir aus unserer Sicht geliefert!

Das Rahmenprogramm sorgte für eine gute Stimmung.

Die «Nation Night» war nationenverbindend; jedes Land sorgte für einen typischen kulinarischen Höhenflug (Schweiz? – Käse und Schokolade; was sonst!).

Das Schlussbankett fand für einmal nicht in einer vornehmen städtischen Lokalität statt, sondern mit Band und Siegerehrung in sportlicherer Kleidung im Festzelt auf dem Flugplatz.


Anerkennung/Dank

Eine besondere Anerkennung gehört unserem ältesten Teammitglied, Gody Fischer; er gewinnt mit über 80 Jahren eine Team-Goldmedaille.

Bravo, Gody! – Du meinstest vor der Heimreise, dies sei wohl der letzte Auftritt an einer WM gewesen. Das hast du schon bei der vorletzten WM gesagt ... Darum freuen wir uns auf den nächsten Auftritt zusammen mit dir; voraussichtlich 2024 in Rumänien.

Ein grosses Dankeschön geht an unsere Teammanager Thomas Günther und Steve Henzen; sie haben vor und wäh-

rend der WM viel geleistet und uns Piloten sehr unterstützt.

Unsere Frauen und Partnerinnen fiebern mit, sorgten für unser leibliches Wohl und eine gute Moral im Team.

Ein grosses Dankeschön geht auch an den SMV, der die Bemühungen unseres Fako-Präsidenten, Reto Senn, für ein einheitliches, zweckmässiges, sportliches und schönes Outfit unterstützte; herzlichen Dank!

Ranglisten:
Scale-Weltmeisterschaften 2022 (modellflug.ch)




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