Editorial

Viele Wege zum Glück

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser

Seit mehr als 30 Jahren habe ich mich mit Elektroflug befasst. Zuerst aus Experimentierlust, später als überzeugter Förderer und heute als Geniesser der für einen ehemaligen Methanol-Jünger pflegeleichten Antriebsmöglichkeit. Bereits 1996 hatte ich in dieser Zeitschrift über die grosse Zukunft der Lithium-Polymer-Akkus berichtet. Keine einzige andere deutschsprachige Fachzeitschrift war damals so weit. Seit einigen Jahren mussten auch die Lacher einsehen, dass der Elektroantrieb viele seiner Nachteile nicht ganz abgestreift, aber doch gewaltig gemildert hat, wenn ich z.B. ans Batteriegewicht bzw. an die Energiedichte denke. Nun beginnen sich die Schattenseiten nicht der Technologie an sich abzuzeichnen, sondern der damit umzugehen Menschen, indem der Elektroantrieb – z.B. im Kunstflug – als einzig zukunftsweisend dargestellt wird. Wer sich mit Technik befasst, sollte wissen, dass ganz verschiedene Lösungen zum selben Ziel führen können. Liebe «Ampèreverbräter», im Modellflug ist das nicht anders und wir müssen anerkennen, dass weder die Verbrennungsmotoren noch die Gasturbinen Entwicklungsmässig stehen bleiben.

Nachdem sogar der Flughafen Kloten nicht mehr «Unique» ist oder heisst, sondern ein ganz gewöhnlicher Flughafen, können wir's zugeben, dass der RC-Modellflug nicht der Einzige ist, sondern, dass auch Freiflug und Kreisflug – beides übrigens auch indoor – international durchaus existieren, und wie! Freuen wir uns doch an der Vielfalt des Modellfliegens. Weder dem reinen Segelfliegen – Motoren sind pfui – noch dem Nachvollziehen präziser Kunstflugfiguren gehört die alleinige Daseinsberechtigung. Da werden einzelne Beschäftigungen mit Modellflug verteufelt, bloss um die eigenen Vorlieben besser profilieren zu können. Das Wettbewerbswesen wird nur dann neue Freunde gewinnen, um überleben zu können, wenn die einzelnen grossen und kleinen Klassen sich gegenseitig respektieren. Denn wir mussten lernen, dass die Reglementierung der verschiedenen Modellflug-Wettbewerbsklassen auch Nachteile mit sich brachte, indem oftmals technische Entwicklungen «unterdrückt» werden. Da ist doch die sehr grosse Zahl der konsequenten Wettbewerbsmeider besser dran. Sie tun das, was ihnen gefällt, ohne zu riskieren, dass ihr Tun von Verbandsbürokraten, Forentätern und Sucht-Bloggern für blöd hingestellt wird. Vor einiger Zeit hatte ich die Modellflug-Königsklasse als jene modellfliegerische Tätigkeit definiert, bei der sich der Ausübende als König fühlt. Das passt doch gut zur Jahreszeit, wo sich die drei Könige auf den Weg machen. Ich wünsche euch allen schöne Festtage und alles Gute zum neuen Jahr.

Freundliche Grüsse
Emil Ch. Giezendanner



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