Titelstory

Wer das grosse Abenteuer wagt

von Noam Perakis und André Bernet
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Jeder Modellbauer hat einmal davon geträumt: Sich in sein Modell zu setzen, sein Terrain zu überfliegen, seine Flugbewegungen vom Innern des Cockpits aus zu verfolgen und damit ein Gefühl von Wirklichkeitsnähe zu bekommen. Schon vor Jahren haben einige Mutige sich an dieses Experiment gewagt, indem sie Videokameras in Modelle eingebaut haben, deren Grösse ausreichend war, um das sperrige Gerät aufnehmen zu können. Welche Befriedigung, sich zu Hause Bilder seines Flugs anschauen zu können und dabei die Landschaft zu bewundern!


Eine Kamera im Flugzeug

Heutzutage ist die Überwachung eine Sache der Sicherheit. So entwickelt sich ein ganzes Angebot von kleinen Kameras, davon eine Kategorie mit drahtloser Übertragung, die zum Einbau in alle «empfindlichen», möglichen Winkel und Ecken bestimmt ist. Was für ein Glücksfall für unsere Modellbauer! In der Tat müssen diese kleinen Spione unauffällig sein, daher ihre äusserst reduzierte Grösse. Das Angebot wächst schnell: Von kleinen Schwarz-weiss Aufnahmegeräten bis zu Modellen mit Farbwiedergabe geringer Qualität, und schlussendlich hin zu kleinen Kameras, die gegenüber den üblicherweise verwendeten Videokameras wenig zu wünschen übrig lassen. Die drahtlosen Verbindungen werden besser und erlauben Übertragungsentfernungen, die trotz schwacher Leistung, wie sie für private Anwendungen erlaubt sind, durchaus angemessen sind. Da gleichzeitig die starke Konkurrenz den Effekt hat, die Preise niedriger werden zu lassen, entspricht die Anwendung für Modellbauer mehr als je zuvor dem aktuellen Geschmack. Und jetzt muss man nicht einmal mehr die Rückkehr zum Boden abwarten, um das Resultat zu sehen!


CMOS oder CCD?

Ein drahtloses Video-Übertragungssystem enthält zwei getrennte Teile: das im Modell eingebaute Teil, bestehend aus einer Kamera, einem Sender und einer Batterie, sowie das Teil, das auf dem Boden die Bilder empfängt, dies mit Hilfe einer Antenne und einem Empfänger. Letzterer ist entweder für direkte Bildbetrachtung an einen einfachen Videomonitor angeschlossen (TV, LCD-Bildschirm, Videobrillen, ...) oder an ein Aufzeichnungsgerät, Videokamera, Digital-Walkman, Videobandgerät, ...), wenn man die Bilder aufbewahren will. Das aktuelle Marktangebot bietet eine ganze Reihe von Systemen äusserst unterschiedlicher Preis- und Qualitätsklassen. Man unterscheidet zwischen zwei Typen von Kameras: CMOS und CCD. Erstere sind nicht kostspielig, bieten jedoch nur relativ mässige Qualität, die einem Webcam mit niederem Bereich vergleichbar ist. CCDs sind teurer, aber das Bild ist sehr viel lichtstärker und kontrastreicher. Die Farben sind kräftiger und passen sich sehr viel besser an Helligkeitsveränderungen an. Gute Modelle haben eine Bildqualität, die mit einer Videokamera vergleichbar ist.

Was die Sender angeht, so ist die wesentliche Besonderheit die Sendeleistung. In der Schweiz ist die für Videoübertragung verwendbare Frequenz 2,4 GHz, mit einer maximalen Leistung von 10 mW. Die Eigenschaften der Sender sind also meist identisch, jedoch kann die Qualität je nach Hersteller unterschiedlich sein, was man erst im Versuch sieht. Es ist deshalb wichtig, Geräte guter Qualität zu wählen.

Der Preisunterschied ergibt sich also hauptsächlich aus der Kamera. Ein CMOS ist für jemanden, der sich mit Luftbildvideo versuchen will, eine gute Wahl, ohne dafür viel Geld auszugeben. Aber Vorsicht, ist man einmal überzeugt, macht sich schnell der Wunsch bemerkbar, in die nächst höhere Kategorie einzusteigen.



Einbau in das Flugzeug

Nachdem ein Videosystem in das Modell eingebaut ist, hat man die Möglichkeit, direkt seinen Freunden, die sich um einen Bildschirm versammelt haben, den schönen Anblick zu zeigen, den man oben geniesst. Weil man aber zu sehr mit Steuern beschäftigt ist, muss man sich damit begnügen, das Ende des Flugs abzuwarten, um davon zu profitieren ... frustrierend, oder? Besonders, wenn die Zuschauer Ihnen erzählen, wie gut man Details sieht und dass man das Gefühl hat, zu fliegen ... Es fehlt also nur noch ein kleiner Schritt, um sich vorzustellen, nicht mehr sein Flugzeug von aussen anzuschauen, sondern dank Videosystem «im Innern» Platz zu nehmen und frei über sein Terrain zu fliegen und dabei nur den Blick von innen zu haben. Ein Traum! Das kann auf den ersten Blick etwas riskant erscheinen. Eine ganze Anzahl von Modellbauern hat bereits den Versuch unternommen und lässt uns an ihren Erlebnissen teilnehmen, die je nachdem, ob sie Franzosen sind, von Québec oder auch Amerikaner, «Immersionssteuerung», «Videosteuerung» oder FPV-Flug (First Person View) genannt wird.

In diesen Ländern können viel leistungsfähigere Videosender verwendet werden. Trotz allem stellt man nach einigen Versuchen fest, dass ein Gerät mit 10 mW guter Qualität uns dennoch einen Aktionsradius von etwa 500 m bietet. Darüber hinaus ermöglicht der Austausch der Empfangsantenne gegen ein Modell mit Halbausrichtung, dass man diese Zahl noch verdoppeln kann und es deshalb nicht notwendig ist, sie genau auf das fliegende Flugzeug auszurichten, was heisst, dass man nicht auf eine Hilfsperson angewiesen ist. In dieser Phase ist es eher der Aktionsradius der Funksteuerung, auf den man achten muss!

Kein Problem also, in seinem üblichen Bereich zu fliegen, wo man nur selten die 400-m-Distanz überschreitet.

Also, legen wir los! Aber Achtung: Es ist unerlässlich, für die ersten Flüge einen zweiten Piloten zu finden, um sich dank Doppelsteuerung in absoluter Sicherheit an die Empfindlichkeiten zu gewöhnen. Die Beurteilung von Geschwindigkeit und Höhe erfordert tatsächlich etwas Übung. Mit Hilfe des zweiten Piloten, der uns Ratschläge geben und kleine Fehler ausgleichen kann, findet man schnell seine Bezugspunkte und wagt sich nach und nach alleine an das Abenteuer.

Man stellt schnell fest, dass der Bildschirm wirklich klein und unter strahlender Sonne kaum brauchbar einzusetzen ist. Hier kommt eine neue Komponente ins Spiel: die Videobrille. Mit Hilfe von winzigen Bildschirmen und ein bisschen Optik erhält man mit diesem Zusatzgerät ein grossformatiges Bild, das einem grossen TV mit Blick aus einer Distanz von etwa 2 m entspricht und das immer vor den Augen des Piloten bleibt, unabhängig von seinen Bewegungen. Weil man nur die Sicht aus dem Flugzeug im Blickfeld hat, tendiert man schnell dazu, zu vergessen, dass man auf dem Boden ist! So häufen sich viele Stunden Flug und Freude an!



Etwas mehr Realismus bitte!

In diesem Stadium entwickeln sich Ideen über Ideen: Wie soll die Kamera auf eine bewegliche Halterung montiert werden, damit man ungehindert um sich schauen kann? Mit einer Kamera, die sich horizontal um 180° dreht, kann man die Flügelspitzen sehen. Warum nicht auch vertikal? Hier beginnt die Steuerung kompliziert zu werden. Man muss schon das Flugzeug steuern, dabei dessen Geschwindigkeit und Höhe abschätzen, den Boden im Auge behalten und auch noch die Kameraposition in Bezug auf das Flugzeug steuern. Nicht einfach. Es beginnen uns Finger zu fehlen, um mit dieser Fernsteuerung zu hantieren! Es braucht etwas Natürlicheres. Bei den ersten Flügen mit Videobrille ist das Gefühl des «Eintauchens» so intensiv, dass man reflexartig versucht, um sich zu schauen und dabei den Kopf dreht.

Leider passiert gar nichts. Was fehlt also noch! Die Website www.rc-tech.ch schlägt seit Kurzem die «Gyrocontrol» vor, einen kleinen Sensor, den man an der Brille befestigt und an die Funksteuerung des Modells anschliesst. Damit erhält man maximale Wirklichkeitsnähe. Die Kamera folgt dem Kopf des Piloten, der auf dem Boden sitzt und nicht nur die Ansicht bewundern kann, sondern auch damit beginnen kann, schöne Flugfiguren auszuführen, was früher relativ schwierig war, weil man seinen Blick nicht schnell auf den richtigen Fleck ausrichten konnte! Offensichtlich gibt es jetzt kein Problem mehr damit, eine zweite Bewegungsachse anzufügen. Auch wenn dies wenig sinnvoll scheint, so führt es doch zu mehr Wirklichkeitsnähe, weil man sich nicht eingeschränkt fühlt. Wenn man das Teil an Stelle des Piloten installiert, könnte man wirklich glauben, dass man selbst der Pilot im Cockpit ist! Die Empfindungen sind denen, die man in den reellen Flugzeugen erlebt hat, so nah wie möglich.



Ein guter Start

Die Immersionssteuerung ist eine relativ neue Disziplin und bei uns noch wenig verbreitet, was offensichtlich zu vielen Fragen führt. Sicherheit ist eine der ersten, die einem dabei in den Sinn kommen. In der Tat verlangt das zusätzliche Gerät für die Anwendung der Immersionssteuerung Vorsicht. Der Pilot, der sich daran versucht, wird Reaktionen empfinden, die sich sehr von denen unterscheiden, an die er sich gewöhnt ist. Erst nach Dutzenden von Übungsstunden ist es dann möglich, mit qualitativ gutem Gerät und Ausdauer des Piloten, was nicht mit dem Einfliegen eines beliebig reduzierten Modells vergleichbar ist, die technischen Risiken nicht viel grösser zu halten als mit «Sicht»-Flug. Wichtig ist, dass man sich während seiner ersten Schritte in dieser neuen Disziplin wieder als Anfänger betrachtet, und dies trotz der sofort aufkommenden Freude, die dies vergessen lässt. Für die ersten Flüge ist es von Vorteil, mit doppelter Steuerung zu fliegen und ein Anfängermodell zu benutzen, das bei Problemen möglichst wenig Schaden verursacht.


Welches Gerät?

Was das Gerät angeht, so sind einige Vorsichtsmassnahmen angebracht. Tatsächlich war das für Immersionssteuerung verwendete Videogerät hauptsächlich für Überwachung bestimmt, was weniger Anforderungen an Leistung und Zuverlässigkeit stellt. Unter der Vielfalt der handelsüblichen drahtlosen Kameras, die sich oft im Internet finden, sind wenige, die sich als passend erweisen. Sie scheinen auf Grund ihrer extrem niedrigen Preise oft interessant, stellen sich jedoch als unbrauchbar heraus. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, was man kauft, und nur dem Gerät zu vertrauen, das für diese Verwendung getestet wurde. Auch wenn der Preis oft höher ist, ist man sicher, sein Geld nicht für etwas Unpassendes verschwendet zu haben. Man muss ausserdem vorsichtig sein, weil man auf Produkte stossen könnte, die äusserlich genauso aussehen, deren Elektronik aber total anders ist und nicht die Leistung bietet, die man erwarten würde. Abgesehen vom Unterschied der Sende- und Bildqualität verwenden bestimmte Kameras die Frequenz 1,2 GHz, die in der Schweiz nicht zulässig ist, und oft gleichbedeutend mit schlechter Qualität ist. Sie finden verschiedene betriebsbereite Kamera-Einbausätze auf der Internet Website www.rc-tech.ch, angefangen von der CMOS oder CCD-Kamera bis hin zu Videobrillen, Gyrocontrol oder kompletten Bausätzen für Immersionssteuerung. Sollten Sie noch immer nicht überzeugt sein, können Sie Luftvideos herunterladen oder sich mit mehr als 500 Passionierten im Forum in Verbindung setzen.

Referenzen: Sie finden das passende Gerät bei RC-Tech.ch (www.rc-tech.ch, info@rc-tech.ch) oder ausgestattete Modelle beim Aeromodelshop Mont/Lausanne. (www.aeromodelshop.ch)



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