Freiflug-Weltmeisterschaften 1973
Alle 2 Jahre gelangt die Weltmeisterschaft, die dieses Jahr von 34 Nationen aus allen Erdteilen bestritten wurde zur Austragung. Fast in allen diesen Ländern wird vorgängig eine Ausscheidung ausgetragen. So bewarben sich z. B. in Ungarn für die Kat. F1C (Verbrennungsmotormodelle) 43 Konkurrenten. Die Schweizer brachten es auf 3 Mann, es wurde daher ein Leistungsminimum von 150" pro Flug angesetzt. Organisatorisch war die Schweiz gut vorbereitet. Organisation wurde auch vom österreichischen Aeroclub ernstgenommen. Nicht umsonst führte man diese WM zum dritten Mal in Wien-Neustadt durch. Uebrigens ein Gelände für diesen Sport, dass man vor Neid platzen könnte — 4 km2 topfeben. Das Wetter für die 3 Tage: Warm — wärmer — am wärmsten.
Die Schweiz stellte nebst den 9 Konkurrenten auch 12 Zeitnehmer.
Am Dienstag wurde im Hangar auf dem Flugplatz die Modellkontrolle durchgeführt. Drei Modelle waren erlaubt.
Strahlendes Wetter 30°C, Windgeschwindigkeit 0—2 m pro Sekunde.
Wettbewerbsbetrieb auf 24 Startstellen. Jede Mannschaft hatte pro Durchgang 1 Std. Zeit ihre Flüge durchzuführen. Einzelkonkurrenten wurden zu 3er Gruppen gebildet, damit dieselben nicht bevorteilt waren. Verschiedene Ausführungen von Thermik-Anzeigegegeräten wurden aufgestellt. Die einfachsten bestanden aus einem Bambusrohr 4 m lang. Oben war eine Staniol-Papier-schleife 2 cm breit und ca. 5—6 m lang befestigt. Durch die verschiedenen Bewegungen dieser Schleife konnte man Windstärke und -richtung genau feststellen.
Die «Seifenblasenmaschinen» in div. Ausführungen. Auf einer drei Meter langen Stange befand sich ein Behälter ca. 2 dl Inhalt für das Seifenwasser. Ein Ring wurde über ein Gestänge eingetaucht und anschliessend mit einer Luftpumpe die Seifenblasen fabrikt. Einmannbetrieb oder Intervall-Automatik.
Elektronische Thermikfühler. An einem Kästchen befand sich eine Antenne ca. 2 m; oben war ein Kupferdraht als Fühler. Derselbe war in Styropor eingepackt ca. 1 dm3, rundherum waren Löcher Ø5 mm. Dies ist nötig, damit der Fühler nur Temperaturunterschiede und nicht Reibungswärme aufnimmt. Die Temperatur wurde auf ein Potenziometer übertragen und auf einer Skala abgelesen. Kaufen kann man diese Geräte nicht. Es sind alles Eigenkonstruktionen.
Testflüge während des Wettbewerbsbetriebes waren untersagt. Für jeden Flug wurde der Treibstoff (Einheitsgemisch) vom Zeitnehmer abgegeben. Alle Modelle waren mit Differenzsteuerung ausgerüstet. Rossi 15, der meist verwendete Motor.
Zu erwähnen wäre noch der Klappflügel von Koster Dänemark: Während des Steigfluges ist die Flügelunterseite gerade, anschliessend verändert sich dieses um 3° vom Hauptthol nach hinten.
Koster erreichte den 6. Schlussrang mit dieser Konstruktion. Man sah auch Modelle komplett aus Polyester hergestellt. Sehr verschleissfest und nicht über dem vorgeschriebenen Gewicht von 750 Gramm. Als Anfänger-Modell würde sich diese Bauart lohnen. Die Motorlaufzeiten wurden nicht «spitzig» eingestellt. Meist zwischen 8,5—9,5", Durchschnittshöhen um 100 m.
Der Weltmeister Horcicka, Oesterreich, erreichte im 3. Stechen mit der vorgeschriebenen Motorlaufzeit von 4 Sekunden ohne Thermik noch 137". Dies veranschaulicht die hohen Leistungen. Das Durchschnittsalter war hier am Höchsten.
Bei Peter Maurer's Modell stellte der Motor nach der Kurveneinleitung nicht ab, Totalbruch. Aehnlich mit dem 2. Modell. Eine bittere Enttäuschung nach dem Sieg in München. Hans Schoder griff beim 4. Start in den Propeller und musste im Spital ambulant behandelt werden. Urs Schaller verzeichnete die regelmässigsten Flüge und belegte mit 1117" (1260 maximum) den 52. Rang von 65 Gewerteten.
Wetterlage: sonnig bis leicht bewölkt, Temperatur 32°, Windgeschwindigkeit 0-2 m/sek. In dieser Kategorie (Gummimotormodelle) sah man die unterschiedlichsten Modelle. Spannweite 110—160 cm. Als Rumpf wurde ein Alu-Rohr Ø 30 x 0,3 verwendet. Die Finnen flogen mit Fiberglas-Rümpfen — ganze Länge 1 mm Wandstärke 43—46 Gramm. Propellermaterial: Balsa verleimt, Balsa und an der Wurzel mit Sperrholz verstärkt; oder geschnitten aus Holz mit sehr dünnen Jahrringen Ø 50—60 cm. Erstaunlich viele Konkurrenten flogen noch ohne Zeitschalter und ohne Differenz-Steuerung. 14—16 Stränge Gummi. Aufdrehzahl 320—350 Umdrehungen. Meist wurde ohne Propeller aufgezo-gen, damit ein Gummibuch keinen Schaden anrichten konnte. Zum taktischen Einsatz kann man folgendes sagen: Mit dem aufgezo-genen flugbereiten Modell warten und nochmals warten. Die Kraft des Gummis hält 20 Minuten an (ermittelt aus Messungen). Befand sich ein Modell in einem Thermik-Schlauch, ging ein Raunen durch die ganze Startlinie und plötzlich flogen 25 Modelle einem sicheren Maximum entgegen. 400 m Höhe nach 3 Minuten war keine Seltenheit. Auch Konkurrenten, die mit 30" Motorlaufzeit nur 50 m Höhe erreichten, flogen auf diese Einsatzart ein Maximum. So war es nicht verwunderlich, dass man bei den 12 Stechenden kein sog. Supermodell sah. Keiner erreichte das Stechmaximum von 4 Minuten.
Zum zweiten Male Weltmeister wurde Joachim Löffler, DDR (1963 Wien-Neustadt).
Dieter Siebenmann verlor im 3. Durchgang 19" durch einen Pumpflug seines neuesten Modelles. Er erreichte den 15. Rang von 86 Gewerteten. Sicher hätte Dieter im Stechen gute Chancen auf einen 1. Platz gehabt. Urs Schaller vergab im 1. Flug 11".
In diesem Moment liess der Kampfgeist etwas nach, denn man wusste, dass auch in dieser Kategorie mindestens 10 Leute stechen würden. Mit 1172" kam er auf den 34. Rang, Zeitgleich mit dem letzten Weltmeister Klima, CSSR. Walter Eggimann flog in den ersten 5 Durchgängen das Maximum. Im letzten Durchgang musste er 1 Minute vor Schluss starten, da gab es leider keinen Schlauch mehr.
Alle Schweizer in der 1. Hälfte, 7. Mannschafts-rang von 31 Ländern.
Bravo «Gümmeler»!
Wetterlage: sonnig, kein Wind, Temp. 35°. So selbstverständlich war es nicht, dass man 7 Maximum flog. Beim 7. Durchgang sah ich z. B. 15 Minuten kein Modell fliegen. Viele Länder wendeten das Kreisschleppen (à la Rhis) an. Die Argentinier besaßen statt Hochstart-Haken eine Stahldraht-Klammer aus derselben rutschte der Hochstart-Ring erst bei 2—2,5 kg Zug. Zugleich war dieser pendelnd mit dem Seitenruder verbunden.
Sehr einfache Ausführung.
Die Oesterreicher, die die Mannschaftswertung gewannen, flogen folgende Modelle: Schalenflügel mit gerader Hinterkante, Doppel-V-Form, kurze Rumpfnase aus Holz, Fiberglas-Fischerrute als Rumpf. Höhensteuer etwa 4% Wölbung. Die DDR-Mannschaft hat ihre Flügelmittelstücke oben und unten mit 0,4 mm Sperrholz beplankt, Alulasche. Diese rissen die Modelle so auf, dass sie nach dem Ausklinken noch 5—7 m höher flogen. Israel hatte Modelle mit Doppeltrepezflügeln, Spannweite 2,30 m, Turbulator-Ecken. Die Italiener besaßen Modelle in geodätischer Bauweise, Rumpf gewickeltes Balsarohr. Teilnehmer aus regenarmen Ländern besaßen nur papierbespannte Modelle. Auch etwa 3 cm seitlich angeordnete Hochstart-Haken ohne Kurvenauslösung waren vorhanden.
Noch nie in der Modellfluggeschichte waren 41 Konkurrenten im Stechen. Darunter auch die beiden Schweizer Bucher und Rhis. Fast 2 Stunden vergingen bis dieses Monsterstechen durchgeführt werden konnte. 4 Minuten Startzeit war zu knapp. So passierte es Armin Rhis, der seinen 1. Flug infolge Leinenberührung wiederholte und dabei nur noch auf 90" kam. Toni Bucher beobachtete 3 Minuten bis er startete, anschliessend rannte die ganze Schweizermannschaft unter dem Modell mit Windjacken, Tüchern etc.
6. Rang von 93 Teilnehmern. Walter Haller's Modell spielte im 3. Durchgang einen bösen Streich. Aus ca. 200 m Höhe kam es plötzlich in einen Stechflug 120".
Fünf Länder erreichten alles Maximalflüge. 9. Mannschafts-rang für die Schweiz mit 3720" (Maximum 3780). Beste Mannschaftsleistungen an Weltmeisterschaften der Schweizer. Auch wenn es keinen Weltmeister gab, danken wir unserer Nationalmannschaft für ihre guten Leistungen und den grossen Einsatz, den jeder gezeigt hat.
W. Heise


| Klasse F1A | Klasse F1B | Klasse F1C | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. Ekhtenkov V. | UDSSR | 1 260 (+182 +162) | 1. Löffler J. | DDR | 1 260 (+225) | 1. Horcicka V. | A | 1 260 (+180 +180 +137) |
| 2. Krejcirik V. | CSSR | 1 260 (+182 +148) | 2. KIM DONG SIK | PRK | 1 260 (+200) | 2. Landeau A. | F | 1 260 (+180 +180 +126) |
| 3. Spann R. | A | 1 260 (+172) | 3. Kobori M. | J | 1 260 (+192) | 3. Agner St. | DK | 1 260 (+180 +180 +124) |
| 4. Sodini M. | I | 1 260 (+167) | 4. Wetterberg K. | DK | 1 260 (+181) | 4. Engelhardt K. | DDR | 1 260 (+180 +177) |
| 5. KANG JUNG SIK | PRK | 1 260 (+162) | 5. White R. | USA | 1 260 (+154) | 5. Weijters J. | NL | 1 260 (+180 +170) |
| 6. Verbree G. | NL | 1 260 (+158) | 6. Benedini H. | RA | 1 260 (+149) | 6. Koster T. | DK | 1 260 (+180 +157) |
| 6. Bucher A. | CH | 1 260 (+158) | 7. Szynaka A. | PL | 1 260 (+127) | 7. Meczner A. | H | 1 260 (+180 +154) |
| 6. Leskosek B. | YU | 1 260 (+158) | 8. Dobelmann J. | BRD | 1 260 (+121) | 8. Stoilov P. | BG | 1 260 (+180 +136) |
| 9. Bjerre F. | DK | 1 260 (+157) | 9. Kroon B. | NL | 1 260 (+108) | 9. SIN SANG GEL | PRK | 1 260 (+178) |
| 10. Nikolov M. | BG | 1 260 (+156) | 10. Dr. Ing. Oschatz A. | DDR | 1 260 (+106) | 10. Dusan V. | YU | 1 260 (+171) |
| 10. Deubel A. | BRD | 1 260 (+156) | 11. Voinescu D. | R | 1 260 (+104) | 11. Sharin S. | UDSSR | 1 260 (+123) |
| 12. Kornhöfer P. | CSSR | 1 260 (+155) | 12. Mc Donald A. | NZ | 1 260 (+102) | 11. Ochman J. | P | 1 260 (+123) |
| 13. Langevin H. | USA | 1 260 (+151) | 13. Siehyla W. | P | 1 257 | 13. Laughlin Mc T. | USA | 1 259 |
| 13. Van Eldik A. | NL | 1 260 (+151) | 14. Zachhalmel H. | A | 1 248 | 14. Talour Ch. | F | 1 255 |
| 15. Chmelik H. | A | 1 260 (+150) | 15. Siebenmann D. | CH | 1 241 | 15. Reus E. | NL | 1 253 |
| 15. LI SUNG CHAN | PRK | 1 260 (+150) | 16. Punter J. | GB | 1 235 | 16. Verbitsky E. | UDSSR | 1 247 |
| 15. Schmelter W. | BRD | 1 260 (+150) | 17. Charles M. | F | 1 231 | 17. Brodarac J. | BRD | 1 247 |
| 15. Vörös E. | H | 1 260 (+150) | 18. Zetterdahl J. | S | 1 228 | 18. Denkin A. | BG | 1 242 |
| 19. Lepp A. | UDSSR | 1 260 (+149) | 19. Polland R. | GB | 1 223 | 19. Barbabella G | I | 1 237 |
| 20. Kongstad K. | DK | 1 260 (+148) | 20. Delcroix J. | F | 1 220 | 20. Krycer B. | CSSR | 1 236 |
| ferner | ferner | 20. Patek C. | CSSR | 1 236 | ||||
| 40. Rihs A. | CH | 1 260 (+090) | 34. Schaller U. | CH | 1 172 | ferner | ||
| 53. Haller W. | CH | 1 200 | 45. Eggmann W. | CH | 1 149 | 52. Schaller U. | CH | 1 117 |
| total 93 klassiert | total 86 klassiert | 64. Schoder H. | CH | 538 | ||||
| total 65 klassiert | ||||||||
| Mannschaftswertung | Mannschaftswertung | Mannschaftswertung | ||||||
| 1. Austria | 3 780 + 467 | 1. German dem. rep. | 3 708 | 1. France | 3 733 | |||
| 2. USSR | 3 780 + 440 | 2. Poland | 3 666 | 2. Bulgaria | 3 723 | |||
| 3. Nederland | 3 780 + 421 | 3. Austria | 3 619 | 3. Yougoslavia | 3 710 | |||
| 4. German dem. rep. | 3 780 + 364 | 4. United Kingdom | 3 604 | 4. Nederland | 3 709 | |||
| 5. Canada | 3 780 + 338 | 5. P. R. K. | 3 583 | 5. UDSSR | 3 670 | |||
| 6. P. R. K. | 3 751 | 6. France | 3 578 | 6. Cechoslovakia | 3 662 | |||
| 7. Fed Germany | 3 740 | 7. Switzerland | 3 562 | 7. USA | 3 644 | |||
| 8. Cechoslovakia | 3 727 | 8. Fed Germany | 3 531 | 8. Italy | 3 626 | |||
| 9. Switzerland | 3 720 | 9. Finland | 3 522 | 9. Poland | 3 599 | |||
| 10. Spain | 3 692 | 10. Sveden | 3 511 | 9. P. R. K. | 3 599 | |||
| total 32 Mannschaften | Total 31 Mannschaften | 11. DDR | 3 552 | |||||
| ferner | ||||||||
| 21. Switzerland | 1 655 | |||||||
| total 23 Mannschaften |

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