Titelstory

Ich fliege nur für die Schweiz

von Rolf Ellwanger
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Die Leistung war überragend, das internationale Medienecho ebenso. Durch die erste erfolgreiche Alpenüberquerung am 13. Juli 1913 wurde der Schweizer Flugpionier Oskar Bider (1891–1919) noch bekannter, als er es nach dem Pyrenäenüberflug Pau-Madrid schon war.


Er sei «ein erfolgreicher, gerader Charakter, ein schlichter Mann, ein Schweizer von zähem, altem Schlag», erinnerte sich Major i Gst Theo Real, sein Vorgesetzter in der noch jungen Fliegertruppe, im Oktober 1919. Wer Bider gekannt habe, werde Wort für Wort diese knapp gemeisselte, überaus treffende Charakterisierung unterschreiben. Biders Ziel war, was drei Jahre vorher für Geo Chavez von Brig aus bei Domodossola am 23.9.1910 tödlich endete: die Überquerung der Alpen von Bern nach Mailand.


Das französische Pilotenpatent

erwarb Oskar Bider am 30. Dezember 1912 in der Fliegerschule von Blériot, in Pau am Fuss der Pyrenäen. Es trug die Nummer 1194. Am 24. Januar 1913 setzte Bider einen aviatischen Meilenstein mit dem ersten Pyrenäenüberflug. Der Name des Fliegers flog um die ganze Welt. Bald war Oskar Bider auch stolzer Besitzer des schweizerischen Brevets Nr. 32.

An zahlreichen Flugtagen in Aarau, Basel, Bern, Burgdorf, Lausanne, Liestal, Sitten und anderswo konnte man Oskar Bider mit seiner filigranen Flugmaschine Blériot XI bestaunen. Von Flug zu Flug gewann er an Zutrauen zur Aviatik und dazu an Popularität. Jedoch: Fliegen galt damals für die allermeisten Zeitgenossen noch als glatter Wahnsinn.


Den Durchbruch für Flugzeugbauer Blériot

brachte am 25. Juli 1909 die erstmalige Überquerung des Ärmelkanals. Das Fluggerät hatte Louis Blériot 1908 entworfen. Sein ganzes Vermögen setzte der Franzose Blériot in die Entwicklung. Die Maschine wurde in über 800 Exemplaren gebaut, dazu kamen Lizenzbauten in Italien und England. Ein Blériot XI von



Oskar Bider befindet sich übrigens im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern (siehe Kasten auf Seite 6).

Schon am 13. Mai 1913 hatte Oskar Bider einen kleinen Alpenflug von Bern nach Sitten absolviert und vorher, am 9. März, die erste schweizerische Luftpost von Basel nach Liestal transportiert: 75 Kilogramm Post für die Nationalspende zur Schaffung einer Schweizer Militär-aviatik. In über zweihundert Flügen ohne grössere Schäden machte der junge Pilot Erfahrungen über Steiggeschwindigkeit, Wettereinflüsse, Benzin- und Oelverbrauch usw. «Ich habe erstens einen guten Mechaniker und zweitens einen guten Motor», erklärte Oskar Bider oft auf entsprechende Fragen nach seinem Befinden.


13. Juli 1913, Bern-Beundenfeld

Um 4.08 Uhr startet Oskar Bider im Blériot XI mit 70 PS. Sein treuer Mechaniker Saniez hatte vorher den Passagiersitz herausgenommen und dafür einen zweiten Benzintank eingebaut. So konn-



te das Startgewicht um 60 kg gesenkt werden.

Bider schraubt sich über der Stadt Bern auf 3000 Meter in raschem Aufstieg empor, überfliegt die Jungfrau, schiebt in Domodossola um 6.40 Uhr eine kurze Tankstopplandung ein und steigt zur zweiten Etappe auf. Nach 4 Stunden 34 Minuten und einer Flugstrecke von 230 km landet Oskar Bider um 8 Uhr 42 auf dem Mailänder Flugplatz Taliedo. Eine Delegation der Schweizerkolonie, Offizielle, Ärzte und Geniesoldaten erwartet ihn bereits. Mit an Bord hat er eine Botschaft des Stadtpräsidenten von Bern, die Bider anschliessend dem Bürgermeister von Mailand in feierlicher Audienz überreicht.


Dübendorf–Olten–Luzern

Ein von Bider geflogener Blériot XI lagerte lange Zeit in einem alten Hangar in Dübendorf. Dank der Initiative von Ständerat und Luftfahrtkenner Dr. Eugen Dietschi (1896–1986), Basel, konnte das Flugzeug zusammen mit einem Dufaux-Doppeldecker in den Räumen des Historischen Museums Olten ausgestellt werden. Dort wurde die legendäre Maschine während 32 Jahren von unzähligen Interessenten bewundert.

Nachdem das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern 1959 eröffnet wurde, veranlasste Direktor Alfred Waldis die Überführung des Fluggerätes von Olten nach Luzern, wo es seither als Prunkstück der Nachwelt erhalten ist. Zweifellos das schönste Denkmal für Bider. RE



«Ich fliege nur für die Schweiz.»

Abermals wurde weltweit in den Gazetten über den Erfolg berichtet. In Paris brach Blériot in Tränen aus, als er von Biders neuem Rekordflug hörte, und sandte ein Glückwunschtelegramm. Sogar die französische Staatsbürgerschaft wurde ihm angetragen, aber Bider schlug aus: «Ich fliege nur für die Schweiz.» Der Bundesrat schenkte Oskar Bider eine goldene Uhr mit Gravur. Oskar Biders Alpenflug 1913 von Bern nach Mailand wird stets eine aviatische Grosstat bleiben, gemessen an den noch sehr bescheidenen technischen Mitteln, Kenntnissen und Erfahrungen, die den Fliegern zur Verfügung standen. So ist es naheliegend, im Jubiläumsjahr 2013 dem grossen Schweizer Flugpionier und seinem Wirken national zu gedenken.

Fotos: Archiv Rolf Ellwanger (RE)



4 nationale Gedenkanklässe

22./23. Juni: Volksfest in Biders Geburtsort Langenbruck BL.

17. Mai bis 21. Juli: Ausstellung im Museum im Bellpark Kriens: «Der Raum zwischen den Bergen – Oskar Biders Flug über die Alpen».

27. Juni bis 28. Juli: Sonderausstellung im Verkehrshaus der Schweiz Luzern mit einem von Bider geflogenen Blériot XIb, einem Nieuport-Jagdflugzeug, mit Originalobjekten und Dokumenten, Philatelieausstellung, Filmvorführungen.

13. Juli: Jubiläumsevent auf dem Berner Bundesplatz, exakt 100 Jahre danach. Präsentation eines flugfähigen Blériot XI-Nachbaus, Begrüssung durch den Schweizer Astronauten Claude Nicollier, Kurzansprachen, Publikumswettbewerb, Wiederholung Jubiläumsflug mit Oldtimer von Bern aufs Jungfraujoch mit Luftpost-Aero-philatelisten, Übertragung Schweizer Fernsehen SRF. Kranzniederlegung am Bider-Denkmal auf der Kleinen Schanze Bern. Abends Festakt im Schweizerischen Alpinen Museum.

Aktionstag des Verkehrshauses in Zusammenarbeit mit dem Museum im Bellpark Kriens mit Bider Shuttle (Oldtimer-Bus) zwischen den beiden Museen.

Swissmint hat bereits eine offizielle Erinnerungs-Silbermünze im Nennwert von 20 Franken lanciert.

RE


Wie wir Modellflieger unseren Flugpionieren nachleben

Die Blériot von Oskar Bider im Massstab 1:2,5 nachgebaut

Hermann Mettler

Fritz Weber hat zusammen mit Rainer Mattle schon vor über 10 Jahren die Blériot XI, mit der Oskar Bider seine erste Alpenüberquerung absolvierte, als Grossmodell nachgebaut.


Bauplan umgerechnet

Dabei benutzte er einen bestehenden Bauplan, den er dann auf den Massstab 1:2,5 umrechnete. Das Flugzeug war in der Vergangenheit an verschiedenen Modellflugveranstaltungen in der Luft zu sehen, unter anderem auch am Flugtag der MG Bassersdorf am 31. August 2008.


Oskar Bider verehrt

Fritz Weber verehrt Oskar Bider noch heute als sein grosses Fliegeridol. Dar-

um freut er sich schon seit Langem auf das Jubiläum «100 Jahre Alpenflug». Er wird darum bestimmt auch am Oskar-Bider-Fest am 22.–23. Juni 2013 in Langenbruck anzutreffen sein. Dort möchte er den interessierten Zuschauern seine beiden Blériot-Modelle zeigen. Das Grossmodell (M 1:2,5) in der Ausstellung und das kleinere Modell (M 1:4) in der Luft. ■

Foto H. Mettler


Daten Blériot XI Grossmodell:
Spannweite:4,2 m
Rumpflänge:3,4 m
Gewicht:35 kg (vom BAZL zertifiziert)
Massstab:1:2,5
Motor:Moki Sternmotor 5 Zylinder mit 13,5 PS



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