FAI-Weltmeisterschaften 2006
Weltmeisterschaft F2, Fesselflug, 2006 fanden in Valladolid, Spanien, statt. Mehrere hundert aktive Teilnehmer aus allen Ländern, darunter zwei Kunstflieger und drei Rennmannschaften aus der Schweiz. Heisses Wetter mit bis zu 38 °C, bei leichtem Wind aus variablen Richtungen.
Aus Sicht der schweizerischen Kreisflieger war diese Weltmeisterschaft in verschiedener Hinsicht ein besonderes Ereignis. Einerseits durften wir, erstmals nach vielen Jahren, einen neuen Piloten in einem Rennteam mitnehmen, und darüber hinaus war die WM 2006 die erste Grossveranstaltung, bei der das unter schweizerischer Leitung von Grund auf revidierte FAI-Reglement der Kategorie F2B (Fesselkunstflug) zur Anwendung gelangte. Ganz besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass in Valladolid erstmalig elektrisch angetriebene F2B-Modelle zugelassen waren und dass diese sich dabei als durchaus wettbewerbsfähig erwiesen haben.
Die elektrischen Kunstflugmodelle für Fesselflug waren mit handelsüblichen Motoren und Lithium-Polymer-Akkumulatoren von ca. 4000 mA/h Kapazität, für eine Flugzeit von 6 Minuten, ausgerüstet. Der hohe Leistungsbedarf für die komplizierten Manöver und die reglementarisch nicht zugelassene Beeinflussung der Motorleistung von aussen machte zudem die Anwendung von modifizierten Reglern notwendig. Die Änderungen der Regelfunktionen reichten von einfachen Zeitschaltern bis zur über die Laufzeit frei programmierbare Leistungsabgabe. Damit werden, vor allem bei noch etwas verfeinerter Definition und automatischer Beeinflussung der Parameter, in absehbarer Zeit dem Antrieb mit Verbrennungsmotoren ebenbürtige, mittelfristig vielleicht sogar überlegene Systeme zur Verfügung stehen. Dann wäre eines der Ziele der Renovation der F2B-Regel erreicht, nämlich die Kreisflieger dorthin zurückzubringen wo sie herkamen; auf die Sportplätze von Schulen, mitten in der Stadt.
84 Kunstflieger flogen unter regulären, wenn auch etwas heissen, Bedingungen je 2-mal auf zwei Plätzen, und die besten 15 bestimmten mit drei weiteren Flügen die Sieger. Die 6 Punktrichter wählten einen sehr talentierten, jungen Piloten aus Frankreich zum verdienten Weltmeister. Remi Beringer setzte, mit seinem Sieg vor zwei legendären Spitzenpiloten aus den USA, damit einen vorläufigen Höhepunkt in seiner noch jungen Karriere.
1. Remi Beringer, Frankreich
2. David Fitzgerald, USA
3. Paul Walker, USA
46. Peter Germann, Schweiz
65. Peter Däppen, Schweiz
Zum Thema «Nachwuchs» haben unsere italienischen Freunde in einer beispielhaften Aktion Akzente gesetzt. Und zwar indem sie einen ganz besonders talentierten jungen Mann nicht nur intensiv betreuten, sondern ihm darüber hinaus auch die Anschaffung eines Spitzenmodells ermöglichten. Maurizio Milani hat diese Vorleistung seiner Supporter mit dem Titel des Juniorweltmeisters der Kategorie F2B verdankt.
Die Rennklasse «Team-Racing» ist heute ganz klar nicht nur ein technischer Wettkampf auf absolutem Hightech-Niveau. Mittlerweile gehören zwar von Hand als Einzelstücke gebaute Motore, teilweise mit aufwendigen Keramikkugellagern ausgerüstet, in gefrästen Negativformen hergestellte Kohlefasermodelle und eher exotische Treibstoffe schon fast zum Standard, aber darüber hinaus sind diese Renngeräte dermassen anspruchsvoll in der Handhabung, dass schon sehr viel Wissen und Erfahrung dazu gehört, sie erfolgreich einzusetzen. Wenn dann, wie in Valladolid, zwei oder gar drei dieser unterdessen über 220 km/h schnellen Geschosse im gleichen Kreis geflogen, gelandet und innerhalb von 5 Sek. wieder gestartet werden müssen, dann wird das Ganze zu körperlich sehr forderndem Leistungssport, Vor allem bei 38 °C am Schatten, wobei auf der Betonpiste in Spanien weit und breit kein Schatten zu sehen war ... Die Schweizer Mannschaftsrenner freuen sich deswegen sehr, mit Zane Stanojevic einen neuen und sehr viel versprechenden Rennpiloten im Kader zu haben.

1. Surugue/Surugue, Frankreich
2. Bondarenko/Lerner, Ukraine
3. Kramarenko/Chayka, Ukraine
18. Müller/Saccavino, Schweiz
29. Borer/Studer, Schweiz
40. Stanejovic/Saccavino, Schweiz
Die Weltmeisterschaft F2 war, mit der Teilnahme von 357 Aktiven und fast noch einmal so vielen Supportern, eine grossartige Demonstration. Sie zeigte einmal mehr, was es eigentlich bedeuten kann, ein fliegendes Modell wirklich von Hand zu fliegen und es echt zu spüren. Die schweizerische Nationalmannschaft dankt dem SMV für die gewährte Unterstützung, nicht nur für die Teilnahme an diesem Grossanlass, sondern auch für die uns auf jeder Stufe und zu jedem Zeitpunkt immer wieder gewährte Hilfe für die gemeinsame Sache des Modellfluges.
Peter Germann


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